Das Panorama im Hellertal könnte sich in den nächsten Jahren stark verändern. Sowohl im Bereich der Malscheid (rechts) als auch auf der anderen Hellerseite könnten Windkraftanlagen entstehen. Foto: rita
Viel ist in Bewegung geraten
15 Windräder sind in Herdorf möglich
Herdorf. Nicht nur hoch über dem Siegtal könnten sich eines Tages die gewaltigen Rotoren von Windrädern drehen, auch auf der anderen Seite von Kreuzeiche, Kuhlenberg und Windhahn dürfte sich das Panorama deutlich verändern.
thor - Im gesamten oberen Hellertal - von Burbach bis Dermbach - sind Überlegungen oder sogar Planungen bekannt, den Wind auf den Bergrücken in saubere Energie umzuwandeln. Nur in Herdorf war es fast schon verdächtig still. Wie sich jetzt herausstellt, darf man die Ruhe dort nie mit Desinteresse oder Untätigkeit gleichsetzen. Hinter den Kulissen wurde und wird fleißig am Beitrag des Hellerstädtchens zur Energiewende gearbeitet. So haben die Herdorfer Haubergsgenossen einen Vertrag mit der Fa. "juwi" aus Wörrstadt abgeschlossen. Das rheinland-pfälzische Unternehmen hat nach eigenen Angaben bislang rund 525 Windenergie-Anlagen mit einer Leistung von etwa 920 Megawatt realisiert. In Herdorf, einschließlich Dermbach, gebe es ein Potenzial für 15 Windräder, berichtete Herdorfs Bürgermeister Uwe Erner, schon von "Amts wegen" selbst Haubergsgenosse. Geeignete Flächen habe man außerhalb des Naturschutzgebiets auf der Malscheid und im Bereich der Hachenburger Höhe gefunden, dem Höhenzug oberhalb der alten Grube "Friedrich Wilhelm". Erner legt Wert auf die Feststellung, dass die genannte Zahl nur das Potenzial widerspiegele: "Das heißt nicht, dass auch 15 Windräder gebaut werden." Zum weiteren Verfahren teilte "juwi" auf Anfrage der SZ mit, dass derzeit die detaillierte Festlegung der einzelnen Windenergie-Standorte erfolge. "Sind diese Planungen abgeschlossen, folgt die Beauftragung und Erstellung aller notwendigen Gutachten für das Genehmigungsverfahren (u. a. Schall, Schatten, Vögel und Fledermäuse).
Weit mehr als nur eine Randnotiz
Gegebenenfalls können weitere Gutachten eingefordert werden. Parallel zu den Planungen und Beantragungen der Gutachten erfolgt die Einreichung eines immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsantrags." Das Unternehmen geht davon aus, dass man diese Genehmigung im ersten Quartal 2013 erhalten wird. Baubeginn für die Windräder könnte dann im Frühsommer/Sommer 2013 sein. Im Herbst oder Winter 2013 könnten die Anlagen dann ans Netz gehen.Weit mehr als nur eine Randnotiz in diesem Zusammenhang ist, dass auch die Dermbacher in die Herdorfer Planungen integriert sind.
"Seitenwechsel" bestätigt
Bislang gehörte die örtliche Haubergsgenossenschaft in der öffentlichen Wahrnehmung immer zu einem Verbund mit Brachbach und Birken - und als Partner stand hier die Fa. Jade Naturenergie bereit. Planer Amolak Singh Sound weilte bereits etliche Male zu Gesprächen mit Waldbesitzern im Siegerland. So will seine Firma u. a. auch die Windräder auf dem Giebelwald bauen. Der Dermbacher Haubergsvorsteher Berthold Buchen bestätigte den "Seitenwechsel". Hintergrund seien die Überlegungen in der Verbandsgemeinde Kirchen, Vorrangflächen für die Windkraftanlagen auszuweisen und den Flächennutzungsplan zu ändern. Keiner wisse, wie lange so etwas dauern werde, sagte Buchen. So sei man skeptisch gewesen, ob Jade Naturenergie auch nur in Dermbach Anlagen errichten würde, sollten die anderen Flächen in der Nachbarschaft ausscheiden. Mittlerweile, so der Haubergsvorsteher, gehe man von fünf bis sechs Windrädern in Dermbach aus.
Fühler Richtung Offhausen ausgestreckt
So könnte es sein, dass die Entscheidungen in Herdorf weitreichende Auswirkungen haben werden. Zwar steht auch schon die Haubergsgenossenschaft Struthütten mit Jade Naturenergie in konkreten Verhandlungen für den Bau von Anlagen am Schiffenberg, allerdings beobachtet Vorsteher Wolfgang Petri sehr genau die Entwicklung auf rheinland-pfälzischer Seite: Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten wäre es sicherlich sinnvoll, wenn es nur einen Planer gebe, so Petri, der nun erst einmal mit dem Kollegen Buchen sprechen will. Sollten sich die Struthüttener ebenfalls für "juwi" aussprechen, könnte das wiederum die Meinungsfindung in Neunkirchen und Salchendorf beeinflussen. Im Gegensatz zu Jade Naturenergie haben die Wörrstädter ihre Fühler darüber hinaus Richtung Offhausen ausgestreckt.
Sound wollte sich noch nicht äußern
Haubergsvorsteher Bernd Theis berichtete von einer entsprechenden Anfrage. Völlig offen ist noch, wie sich die Brachbacher Privatwaldbesitzer entscheiden. "Wir haben noch keinen Vertrag unterschrieben", betonte Haubergsvorsteher Hans Kappes und verwies auf die Wahlmöglichkeiten. Entweder man schließe sich der Haubergsgenossenschaft Birken und damit Jade Naturenergie an oder gehe einen anderen Weg. Amolak Singh Sound wollte sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu den jüngsten Entwicklungen äußern.




