kopf

Ensembles der Uni Siegen gaben Brahms

Mehr Trost denn Trauer

Siegen. Chor und Orchester der Universität Siegen führten unter Leitung von Ute Debus "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms auf.

ne - Eine längst liebgewordene musikalische Tradition sind die Konzerte der unterschiedlichen Ensembles der hiesigen Universität zum Ende des Semesters. Chor und Orchester der Hochschule, beide unter der Leitung von KMD Ute Debus, hatten sich diesmal für diese kurze Zeit - geht man bei drei Monaten Vorlesungszeit von wöchentlichen Proben aus, kommt man, auch mit intensiven Proben-Wochenenden in der "heißen" Endphase, auf knapp 20 Termine - ein in der deutschen romantischen Konzertliteratur singulär dastehendes Werk des 1841 in Hamburg geborenen Johannes Brahms vorgenommen. "Ein deutsches Requiem, op. 45" titelt es, von 1861 an hat der junge Brahms sieben Jahre immer wieder an der Komposition aus letztendlich sieben Teilen gefeilt, bis er, die Kritiker und das Publikum zufrieden waren - und sich das anspruchsvoll instrumentierte Stück für vierstimmigen Chor, Sopran- und Baritonsoli, Orchester und Orgel ad libitum als eines der beliebtesten Chorwerke durchsetzen konnte.

Zypressen-Quartett spielte Musik von Antonín Dvorák

Doch zur Einstimmung präsentierte sich zuvor ein noch junges Streichquartett mit noch jüngerem Namen in der voll besetzten Nikolaikirche Siegen: Das Zypressen-Quartett, noch ohne Namen im November mit ersten Aufführungen auf sich aufmerksam machend, folgte gerne der Einladung, am Semesterabschlusskonzert mit einer Komposition Antonín Dvoráks teilzunehmen - und benannte sich dann spontan eben nach dieser Komposition. Das Zypressen-Quartett also, bestehend aus Viktoria Büscher und Martin Wolter (Violinen), Clara Herrmann (Viola) und Hanna Roth (Violoncello), spielte fünf Sätze der "Zypressen für Streichquartett", die der böhmische Romantiker 1887 aus seinen schon 22 Jahre zuvor komponierten zwölf Liedern nach Gedichten von Gustav Pfleger-Moravsky arrangierte. Heitere kleine Lieder ohne Worte sind es geworden, über zwei sich liebend zugeneigte Zypressen, volksliedhaft eingängig, behutsam facettierte Smaragde der Kompositionskunst, sinfonische Dichtungen en miniature, von den vier jungen Musikerinnen und Musikern adäquat interpretiert.

Triumph des Trostes über die Tauer

Und dann das große Format: nach den kammermusikalischen Vier nun gut sechsmal so viele Instrumente und über 80 Stimmen. Das "deutsche Requiem" lässt sich nicht festlegen auf seine Gattung, denn es folgt nicht dem katholischen Liturgietext für Totenklagen, weicht auch von der Struktur barocker oder klassischer Requien ab, ist am ehesten noch ein Oratorium ohne dessen dramatische Diktion, steht einzigartig da. Ute Debus gelang es, den stimmgewaltigen Klangkörpern jenen Ausdruck tiefsitzender Seelengestimmtheit zu verleihen, der der Musik Brahms' inhärent ist, nämlich den des Trostes, der über die Trauer triumphiert.

Mit der Sopranistin Renate Lücke-Herrmann und dem sonoren Bass-Bariton Hanno Kreft, beide haben unter anderem Lehraufträge für Gesang an der Siegener Universität, hatte Ute Debus interessant harmonierende Stimmen für die ganz in die Struktur der chorisch empfundenen Oratorienteile III, V und VI eingebetteten Solo-Passagen für die Aufführung gewinnen können.

"Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?", möchte man mit den engagierten Sängerinnen und Sängern, dem aufbrausenden Orchester, den donnernden Pauken voller Emphase intonieren, dem Unbill des Alltages entgegenhalten, so verstand das konzertante Hörerlebnis, beim Publikum Emotionen auszulösen.



map ticker ticker
Ticker Ferndorf







 
 
Ort/PLZ
Immobilienart
Kaufen
Mieten