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Diskussion im Kreisausschuss

Inklusion weckt auch Bedenken

Olpe. Das Schlagwort "Inklusion" beschäftigt derzeit die gesamte Schullandschaft. Dahinter steht die UN-Behindertenrechtskonvention, die verlangt, dass in naher Zukunft die Eltern behinderter Kinder frei entscheiden können, ob ihr Kind eine Förderschule oder eine Regelschule besucht. Kritiker befürchten, dass dies das Ende des international als vorbildlich geltenden Förderschulsystems sein könnte. Befürworter argumentieren, dass ein "Abschieben" auf eine Förderschule die Betroffenen ausgrenzt.

win - Im Kreis Olpe hat sich der Verein "Gemeinsam leben - gemeinsam lernen - Olpe plus" gegründet, der sich zum Inhalt gemacht hat, die Inklusion voranzutreiben. Am Montag berieten die Mitglieder des Kreisausschusses über einen Antrag des Vereins, der die Erarbeitung eines Inklusionsplans fordert. Die Kreisverwaltung hat aus diesem Antrag eine Beschlussvorlage erstellt, die am Montag zur Abstimmung im Kreisausschuss stand. Darin heißt es unter anderem, dass der Kreistag die Zielsetzung der Konvention begrüße und der Landrat beauftragt werde, in Abstimmung mit Städten und Gemeinden einen kommunalen Inklusionsplan zu erstellen, sobald das Land entsprechende schulgesetzliche Änderungen vollzogen hat.

Schullandschaft wird sich ändern

Landrat Frank Beckehoff erklärte, er erwarte nicht, dass die Inklusion das Ende des Förderschulsystems bedeute. Aber durch die Inklusion werde ein Prozess angestoßen, an dessen Ende sich die Förderschullandschaft verändert haben werde, so der Landrat.

Die den Antrag des Vereins bestimmende Euphorie war bei den Kreisausschussmitgliedern nicht zu verspüren, sondern Skepsis bis Kritik. Thomas Förderer (SPD) fragte sich, ob das System der Inklusion überhaupt praktikabel sei. "Es darf kein Entweder-Oder zwischen Regel- und Förderschule geben, sondern ein Sowohl-Als auch. Wenn es die Förderschulen nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Es darf nicht soweit kommen, dass sie am Ende als Restschule dastehen." Dr. Ludger Zeppenfeld (UWG) erklärte, in seiner Fraktion sei noch kein Thema so intensiv diskutiert worden. Die UWG sei noch nicht zu einer Entscheidung gekommen, aber bis zur Kreistagssitzung solle dies der Fall sein; er könne schon jetzt ankündigen, dass es kein einstimmiges Votum geben werde.

Kreistag muss entscheiden

Josef Geuecke (CDU) fand, für die Umsetzung der Inklusion bedürfe es "einer Menge Einfühlungsvermögen. Es muss die beste Schule für das Kind gewählt werden. Es liegt ein langer Weg vor uns." Voraussetzung für ein Gelingen der Inklusion sei allerdings, dass an den Regelschulen "ganz andere Lehrer" unterrichten, es gehe nicht an, dass die behinderten Kinder einfach auf die Regelschulen verteilt würden. Claudia Berling (FDP) erklärte: "Wo es machbar ist, sage ich Ja. Aber es geht nicht in allen Fällen." Vor allem halte sie die vom Verein "Olpe plus" genannten Zahlen für utopisch. Im Antrag wird erklärt, dass mehr als 80 Prozent der behinderten Schüler an Regelschulen inkludiert werden könnten. Uneingeschränkte Zustimmung zum Antrag erfuhr der Verein lediglich von Fred Josef Hansen (Grüne). Dieser fand, die Inklusion sei "der Gedanke einer zutiefst humanen Gesellschaft". Er wisse, dass Förderschulen hervorragende Arbeit leisteten. "Aber viele aussortierten Schüler leiden ein Leben lang, keine Regelschule besucht zu haben". In der Tat gebe es aber Schüler, die so schwer behindert seien, dass sie nicht an einer Regelschule unterrichtet werden könnten. "Hier darf nichts übers Knie gebrochen werden." Hansens Äußerung stieß auf Kritik von Irmgard Grebe-Quast (CDU), selbst als Lehrerin an einer Förderschule tätig. "Ich warne davor, in irgendeiner Weise zu ideologisieren. Das pädagogische Konzept muss im Vordergrund stehen." Explizit kritisierte sie Hansens Wortwahl: "Müll wird sortiert, Schüler nicht." Hansen gab zurück, er habe aus einem Antrag zitiert, den auch die CDU-Landtagsfraktion unterschrieben habe. Skeptisch gab sich auch Kunibert Kinkel (CDU). "Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn das alles so käme, wie sich die Antragsteller das vorstellen." Er gehe davon aus, dass die personellen Ressourcen an den Regelschulen schlicht fehlen würden. Und dann trete das ein, was nicht sein dürfe: "Dann werden andere dadurch an ihrem Vorwärtskommen gehindert." Dr. Zeppenfeld: "Ich bin aus tiefster Überzeugung sicher, das ist falsch. Hat die UN bei dieser Konvention vielleicht nicht an Deutschland gedacht mit seinem Förderschulsystem, sondern an Länder, in denen behinderte Kinder auf der Straße sitzen müssen?" Landrat Beckehoff wies darauf hin, dass der Kreistag letztlich gar keine Wahl habe: "Die Inklusion ist unaufhaltsam. Wir wissen, dass der Prozess kommt, nicht wohin er führt." Er räumte ein, dass die bisher geleistete Arbeit des Vereins eher einseitig pro Inklusion erfolgt sei. "Ich danke dem Verein ausdrücklich für das bisher Geleistete, aber die Kreisverwaltung braucht den Verein für den weiteren Prozess nicht." Beckehoff wies darauf hin, dass der Landkreistag an entsprechenden Umsetzungsplänen arbeite. "Was Herr Hansen angesprochen hat, ist der Weg - es muss behutsam sein." So denke er nicht daran, eine Zielzahl von 80 Prozent in den Inklusionsplan zu schreiben. Der Beschluss pro "Olpe plus"-Antrag nehme nichts vorweg, daher werbe er um Zustimmung. Diese erfolgte im Kreisausschuss einstimmig bei Enthaltung von Zeppenfeld (UWG) und Berling (FDP). Der Kreistag befindet abschließend am 11. Juli über das Papier.



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