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In Herdorf:

Älteste Eisenverhüttung Deutschlands nachgewiesen

Herdorf. Casten Trojan hat nachgewiesen, dass bereits vor mehr als 2500 Jahren in Herdorf Eisen verhüttet wurde. Dabei griff Trojan auf Untersuchungen der verstorbenen Brüder Otto und Heribert Kipping zurück und führte diese weiter.

damo - Archäologie findet nicht nur am Fuße der Akropolis oder im Tal der Könige statt, sondern auch im Siegerland. Und manchmal sogar in einem Siegerländer Museum. "Meta-Archäologie" nennt Achim Heinz, Leiter des Sassenrother Bergbaumuseums, das, was Carsten Trojan jetzt geleistet hat: Der Wilnsdorfer hat längst verschollene Arbeiten zweier Herdorfer Heimatforscher wieder ans Tageslicht geholt, diese vorangetrieben und erweitert. Und am Ende dieses Prozesses steht eine kleine historische Sensation: An mehreren Fundstellen in Herdorf gelang der Nachweis, dass dort schon im Übergang der Hallstatt- zur La-Tène-Zeit Eisenerz verhüttet wurde - also vor mehr als 2500 Jahren. "So weit hat in unserer Region bislang kein Nachweis zurückgereicht", sagt Trojan. Deutschlandweit sei nur eine einzige Verhüttungsstelle vergleichbaren Alters bekannt, nämlich im Nordschwarzwald. Dis bislang ältesten Nachweise der Eisenverhüttung im Siegerland gehen auf die Forschungen des Gosenbachers Otto Krasa zurück; er grub Reste von La-Tène-Öfen aus, die etwa aus dem Jahr 380 v. Chr. stammen. Die Herdorfer Scherben aber sind laut des Gutachtens des Mainzer Archäologen Dr. Hans-Peter Kuhnen mindestens 120 Jahre älter.

Pioniere Otto und Heribert Kipping

Den Grundstock dieser Forschungen legten zwei Herdorfer Brüder - denen jegliche Würdigung verwehrt blieb. Ganz im Gegenteil: Die Behörden interessierten sich nicht dafür, ließen die Briefe der Herdorfer unbeantwortet und deren Fundstücke in irgendwelchen Archiven verschwinden. Und in Herdorf selbst wurden die beiden Männer mit ihren Spaten und Schaufeln kritisch beäugt, und irgendwann sahen sie sich sogar mit einem Grabungsverbot konfrontiert. Ihre Namen: Otto und Heribert Kipping, beide sind verstorben. Otto Kipping wurde 1909 geboren, sein Bruder Heribert zwölf Jahre später. "Beide waren einfache Männer", sagt Carsten Trojan, "die Heimatforschung war ihr Hobby". Mutmaßlich wurden sie von Otto Krasa inspiriert, meint Trojan; jedenfalls begannen die Brüder in den 60er Jahren, in den Herdorfer Wäldern nach Spuren frühgeschichtlicher Eisenverhüttung zu suchen. Dabei gingen sie offenbar ähnlich vor wie der Pionier Krasa. "Die Verhüttungsöfen lagen immer in Seifen, und zwar bei den Quellmulden", erklärt Trojan: Wasser und Lehm waren zum Ofenbau nötig. Also ging man die kleinen Waldbäche von unten nach oben ab; solange Schlacke im Bachbett zu finden war, musste der Ofen weiter oben liegen. Mit dieser Methode - und natürlich mit dem Spaten - wurden die Brüder fündig. Sie holten Scherben ans Tageslicht, legten Brunnenschächte frei und wiesen Verhüttungsöfen nach. Nur: Die Forschungen der Herdorfer Brüder blieben vergleichsweise unbeachtet, erzählt Trojan weiter.

