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Winfried Glatzeder im Apollo

"Die Nervensäge" lässt Wände wackeln

Siegen. Der Komödienklassiker "Die Nervensäge" machte im Apollo-Theater Siegen richtig Spaß. Am 7. Februar ist das Stück noch einmal hier zu sehen.

la - Ein Berufskiller, der einen Kronzeugen im Mafia-Prozess erschießen soll, und ein verlassener Ehemann in einem Hotelzimmer, das kann nicht klappen. Besonders dann, wenn keiner das Zimmer verlassen will. Der französische Autor Francis Veber hat aus diesem Zank eine wunderbare schwarze Komödie gemacht, die bereits mit Lino Ventura und Jacques Brel unter dem deutschen Filmtitel "Die Filzlaus" verfilmt wurde. Das US-Remake "Buddy, Buddy" mit Walter Matthau und Jack Lemmon in den Hauptrollen war nicht minder erfolgreich. Und mittlerweile gehört "Die Nervensäge", die erstmals 1971 in der Komödie am Kurfürstendamm aufgeführt wurde, zum Repertoire der deutschen Boulevardbühnen.

Theater am Kurfürstendamm im Apollo

Das Theater am Kurfürstendamm in Berlin gastierte am Donnerstagabend im ausverkauften Siegener Apollo-Theater - Regie und Bearbeitung Jürgen Wölffer - und bescherte dem begeisterten Publikum mit "Die Nervensäge" einen Abend bester Boulevard-Unterhaltung. Da wackelten die Wände auf der Bühne, und die Lachmuskeln des Publikums wurden ordentlich beansprucht. Am Sonntag werden die Theaterbesucher in Meggen sicherlich genau so viel Spaß haben, wie jene, die sich Karten für die Wiederholungs-Vorstellung im Siegener Apollo-Theater am 7. Februar gekauft haben. Denn eines ist sicher: Eine Nervensäge ist eine Nervensäge, und in diesem Fall haftet sie noch wie eine Klette am Hemdzipfel des Killers.

Tür auf, Tür zu, Jalousie runter, Jalousie hoch, mal will der Hemdenvertreter François sich umbringen und aus dem Fenster springen, mal hechtet der Killer Ralph hinterher. Mal misslingt der Selbstmordversuch im Badezimmer, dann wieder verwechselt der Doktor den Patienten und versetzt statt François den Killer Ralph in einen Tiefschlaf mit unangenehmen Nachwirkungen. Nur eines passiert zweieinhalb Stunden nicht: Der kleine Hemdenvertreter François schafft es nicht, sich umzubringen und, was er sich noch mehr wünscht, mit seiner Frau zu versöhnen. Und Ralph kommt nicht dazu, das Zimmer für sich zu bekommen und in aller Ruhe den Kronzeugen zu erschießen.

Wer behält den Durchblick?

In dem ganzen Durcheinander ist schließlich auch noch der Page aktiv, der ununterbrochen unangemeldet ins Zimmer "schneit" und plappert und plappert. Schließlich taucht noch Louise auf, die François gegen einen Neurologen eingetauscht hat, bevor sie sich mit dem Reitlehrer auf und davon macht. Noch den Durchblick? Wer würde da nicht stöhnen wie Ralph der Killer: "Das ist ein Tag."

Winfried Glatzeder spielte eine Paraderolle

Das Stück lebt allerdings von seinen Darstellern. Winfried Glatzeder, nicht zum ersten Mal mit einer Paraderolle in Siegen, war Ralph, der Mann, der schießen wollte, aber nicht konnte. Da half selbst körperlicher Einsatz nicht. Auf Augenhöhe: der Österreicher Marcus Ganser, der eine köstliche Kreatur spielte, mal völlig aufgedreht, mal voller Melancholie. Aber immer François, der Mann, der im Leben kein Glück hatte, bis er Ralph traf. Seinen neuen "Freund". Gerd Lukas Storzer war der Page, der dem Durcheinander im Hotel kaum gewachsen war. Dazu war alles viel zu aufregend. Storzer wurde für seine Darstellung des Pagen 2010 vom Berliner Theaterclub für den Goldenen Vorhang nominiert. Sicherlich zu Recht. Matthias Friedrich, dessen neuer Film "Seebestattung" auf der "Berlinale 2012" Premiere hat, war Dr. Wolf und Gundula Köster das Frauchen, das sich emanzipierte und den Langeweiler an Gatten abservierte. Spaß am laufenden Band, noch mehr Beifall am Schluss, und das Publikum darf sich freuen, dass es die Komödie noch im Terminkalender hat. Es lohnt sich, wenn man mal einen Abend lachen möchte, besonders mit diesem Ensemble.



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