Gedenken an Laaspher
Vor 500 Jahren starb Bischof Bonemilch
Bad Laasphe. SZ erinnert an einen Laaspher Bischof, der 1507 Martin Luther in Erfurt zum Priester geweiht haben soll.
howe • Als der Erfurter Weihbischof Dr. Johannes Bonemilch fast genau vor 500 Jahren - am 17. Oktober 1510 - starb, verschied auch ein berühmter Sohn Laasphes. Denn jener Bischof Bonemilch, der anno 1507 aller Wahrscheinlichkeit nach Martin Luther zum Priester geweiht haben soll, wurde um 1430 in "Laspe" geboren. Am Kirchplatz soll er in dem einst ältesten Haus Nummer 8, das in den 1980er Jahren abgerissen werden musste und das unter anderem die Bäckerei Schuppert beherbergte, gelebt haben. Heute, ein halbes Jahrtausend nach Bonemilch, kümmern sich nicht viele in Laasphe um die Berühmtheit. Wäre da nicht die rührige Bürgeraktionsgemeinschaft "Schöne Altstadt, die vor Jahren eine Tafel an dem Standort des alten Bonemilch-Hauses installiert oder zahlreiche Fahrten nach Erfurt organisiert hatte, der berühmte Bischof wäre wohl nie gewürdigt worden.
Oder wären da nicht Volker Gautsch und der Wallauer Rüdiger Weyer und nicht zu vergessen der Heimatforscher Eberhard Bauer sowie bereits Jahre zuvor dessen Vater Gustav: Viel hätte man nicht von Dr. Johannes Bonemilch erfahren. Und selbst bei der aktuellen Leitbild-Diskussion wurde ein Herr Bonemilch nicht aufgenommen - wenn doch gerade dies ein touristischer Trumpf gewesen wäre. Den genannten Zeitgenossen jedenfalls darf gedankt werden, dass sie sich an den alten Bischof aus dem späten Mittelalter erinnert haben. Dabei wird deutlich, wie sehr die Zeit bereits fortgeschritten ist. Das genaue Geburtsdatum Bonemilchs dürfte nur durch einen Zufallsfund in einem Archiv herausgefunden werden. Die Kirchenbücher reichen leider nicht bis 1430 zurück. Auch hätte man gerne mehr über Bonemilchs Leben als Laaspher erfahren, wie er aufwuchs, wer seine Eltern waren. Immerhin soll er einen Bruder gehabt haben, der Kaufmann Werner Bonemilch, dessen Tochter sich wiederum mit einem Arnold Raupershausen verheiratet haben soll. Raupershausen - so nannte man übrigens vor langer Zeit mal "Rüppershausen". Ansonsten existieren Erzählungen aus Überlieferungen, Sagen und Vermutungen. Zwischen Bonemilchs Haus "Kirchplatz 8" und der Kirche soll es einen unterirdischen Gang gegeben haben, was Laasphes Heimatkundler Eberhard Bauer aber ziemlich sicher verneint. Bauer selbst fand jedoch heraus, dass es in Laasphe zu Bonemilchs Zeiten eine Kalandsbruderschaft gab - das waren religiöse Brüder einer Gesellschaft des Heiligen Geistes, die sich am ersten Tag jedes Monats trafen, um Vereinsangelegenheiten zu besprechen und ein Mahl zu halten.
Bonemilch soll damals sein Haus dieser Bruderschaft übereignet haben. Hinweise darauf gibt es nicht, ebenso wenig ist festgestellt worden, ob Bonemilch vielleicht sogar selbst einer von diesen Kalandsbrüdern war. Immerhin darf angenommen werden, dass er derartigen Bruderschaften recht gut gesonnen war. Bonemilch weihte um 1500 einen Altar im Krankenhaus der Brüder vom gemeinsamen Leben, der so genannten Kugelherren aus Marburg. Was es über Dr. Johannes Bonemilch zu wissen gibt, weiß die Öffentlichkeit von den anfangs genannten Personen. Rüdiger Weyer hat im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon eine detaillierte Abhandlung über Bonemilch geschrieben, aktuell hat sich Eberhard Bauer - quasi zum 500-jährigen Todestag - in den Blättern des Wittgensteiner Heimatvereins, die in diesen Tagen erscheinen, nochmals mit Johannes Bonemilch auseinandergesetzt. Bekannt ist, dass Bonemilch zunächst 1454 bis 1464 als Pfarrer in Eckelshausen bei Biedenkopf tätig war und sich noch in dieser Zeit in Erfurt für sein Studium einschrieb - als "Johannes Bonnmelch de Lasphe". 1464 legte er sein Pfarramt nieder und widmete sich seinem Studium. Dem ersten Examen folgte das zweite und somit der akademische Grad "magister artium". Vorlesungen und Disputationen hielt er ab, wurde Dekan, Dr. theol. und Professor. Dreimal wurde Bonemilch zum Rektor der Erfurter Universität gewählt, von 1498 bis 1508 war er der 19. Weihbischof Erfurts. 1507 soll er Martin Luther, vermutlich am Karsamstag, 3. April, im Erfurter Dom die Priesterweihe erteilt haben. Heimatkundler und Bürgeraktionsgemeinschaft (BAG) in Laasphe halten heute nicht nur die Erinnerung an Bischof Bonemilch wach, sondern sind in den vergangenen Jahren nach Erfurt gereist, um die Laasphe-Kapelle zu besuchen. Selbstverständlich hängt dort auch eine Tafel, die an Bonemilch erinnert. Jenen reich verzierten Kapellenchor, die heutige Laasphe-Kapelle neben der Kirche St. Michael, stiftete Bonemilch im Jahre 1505 im Rahmen seines eigenen Testaments.
Eberhard Bauer untersuchte das Testament Bonemilchs und fand heraus: Dr. Johannes Bonemilch war seiner Stadt Laasphe zeitlebens verbunden. Bezeichnend seien die vielen Wittgensteiner Studenten, die in dieser Zeit eben nicht wie gewöhnlich nach Köln, sondern nach Erfurt gegangen seien, so Eberhard Bauer. In Erfurt liegt Bonemilchs Grabplatte, dort steht die Laasphe-Kapelle und da gibt es eine Bonemilchstraße. In Laasphe sollte doch noch ein wenig mehr als die BAG-Tafel am Standort des Bonemilch?schen Geburtshauses getan werden. Volker Gautsch hat da eine - wenn auch kleine - Idee, die der Anfang für weitere Würdigungen sein sollte: Das Gässchen am Kirchplatz könnte man doch in Bonemilch-Gässchen benennen und ein Straßenschild aufstellen. Dann würde man den großen Sohn von Laasphe auch nicht vergessen.




