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Luxuslärm in Wilnsdorf

Eine total vernünftige Live-Band

Wilnsdorf. Luxuslärm spielen am 9. April in der Festhalle Wilnsdorf. Die Siegener Zeitung präsentiert das Konzert und hat die Tickets im Verkauf

sz - Was ist diese Band vernünftig! Montags, dienstags und mittwochs ist Jini einfach Gesangslehrerin. Auch Trommler Jan und Gitarrist Henrik unterrichten an der Rock- und Popmusikschule in Iserlohn, mit der sich Jan einen Traum erfüllt hat. David, der Keyboarder, ist Physiotherapeut. "Es ist beruhigend zu wissen, dass wir in unsere alten Berufe zurückkehren könnten, wenn es mal nicht mehr so läuft", sagt Luxuslärm-Sängerin Janine Meyer. Danach sieht es im Moment nicht aus. Die Akustiktour "Gegen jedes Gesetz" ist in vollem Gange, im Moment arbeitet die Band am neuen, dritten Album, das am 14. Oktober erscheinen soll. Die Luxuslärmer werden gern gemocht seit ihrem Hit "1000 Kilometer bis zum Meer", mit dem sie 2006 erstmals aufgefallen sind.

Sängerin Jini: "Wir sind eine Live-Band"

"Wir sind eine totale Live-Band", sagt Jini, die lieber geduzt als gesiezt sein möchte, und verspricht für den Auftritt von Luxuslärm am 9. April in der Festhalle Wilnsdorf "volles Brett". Präsentiert wird das Konzert von der Siegener Zeitung, Karten gibt es u.a. an den SZ-Konzertkassen am Siegener Obergraben und im Siegerlandzentrum, Tel. 0271/5940-350.

Musik für Menschen von sechs bis 56

Eine richtige Zielgruppe hat die Rockband nicht: "Ich muss mich nicht entscheiden, für wen ich Musik mache", sagt Jini. Da seien Menschen mit sechs, 16, 36 oder 56 Jahren im Publikum, und das findet sie richtig gut.

Luxuslärm fing als Coverband an

Sie waren einst eine Coverband mit fünf Mitgliedern, die sich aus anderen Bands kannten oder sich per Musikkontakt- anzeige gefunden haben. Jedes Wochenende spielten sie ein-, zweimal irgendwo in NRW, das war richtig Arbeit: "Ich habe gekämpft, bis ich auch den letzten in der hintersten Reihe hatte." Ein guter Zusammenhalt ist in dieser Zeit gewachsen, überhaupt legt Jini großen Wert auf Kommunikation innerhalb der Band: "Das ist wie in einer Beziehung." Alle sollen jeden Schritt wirklich mitgehen können. Als sie ihren ersten eigenen Song vorstellten, lernten sie Götz von Sydow kennen, der Luxuslärm seitdem als Produzent und Manager begleitet. "Er hat uns viel gezeigt, was die Studioarbeit angeht." Klar war allen: "Die Texte sollten auf jeden Fall deutsch sein, das ist einfach die natürlichste Art, mit dem Publikum zu kommunizieren", sagt die 1983 geborene Jini, die in Enschede in Holland Gesang studiert hat.

Jini Meyer und die Jungs wollen sich ein bisschen rar machen

"Wir sind den kompliziertesten, aber den für uns gesündesten Weg gegangen", findet sie. 2007 hätten sie unbedingt einen Plattenvertrag haben wollen, doch von den wichtigen Leuten von den Plattenfirmen sei nur die Rückmeldung gekommen: "Das braucht im Moment keiner." Also haben sie mit kleinem Budget ihr eigenes Ding gemacht, das zweite  Album landete prompt auf Platz 13 in den deutschen Charts - "und auf einmal wurden die hellhörig und wussten: ,Das wird ganz groß.?" Doch Luxuslärm machte und macht weiter in Eigenregie. Gut getan hätten der Band Auftritte in den Soaps "Anna und die Liebe", "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder "Alles was zählt": "Das war für uns eine tolle Werbung." So wurde Luxuslärm 2009 "Bester Newcomer" bei der "Eins Live Krone", vergangenes Jahr waren sie als "Beste Band" nominiert. Anfangs wurden sie noch mit Juli oder Silbermond verglichen - "waren wir stolz, mit so großen Bands auf einer Stufe zu stehen. Aber wer uns einmal live gehört hat, weiß, dass wir ganz andere Musik machen. Wir erarbeiten uns gerade das ,Klingt nicht wie??", sagt Jini. Am neuen Album arbeiten Götz und Henrik zusammen, sie kümmern sich um die Melodien und Harmonien. Jini schreibt dann zusammen mit Götz von Sydow die Texte. Eine Liste von rund 50 Themen haben sie am Küchentisch zusammengestellt, die jetzt irgendwie anstehen: "Zeit" zum Beispiel und welche Prioritäten man setzt, "Freundschaft" oder "Narben" - "die Zeit heilt nicht alle Wunden", findet Jini. Ihre Texte sind oft solche, die auch aus der Lebenswelt des Publikums stammen können. Die restlichen Bandmitglieder arbeiten dann als "Musical Directors" an den Arrangements für Live-Auftritte. Die von den Fans so oft gewünschte Live-DVD stellt Jini übrigens in Aussicht - alles nach und nach. Bis auf Eugen, den Bassisten, der jetzt nach Münster gezogen ist, wohnen alle Luxuslärmer noch im Sauerland. "Was sollen wir in den großen Metropolen?", fragt Jini. "Das ist mir zu unpersönlich. Hier ist unser Ruhepol, keiner nervt, das sind alles ganz tolerante Leute." Keiner kommt einfach so ungefragt in die Musikschule und kreischt. So geerdet, erscheint auch logisch, was Jini antwortet, wenn sie nach den Zielen der Band gefragt wird: "Dass die Jungs und ich gesund bleiben." In diesem Jahr wollen sie sich "ein bisschen zurückhalten, ein bisschen rar machen und nur 90 statt 130 Konzerte spielen, damit der Glamourfaktor wieder da ist, wenn wir auftauchen". Ansonsten wollen sie mit ihrem neuen Album "uns treu bleiben und gleichzeitig überraschend sein". Klingt gut, vielversprechend, realistisch. Und am Ende schlicht: vernünftig.  (von Regine Wenzel)



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