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Hilchenbach führt Kastrationspflicht ein

Katzen wird der "Spaß verdorben"

Hilchenbach. Jetzt also doch: Die Stadt Hilchenbach wird eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen einführen und diese in ihrer Ordnungsbehördlichen Verordnung verankern.

js - Dafür sprach sich am Mittwoch eine breite Mehrheit des Hilchenbacher Rates aus. Lediglich sieben Kommunalpolitiker schlossen sich der ablehnenden Haltung der Stadtverwaltung gegenüber einer entsprechenden Bürgereingabe des Tierschutzvereins für Hilchenbach und Umgebung an.

Erster Vorstoß im vergangenen Herbst

Bereits im November vergangenen Jahres hatte der Hauptausschuss anders als die Verwaltung entschieden. Diese sprach sich schon damals gegen den Vorstoß der Tierschützer aus, Besitzer freilaufender Katzen zur Kastration ihrer vierbeinigen Freunde zu verdonnern. Immerhin, so die Begründung aus dem Rathaus, stelle die steigende Katzenpopulation zwar ein Problem dar, nicht aber eine akute Gefahr für Ordnung und Sicherheit. Mit dieser Begründung konnte die Verwaltung im Herbst keine Mehrheit überzeugen, sodass die Entscheidung vertragt werden musste. Erst, so lautete die Vereinbarung, solle abgewartet werden, wie Siegen mit der Thematik umgehen werde. Immerhin liefen in der Krönchenstadt parallel Bestrebungen für eine Einführung der Kastrationspflicht.

Verwaltung: "weder notwendig noch durchführbar"

Inzwischen haben die Großstädter entschieden, sodass auch in der kleinen Stadt im nördlichen Siegerland ein Entschluss gefasst werden konnte. Siegen hin oder her - das Hilchenbacher Rathaus sieht nach wie vor keine Veranlassung für eine Erweiterung seiner Ordnungsbehördlichen Verordnung. "Das Anliegen als solches ist richtig, und wir können dem Tierschutzverein bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen", sagte Beigeordneter Udo Hoffmann und bot Platz für Notizen im Amtlichen Bekanntmachungsblatt an. Eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht sei allerdings "weder notwendig noch durchführbar".

"Formalistisch und beamtenmäßig"

Dies sahen die meisten Ratsvertreter anders. "Die Begründung der Verwaltung geht am Ziel vorbei", befand André Jung (CDU). Wer sich die überfüllten Auffangstationen des Tierschutzvereins ansehe, bemerke sofort den dringenden Handlungsbedarf. Diesen sah auch Renate Becker (UWG) gegeben: "Die Tierschützer haben momentan keine Handhabe." Für eine Änderung der Ordnungsbehördlichen Verordnung müsse ihrer Meinung nicht erst Leib und Leben gefährdet sein. Hartmut Thomas (Grüne) nannte die Begründungen für die ablehnende Haltung des Rathauses "formalistisch und beamtenmäßig". Er, selbst Beamter, erinnerte an die früher gängige und seines Wissens auch heute noch existierende Praxis der "Geburtenkontrolle", bei der unliebsamer Katzennachwuchs gegen die Wand oder in einen Bach geworfen worden sei und werde. Dem müsse man vorbeugen. "Auch die FDP wird einem Teil der Katzen den Spaß verderben", scherzte Ernst Heinrich Hofmann, Fraktionsvorsitzender der Liberalen. Selbst wenn die Stadt mit dieser Verordnung nicht jede einzelne Katze "erwischen" könne, so werde doch ein großer Teil erreicht.

Kritik an Kontrollproblemen

Das sah Gerhard Lattek (SPD) anders: "Die ganze Diskussion führt ins Leere." Er sehe nach wie vor das Problem der Kontrolle. Die sei kaum zu gewährleisten und verursache unnötige Verwaltungskosten. "Wer will denn die Wohnungen durchsuchen oder den Katzen auflauern", sprang ihm Fraktionskollege Martin Krischok bei Fuß. Birgit Weiß, ebenfalls SPD, plädierte an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger. Handlungsbedarf sehe sie durchaus: "Ich kenne jede Menge Katzen, die alle nachts rausgehen - die buddeln doch dann nicht immer nur Kartoffeln aus!" André Helmes (UWG) konnte dem Argument der Kritiker von der gegenüberliegenden Fraktionsbank nicht folgen: "Wir entscheiden hier doch nicht über die Kontrolle, sondern über deren Basis." Neben einer roten Ampel stehe schließlich auch nicht immer ein Polizist, der das richtige Verhalten der Fußgänger bewache. Dennoch funktioniere das System.



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