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Eklat auf der Tribüne

Rat lehnt Krämer-Würdigung ab

Siegen. Linke, Grüne und SPD wollten eine neue Brücke über die Sieg nach Walter Krämer benennen und damit den "Arzt von Buchenwald" ehren. Doch der Rat der Stadt Siegen lehnte den Vorschlag ohne Debatte ab.

ch - Es ist mehr als ein Verstoß gegen die Geschäftsordnung des Rates der Stadt Siegen, mehr als eine Einmischung von der Bühne aus: Eine Gruppe des VVN-BdA reckte am Mittwoch Plakate gen Ratssaaldecke, forderte auf Transparenten auf, "denken zu gehen" und "zu gedenken" - und zwar der historisch höchst umstrittenen Person Walter Krämer. Ein symbolischer Akt, für den Bürgermeister Steffen Mues (CDU) einen Rüffel, aber keinen Verweis erteilte. Hätte er tun können. Denn die wenigen Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Antifa-Szene waren, kurz, aber immerhin, mit ihrer Forderung laut zu hören und deutlich zu sehen: das Engagement des gebürtigen Siegeners und Kommunisten Krämer für sein mitmenschliches Engagement im KZ Buchenwald posthum anzuerkennen. Am besten mit der Benennung einer Straße oder einer Brücke nach dem Arzt.

Fraktionen-Trio: "Angemessener Kompromiss"

Letzteres wollten auch die drei Fraktionen von SPD, Grüne/Bündnis 90 und Die Linke mit einem gemeinsamen Antrag erreichen. Der schlug vor, eine der nach dem Abriss der Siegplatte neu zu bauenden Brücken nach Maria Rubens und eine zweite Brücke, als Verbindung von Unter- und Oberstadt, nach Walter Krämer zu benennen. Ein "angemessener" Kompromiss durch die "Benennung einer zentralen, herausgehobenen Örtlichkeit", und zwar im Rahmen des Regionale-2013-Projektes "Siegen - Zu neuen Ufern". Dies fand zumindest das Fraktionen-Trio.

Geheime Abstimmung

Doch diesen Kompromiss wollte es weder debattieren, noch öffentlich abstimmen. Michael Groß von den Grünen beantragte geheime Auszählung. Und Detlef Rujanski (SPD) verlas vorab gar eine Erklärung, dass es den Dreien der "Würde der Person Walter Krämers nicht gerecht zu werden" schien, diesen Vorschlag "einer Debatte zu unterwerfen". Rujanski: "Vor diesem Hintergrund werden wir uns an einer etwaigen Diskussion nicht beteiligen." Im Klartext: Die Fraktionen drückten sich vor der Aussprache im Rat, gaben sich - im Gegensatz zur Tribüne - ganz leise. Und zum Setzen der Kreuzchen verschwanden die Ratsmitglieder hinter der Blende der Abstimmungsbox. Es nützte nichts. 36 Ratsmitglieder votierten gegen die Benennung der Brücken nach den beiden Vorschlägen, 32 dafür. Ein Ratsmitglied enthielt sich.

Rolle des KPD-Mitgliedes umstritten

Schon lange wird die Person Walter Krämer kontrovers diskutiert. Die einen, etwa die Antragsteller, aber auch einige politisch Interessierte außerhalb des Rates, suchen nach einer Form, wie Krämer - bekannt eben als "Arzt von Buchenwald" und ausgezeichnet als "Gerechter unter den Völkern" durch die israelische Gedenkstätte Yad Vashem - in adäquater Weise durch die Stadt Siegen gewürdigt werden könnte. Die anderen, unter ihnen die meisten Siegener Christdemokraten, die sich gestern ebenso wenig inhaltlich zu Wort meldeten und damit verpassten, ihre Position kund zu tun, kritisieren scharf die Rolle und das politische Tun des überzeugten Kommunisten vor seiner Verhaftung in Hannover am 28. Februar nach dem Reichstagsbrand 1933. Vor allem das Demokratieverständnis des KPD-Mitgliedes, das in der Weimarer Republik wohl eine tragende Rolle der Kommunistischen Partei spielte, ist umstritten.



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