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"Schöne Grüße" nach Daaden geschickt

Erste Stunksitzung in Herdorf

Herdorf. Neu ist die Stunksitzung des Vereins Füreinander Lachen im Städtchen - aber nicht der Wille der Herdorfer zur kommunalen Eigenständigkeit. Entsprechend bissig und persiflierend packten die Redner am Samstagabend das viel diskutierte Thema in der Gaststätte "Neue Heimat" an.

rai - Da fanden sich in erster Linie die Daadener Nachbarn wieder. Aber auch die Neunkirchener, die Kirchener und die Betzdorfer bekamen ihr Fett weg. Einen Schmusekurs würde man auf einer Stunk-Sitzung ohnehin nicht erwarten - auch nicht im Städtchen, das sich die Eigenständigkeit bewahren will. Daran ließen die rund 70 Besucher keinen Zweifel aufkommen. Im Nu war ihnen der Schlachtruf der Sitzung samt Gesten - von den Moderatoren Peter Schlosser und Christoph Düber einstudiert - geläufig: "Neunkirchen ö ne, Kirchen schlöng ronner, Betzdorf hür off, Daaden niemals" - und auch das altbekannte "Herdorf nadda jöhh" durfte nicht fehlen.

Beste Stimmung

Man habe eigentlich ein zwölfstündiges Programm ausgearbeitet, berichteten Düber und Schlosser . Aber es seien kurzfristig Absagen gekommen: "Es gibt einige Berlusconis in der Nachbarschaft." Männer hätten Betonklötze an den Beinen gehabt, damit sie nicht auftreten können. Es reichte dann aber immer noch für ein vierstündiges Programm, bei dem Jojo Weber, Dominik Weitershagen und Tim Zimmermann zwischen den Beiträgen mit handgemachtem Rock unterhielten. Die Stimmung war von Anfang an bestens.

Ein schiefer Kreisel

Für das bewährte Moderatoren-Duo Düber/Schlosser stand fest, dass ein Ort an seinem Kreisverkehr gemessen werde: "Wir bekommen schon den zweiten, die Daadener haben keinen, die Betzdorfer einen schiefen." Und was haben die Herdorfer? Vier Gebrauchtwagenhändler, ein Bergbaumuseum und eine Hühnerfarm. Herdorf sei eine Gemeinde, die eigenständig bleiben will, weil sie es verdient und sich das im Laufe von 8000 Jahren erarbeitet hat. Sie erinnerten an die "Unabhängigkeitsschlacht von 1950", als "500 schwer Besoffene" es geschafft hätten, sich vom Amt Daaden zu lösen. Auch "Herdorfs 1. Bürger" holten sie ins Rampenlicht. Bürgermeister Uwe Erner bekam einen Goldhahnengel aufgesetzt; dann rezitierte er aus einem Reim, den 1955 Franz Zöller verfasst hatte. Die Verszeilen berichten von der Kunde "Herdorf wird Amt", und darin heißt es: "Lange zahlten wir die Steuern diesen Ungeheuern". Auch mit den Liedbeiträgen "Hahnengel getroffen" und "Hahnengel-Hicken-Melodram" trafen sie den Nerv der Besucher.

"Wenn das die Oma wüsste"

"Wir mit Daaden - das geht auf keinen Fall", befand Rita Erner in ihrem Beitrag. Schließlich wisse man ja noch nicht einmal, ob nun die Daadener oder die Herdorfer Höhe zwischen den beiden Orten liege. Sie schilderte eine kuriose Busfahrt von Herdorf nach Daaden. Die begann am Glockenfeld und schloss ein Umsteigen in einen anderen Bus an der Haltestelle Friedrich-Wilhelm ein. Zweifelsfrei ein Höhepunkt war die Live-Berichterstattung von zwei gestandenen Herdorfer Karnevalisten (Uwe Geisinger und Thomas Schuhen), die den ersten gemeinsamen Daadener Rosenmontagszug aus dem Rathaus Herdorf kommentierten. Morgens um 8.12 Uhr ging der Zug los. Sie entdeckten den "letzten Kommandanten vom Stegskopf", dem als erste Fußgruppe die "Trachtengruppe Nisterberg" folgte. Das Motto bei den Biersdorfer Turnfrauen lautete: "Wenn das die Oma wüsste, dass wir hier mitgehen". "Ganz Derschen wie ein Märchen, wunderbar", sagte Geisinger und Schuhen fügte hinzu: "Da, die sieben Zwerge mit drei Mann." Alle Kommunen waren im Zug vertreten, auch die Schutzbacher, nämlich mit dem Thema: "Wir wollen keine Moschee, wir sind noch wie unsere Mutter, wir bleiben beim alten Luther". Und während die Daadetaler Knappenkapelle "hoch auf dem gelben Wagen" spielte, entdeckten Geisinger und Schuhen den Prinzen: Hans-Artur Bauckhage. Um 9.15 Uhr war der Zug zu Ende und Geisinger sagte: "Die sollen noch 111 Jahre warten."

Erlös für guten Zweck

Nach einem Beitrag von Beate Hölterhoff hatte es auch die Nummer von Steffi Boldt und Agnes Rink als Queen Elizabeth und Prinz Charles in sich, als sie von den "Chickenangels" erzählten. Die Premiere der Stunk-Sitzung war ein schöner Erfolg für den Verein Füreinander Lachen. Aufgrund der aktuellen Diskussion zur "politischen Zwangsvereinigung" habe man im Oktober spontan im Vorstand den Beschluss zur Stunk-Sitzung gefasst, berichtete Vorsitzender Eberhard Kühler. Und für den guten Zweck zahlte sich das auch aus: Der Erlös der Veranstaltung wird zugunsten eines Kinderhilfsprojektes in Afrika gespendet.



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