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Schnell ins Internet

Breitband in zehn Wochen

"Warum in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah?" Damit warb vor Jahr und Tag eine Molkerei für ihre Produkte. Das Motto könnte reaktiviert werden, um Werbung für eine Infrastrukturmaßnahme zu betreiben, die der Kreis Olpe initiiert hat, um Nachteile auszumerzen, die Menschen auf dem Land derzeit noch gegenüber den Bewohnern von Ballungszentren verspüren. Es geht um Bandbreite, genauer: um eine möglichst große Geschwindigkeit in Sachen Internet-Anbindung.

win - Was vor Jahren noch etwas für Freaks und Spieler war, hat sich zu einem wichtigen Infrastrukturelement gemausert. Kreisdirektor Theo Melcher: "Ein schneller Internetanschluss ist heute für manche Firma wichtiger als ein Straßenanschluss." Und auch für immer mehr Privatleute gehört schnelles Internet zum Muss - ob sie per Skype kostengünstige Videotelefonie mit dem Studienfreund in Nepal betreiben, abends von zu Hause noch eben schnell auf dem Firmen-PC nach neuer Post schauen, das Urlaubsvideo an die Großmutter in Berlin senden wollen oder einen Kino-Klassiker aus der Online-Videothek mieten wollen. Doch in vielen Orten im Kreis Olpe geht das bislang nicht. Überall dort, wo die Deutsche Telekom kein DSL via Telefonleitung bieten kann und wo gleichzeitig kein Breitbandkabel vom einstigen Fernsehnetzbetrieber liegt, "stolpern" Internetnutzer bislang maximal mit ISDN-Geschwindigkeit voran - quasi mit einem Tretroller auf der Datenautobahn.

Kreis wurde Teilhaber

Ihnen kann geholfen werden. Der Kreis Olpe wurde Teilhaber an der Telekommunikationsgesellschaft Hochsauerland, die zum 1. Januar entsprechend ihren Namen in "Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen" änderte. Diese wird nun zusammen mit der in Maumke ansässigen Firma "Innofactory" ein weiteres Netz aufbauen, um auch Menschen, die nicht mitten in Olpe, Altenhundem oder Attendorn wohnen, mit Turbo-Geschwindigkeit ins Internet zu bringen.

Für den Bau dieses Netzes wird jedoch keine Straße aufgerissen, kein Graben ausgehoben und kein Kabel verlegt. Denn "Innofactory" funkt. "LNet" heißt ihr Angebot.

Richtfunk von der Kuhhelle

Von der Kuhhelle, einem der höchsten Punkte des Kreises, werden Richtfunk-Verbindungen dorthin aufgebaut, wo Ortsnetze entstehen sollen. Die Richtfunk-Empfangsstationen wiederum senden die Daten per Rundfunk in die Orte. Zum Empfang sind kleine Außenantennen nötig, die eine Sichtverbindung zu den Ortsnetzverteilern benötigen. Die aus der Militärtechnik stammende Funktechnologie, die "Innofactory" verwendet, ist so schwach, dass sie eine Hauswand nicht durchdringen können. Die Sendeleistung der Ortsfunkverteiler sind nicht einmal halb so groß wie die eines herkömmlichen Mobiltelefons. Von den Antennen muss ein Kabel durch die Außenwand ins Hausinnere geführt werden. Wolfgang Grothe von "Innofactory": "Wir haben eine Selbstinstallationsquote von rund 90 Prozent." Der Anschluss der Antenne sei vergleichbar mit der Arbeit, um eine Satellitenschüssel zu installieren. Wer dies nicht könne oder wolle, finde bei seinem Radio- und Fernsehdienst Hilfe. Wer kann einen "LNet"-Anschluss bekommen? Theoretisch jeder. Damit sich die Investition in die Funktechnik lohnt, müssen pro Ortsnetz 20 "Normkunden" zusammenkommen. Jeder Privatanschluss entspricht einem "Normkunden", jeder Firmenanschluss je nach Bandbreite mehr. "Das ist ein Mitmachprojekt", so "Innofactory"-Mitgründer Mario Heuel. Jeder Interessent könne sich an die Firma, noch einfacher jedoch an den jeweiligen Ortsvorsteher wenden. Dann werden Bürgerversammlungen einberufen, um das Interesse in jedem Ort zu sondieren. Nach einer solchen Versammlung kann es ganz schnell gehen: In sechs bis zehn Wochen könnten die ersten Nutzer per Funk ins schnelle Internet. Die Kosten liegen durchaus vergleichbar mit den kabelgebundenen Angeboten der großen Netzbetreiber. "LNet privat" kostet bei einer einmaligen Bereitstellungsgebühr von 99,95 Euro, in denen das Ausleihen der Antenne schon inbegriffen ist, pro Monat 34,95 Euro im Monat. Wichtig für Insider: Die Upload-Rate liegt bei mindestens 1,5 Megabit pro Sekunde, so dass in jedem Fall ein Telefonieren via Voice over IP möglich ist und damit der Festnetzanschluss abgeklemmt werden kann. Mindestvertragslaufzeit sind 24 Monate. Firmenanschlüsse mit synchroner Internet-Anbindung mit hoher Verfügbarkeit beginnen bei knapp 200 Euro im Monat. Die Telekommunikationsgesellschaft hat im Hochsauerlandkreis bereits seit knapp drei Jahren Erfahrungen mit dieser Technologie. Geschäftsführer Bernhard Schulte berichtete gestern beim Pressegespräch in Maumke, am Firmensitz von "Innofactory", die Zufriedenheit sei enorm groß. Insgesamt sollen in 40 bis 50 Wochen rund 30 Ortsnetze aufgebaut werden. Wer mit seinem bisherigen Internet-Provider längere Vertragslaufzeiten vereinbart hat, kann auch später dazustoßen.



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