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"Dichterstammtisch" trifft sich in Weidenau

„Im Dickicht der Sprache Worte gefunden“

Weidenau. Immer am ersten Freitag im Monat treffen sich Literaten der Region in der Bismarckhalle Weidenau und stellen einander ihre Texte vor.

gmz - Rund ein Dutzend Damen und Herren sitzen um einen Tisch, vor sich einen Kaffee oder ein anderes Getränk, vor sich ein Textblatt - oder auch mehrere. In der Luft liegt Literatur: Sie wird rezitiert, vorgetragen, von den Zuhörern kommentiert, mit einem anerkennenden Lächeln, einem zustimmenden Lachen, einer kritischen Nachfrage oder einer einordnenden Anmerkung. Die Damen und Herren sitzen zusammen, um Literatur zu diskutieren. Nicht irgendwelche, sondern die, die von den "Dichterstammtisch"-Teilnehmern in den vergangenen Wochen oder Monaten geschrieben worden sind.

Zusammenschluss von Literaturinteressierten

Der Dichterstammtisch, der sich jeden ersten Freitag im Monat in der Weidenauer Bismarckhalle trifft, ist, wie Uwe Erwin Engelmann beim Besuch der SZ erläutert, ein Zusammenschluss von Literaturinteressierten, die alle selbst schreiben und froh sind über die Gelegenheit, mit Gleichgesinnten und -interessierten in lockerer Atmosphäre über die eigenen Texte zu sprechen. Offen ist das Treffen für alle, die schreiben. Geschrieben haben alle schon, bevor sie zum Dichterstammtisch kamen, einige von ihnen sind auch schon mit Preisen ausgezeichnet worden, auch im internationalen Rahmen. Der Stammtisch bietet also keine Schreibschule, sondern ist ein Forum, in dem Texte "probiert" werden, in dem man sich Anregungen holen kann oder neue Ideen. Wann hat man im Alltag sonst Gelegenheit, sach- und fachkundig über die Produktion von Texten und die dabei entstehenden Schwierigkeiten zu sprechen? Keiner muss seine Texte vorstellen, aber jeder kann - wie im klassischen literarischen Salon. Kritik, so betonen alle, wird aufbauend geäußert und hilft weiter, beim Finden der präzisen Formulierung, beim Vermeiden von Katachresen (Bildbrüchen) oder bei der gedanklichen Präzisierung.

Unterschiedlich die Teilnehmer, unterschiedlich die Texte

So unterschiedlich die Teilnehmer sind, so unterschiedlich sind auch die Texte: angefangen bei den Gattungen, bei denen von Gedicht (in Prosa oder auch gereimt) über Kurzgeschichte bis hin zu Theaterstück alles vertreten ist, über die Themen bis zum Duktus, der von lyrischer Beschwingtheit und poetischer Nachdenklichkeit über ironisch gebrochene Klischees bis hin zu humorvoller Krimipersiflage und poetologischer Reflexion mit leicht manieristischem Einschlag reicht.

Frisch erschienene Anthologie

Nachzulesen ist das in der frisch erschienenen Anthologie des Stammtisches, die unter dem schönen Motto "Von wegen wortkarg" publiziert wurde. In ihr haben Otto Abt, Heinz Dieze, Uwe Erwin Engelmann, Heliodor Frankovksi, Katharina Kretschmer, Erika Krumm, Sven Larsen, Bernd H. Limbecker, Ines Menzel, Jürg Schmied, Kay Schmidt und Heinrich Waegener Texte veröffentlicht: So unterschiedlich die Texte auch sind (auch qualitativ), so verbindet sie doch, dass praktisch in allen die Gestaltung der Sprache eine "Verortung" im Leben ist: "Im Dickicht der Sprache Worte gefunden" (Engelmann) oder "sprich mit mir" (Waegener, der Autor und Theatermann hat übrigens vor einiger Zeit eine sehr persönliche, sehr berührende Beschreibung des zunehmenden Schweigens vorgelegt, das alte Menschen und ihre Angehörigen trifft - eine ergreifende Bestandsaufnahme des Scheiterns, das sich selbst nicht zulässt).

Lesung in der Distille Düsseldorf

Anzutreffen sind Texte der Stammtischteilnehmer auch immer wieder in der Zeitschrift "Literamus", zu hören, zu erleben sind die Texte auch bei den Lesungen in der Region und außerhalb: Am 4. Dezember in der Düsseldorfer Distille oder auch in Schulen oder literarisch ambitionierten Cafés der Region.



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