Langjährige Verbundenheit

Dafür gibt es Gründe: Zum einen dokumentierten sie ihre Arbeiten "nur rudimentär", erklärt Trojan: Wissenschaftlichen Ansprüchen genügte die Arbeit der Kipping-Brüder offenbar kaum. "Dennoch lohnt es sich, Hobbyforscher ernst zu nehmen. Sie sind vor Ort und kennen sich aus", meint Trojan. Und so war die wenig professionelle Arbeitsweise sicher nicht das ausschlaggebende Problem: Vielmehr forschten die beiden Männer zu einer Zeit, in der das Interesse an der Montangeschichte sehr überschaubar war. Achim Heinz kennt das: Als das Bergbaumuseum vor einem Vierteljahrhundert eröffnet wurde, äußerten gerade ältere Menschen häufig ihr Unverständnis darüber, dass die Montangeschichte so viel Beachtung erfuhr. "Ich habe oft gehört: Man muss doch nur auf den Friedhof gehen, dann sieht man, was der Bergbau gemacht hat", erinnert sich Heinz an die Kindertage des Museums. Mit anderen Worten: Zu frisch, zu präsent war der Bergbau, als die Kipping-Brüder dessen Anfänge unter die Lupe nahmen. Und so gerieten die Forschungsergebnisse der Kipping-Brüder in Vergessenheit - bis Carsten Trojan kam. Der Architekt begeistert sich schon seit vielen Jahren für den Bergbau; Achim Heinz erinnert sich, dass Trojan, der damals noch in Herdorf lebte, als "14- oder 15-Jähriger oft mit dem Fahrrad ins Museum kam, um Bücher über den Bergbau auszuleihen". Die Verbundenheit blieb - und hat Früchte getragen: Trojan hat bereits zwei Ausstellungen im Museum auf die Beine gestellt.

Scherbenfund schlummerte im Archiv

Vor gut zwei Jahren war er einmal mehr im Bergbaumuseum zu Besuch, als ihm beim Durchforsten der Archivalien eine handgezeichnete Karte in die Hände fiel. Der Autor der Karte war Otto Kipping, und neben den Herdorfer Bergwerken hatte dieser auch seine Ausgrabungsstätten eingezeichnet. Trojans Interesse war geweckt. Er stellte Nachforschungen an, machte Nachfahren der Brüder ausfindig und landete schließlich im Archiv des Hachenburger Landschaftsmuseums, wo die Scherbenfunde der Kipping-Brüder in Kartons und Kisten schlummerten. Trojan bezog den Mainzer Archäologen Dr. Kuhnen in die Forschung mit ein - und der Vorsitzende des landesweiten Arbeitskreises Montan-Archäologie lieferte schließlich das spektakuläre Ergebnis: Alle Herdorfer Fundstücke stammen aus derselben Zeitspanne - etwa 600 bis 500 v. Chr. "Das ist der älteste bislang erbrachte Nachweis der Eisenverhüttung im Siegerland", sagt Trojan, "und laut Dr. Kuhnen auch einer der ältesten in Mitteleuropa".

Relativierung, wenn auch wissenschafltlich nicht notwendig

Natürlich, räumt Trojan ein, bedeute das nicht, dass die Siegerländer Montangeschichte die älteste Deutschlands sei. "Sicher wird es auch anderswo in dieser Zeitspanne Eisenverhüttung gegeben haben. Aber hier ist es belegt." Für Achim Heinz sind die Forschungen, die Trojan und Kuhnen auf der Basis der Arbeiten der Kipping-Brüder angestellt haben, in mehrfacher Hinsicht bereichernd: "Das ist wissenschaftlich sehr interessant. Aber es zeigt einfach auch, dass auch unsere Landschaft Geheimnisse birgt und dass es Schätze vor der eigenen Haustür zu finden gibt." Das Sassenrother Bergbaumuseum wird sich des Themas in einer Sonderausstellung annehmen: Am 24. März ist die Vernissage, und neben Skizzenbüchern, Aufzeichnungen und Schriften der Kipping-Brüder werden bis in den Sommer auch die Scherben zu sehen sein, die belegen, dass die Kelten schon gut 500 Jahre vor der Geburt Christi im Herdorfer Raum Eisen verhüttet haben.



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