Was macht die Frau denn da auf dem Klavier? Die Damen von Salut Salon unterhielten mit ihrem aktionsreichen Treiben auf der Stadthallen-Bühne ihr Publikum in Kreuztal bestens. Und sie hatten offensichtlich selbst auch viel Spaß dabei. Foto: bö
Keine Stilgrenzen in Kreuztal
Prima Unterhaltung mit Salut Salon
Kreuztal. Salut Salon zeigte in der ausverkauften Stadthalle, dass es - auch in der Musik - auf die richtige Mischung ankommt.
bö - Der Titel der ersten Zugabe ist Programm: Scott Joplins Ragtime "The Entertainer". Genau, das ist der berühmte und unverwechselbare Ohrenschmeichler aus dem Hollywood-Film-Hit "Der Clou" mit Robert Redford. Und das, was am Freitagabend in der ausverkauften Kreuztaler Stadthalle über die Bühne ging, das war großes Kino. Im, neudeutsch heißt das nun mal so, Crossover-Style. Ins Altdeutsche übersetzt bedeutet das, Stilgrenzen sind dazu da, überschritten zu werden. Was in Europa dank gefallener Schlagbäume insgesamt ordentlich funktioniert, das sollte doch auch in der Musik möglich sein. Auch wenn der ein oder andere Klassik-Papst (deren Kritikaster-Garde führt ja oft ein besonders strenges Regiment), vielleicht beim einen oder anderen Ton das hypersensible Öhrchen mal zukneifen muss.
Salut Salon sind angesagt
Versuche hat es schon viele gegeben, Klassik mit Rock zu kreuzen, mit Folk, Chansons und fast allem, was so klingt. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Am Freitagabend hat es funktioniert, denn die vier lustigen Damen von Salut Salon versuchten nicht nur, wie Jim Morrison einst sang, dem Haus richtig Feuer zu machen, sondern es gelang dem Quartett mit seiner Musik, die Herzen der Menschen aufzuschließen und zu wärmen. Die Besucher des von der Siegener Zeitung präsentierten Konzerts waren begeistert und geizten nicht mit Applaus. Salut Salon, zurzeit ist der Vierer richtig angesagt, sind erst einmal die beiden Gründerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried (Gesang), die beim "Entertainer" ihre Geigen so was von "crossover" - hinter dem Kopf oder auf dem Instrument der jeweils anderen - spielen, dass Jimi Hendrix selig seine Stromgitarre vermutlich vor Neid erblassend nur noch traditionell vorm Bauch gespielt hätte. Und weil das Ganze nun einmal nur so gut sein kann wie die einzelnen Komponenten, sind natürlich auch Sonja Lena Schmidt (Cello) und Anne von Twardowski (Klavier) richtige Granaten. Stopp, hier hält die Klassik-Polizei die Kelle hoch. Das muss natürlich Koryphäen heißen.
Viel Substanz
Aber lustig alleine genügt nicht, weil es dann ganz schnell wie eine Seifenblase platzt, das Publikum nach Substanz verlangt. Und die haben die Frauen. Wenn Anne von Twardowski das Klavier besteigt oder wie ein wild gewordenes Vögelchen beim Buhlen um Aufmerksamkeit tiriliert, ist das richtig witzig, geht aber nicht auf Kosten der Musikalität. Denn die vier beherrschen in allererster Linie ihre Instrumente und alles andere ist Zugabe. Und deshalb ist ihr musikalischer Trip mit dem Titel "Um alles in der Welt" zwischen "Tatort"-Melodie, Liszt, Mendelssohn, Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung", chinesischen Kling-Klang-Klischees und vielem mehr so spannend, kurzweilig und unterhaltsam. Und wenn die Handpuppe namens Oskar ins musikalische Geschehen eingreift, dann gewinnt das Treiben auf der Bühne eine poetische Komponente, die die Fantasie beflügelt. Es wäre schön, wenn Oskar und die Damen "um alles in der Welt" mal wieder in Kreuztal Station machten. So viele Städte mit einem Kulturbahnhof gibt es schließlich in Deutschland nicht.




