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Auf gepackten Koffern

Betzdorferin geht für ein Jahr nach Brasilien

Betzdorf. In wenigen Tagen geht es los - endlich! Nicole Skrzypczak nimmt den Flieger nach Brasilien. Eine Lufthansa-Maschine bringt sie zunächst nach Sao Paulo, dann geht es mit einer Regional-Fluggesellschaft weiter nach Goiania, eine südamerikanische Großstadt mit immerhin 1,2 Mill. Einwohnern. Die 20-Jährige, die gerade ihr Abi gemacht hat, wird dort im Auftrag der christlichen Organisation "Worldwidewings" (WWW) elf Monate in einer Kindertagesstätte freiwilligen Sozialdienst leisten.

goeb - Dort werden über 300 Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien der Region betreut - vom Kleinkind bis zum 18-Jährigen. Die große Schere zwischen Arm und Reich klafft in dem Schwellenland Brasilien auseinander, wie in vielen anderen Ländern des Kontinents auch. Das "Projeto Amar"  stellt sicher, dass seine Schützlinge nicht auf der Straße leben müssen. Viele Familien sind zerrüttet durch Drogen und Alkohol, die Prostitution stellt ein immenses gesellschaftliches Problem dar. Deshalb bedeuten feste Strukturen im Alltag ein Stück Stabilität und Normalität für die Jugend. Auch Gesundheitsvorsorge und Hygiene sind Teil der Projektarbeit. Nicoles Arbeit wird darin bestehen, mit den Kindern Freizeitaktivitäten zu gestalten, ihnen vorzulesen und vielleicht ein wenig Englisch beizubringen.

Organisation kann nur wenige Kosten übernehmen

 Nicole Skrzypczak wohnt zusammen mit anderen Teilnehmern des Jugendfreiwilligendienstes in einem (bewachten) Wohnheim. Als sich die Siegener Zeitung im Mai dieses Jahres traf, um die Projektvorbereitung zu begleiten, war noch nicht sicher, dass sie überhaupt würde fliegen können, denn WWW kann nur wenige der anfallenden Kosten der Projektteilnehmer übernehmen. "Flug, Unterkunft, Sprachkurs und zwei von drei Mahlzeiten am Tag sowie die Versicherungen müssen wir selbst übernehmen", berichtet Nicole Skrzypczak.

Sponsoren für Idee gewonnen

 WWW, die Entsendeorganisation, ermutigt ihre ehrenamtlichen Einsatzkräfte deshalb, einen Spenderkreis aufzubauen, also Menschen davon zu überzeugen, ihnen finanziell unter die Arme zu greifen, Zwar liegt eine regelrechte Ochsentour hinter ihr, aber die Neu-Betzdorferin, die mit ihrer Familie unlängst aus Siegen hergezogen ist und noch an der Morgenröthe Abi gemacht hat, hat es tatsächlich geschafft, genügend Sponsoren für ihre Idee zu gewinnen.

"Anfangs kostete es mich Überwindung"

 "Ich habe das Geld tatsächlich zusammengekriegt, auch wenn?s schwer war", sagt sie rückblickend. Dass sie dabei jede Menge liebe und hilfsbereite Menschen kennen gelernt hat, erfüllt sie mit tiefer Dankbarkeit und Freude. "Ich fand es rührend, wie manche Menschen alles über meine Sache wissen wollten." In Betzdorf ist sie wohl in einem Großteil der ansässigen Geschäfte gewesen, hat Firmen besucht und mit Bürgern gesprochen. "Anfangs kostete es mich Überwindung", erzählt die junge Frau. "Nach einiger Zeit ging es dann aber einfacher." Deshalb möchte sich Nicole bei allen Unterstützern bedanken. Ohne ihre Eltern und Freunde wäre es wohl nicht gegangen, Aber auch die Schäfer Werke Neunkirchen, die Bären-Apotheke Betzdorf, No Nude-Moden in Siegen, Pastor Georg Koch, Johannes Speicher, Bürgermeister Bernd Brato haben den Aufenthalt Nicoles möglich gemacht, ebenso einige weitere Geschäftsleute und Bürger der Stadt. Nun kann es also losgehen. Zwei Koffer mit je 23 Kilo Gepäck maximal erlaubt die Fluglinie.

Bald wird es dort Sommer

 In Brasilien wird es nun Sommer und damit brüllend heiß. "Altgediente" Helfer haben ihr geraten, viel Pflege- und Hygienemittel mitzunehmen, denn die seien dort knapp und teuer. Auch in punkto Süßigkeiten habe das Land großen Nachholbedarf. Nicoles Mutter Iwona Skrzypczak kommt etwas früher aus dem Urlaub zurück, um die Tochter nach Frankfurt zum Flughafen zu begleiten. Fast ein Jahr lang werden sie sich nicht sehen können. Zwar hat sie die Sorge, die jede Mutter hat, wenn die Kinder die ersten großen Schritte allein machen, aber sie unterstützt ihre Tochter in ihrem Vorhaben unbedingt. Das freiwillige soziale Auslandsjahr ist schließlich der Herzenswunsch der Tochter, und solchen Wünschen muss man den nötigen Raum geben.



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