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"Die Braut lichterloh" feierte Premiere

Ganz schön irre

Siegen. Beim Deutsch-Schweizer Studententheaterfestival "Schpielluscht" läuft noch bis Sonntag Lukas B. Suters Stück "Die Braut lichterloh".

soph - Zunächst hört man nur ein verspieltes Glockenspiel. Auf der Bühne sind schemenhaft maskierte Figuren zu erkennen. Dann beginnt ein wirrer Dialog zwischen verrückten Personen. Man kann nur erahnen, dass es sich hierbei um die Patienten einer psychiatrischen Klinik handelt, die in ihrer ganz eigenen Welt leben und nach Feuersteinen rufen. Man wird sie im Laufe des Abends noch näher kennenlernen. Am Donnerstagabend fand im Schauplatz des Siegener Kulturhauses Lÿz die Premiere des Stücks "Die Braut lichterloh" von Lukas B. Suter in der Siegener Fassung von André Barz statt. Das Projekt-Theater der Uni Siegen zeigt das Stück im Rahmen des Deutsch-Schweizer Studententheaterfestivals "Schpielluscht" mehrfach.

Wir verlassen das Irrenhaus und geraten mitten in einen Streit zwischen zwei Freundinnen. Fiona (Sarah Ichnowski) wirft ihrer besten Freundin Clorinda (Jessica Friedrich) vor, während der Messe mit einem Fremden zu tiefe Blicke ausgetauscht zu haben. Und dabei soll sie doch in wenigen Tagen ihren langjährigen Verlobten Tommaso heiraten.

Ein Leben wie im Käfig

Clorinda gibt zu, sich verliebt zu haben, und eröffnet ihrer Freundin: Die Heirat, ihr ganzes Leben erscheint ihr mit einem Mal wie ein Käfig, aus dem sie ausbrechen möchte. Plötzlich steht ihr Vater (Julia Erler) mit eben diesem Fremden, Herrn Jonas (Fadel Karim), vor seiner Tochter und hat ihn auch noch zur Hochzeit eingeladen. Jonas wiederum denkt, dass Fiona die Braut sei, und ist nun ebenso verwirrt wie De Flores (Pierre Stoltenfeldt) - rechte Hand des Vaters und heimlicher Verehrer der echten Braut -, der Clorinda und den Fremden eng umschlungen im Garten antrifft. Nun kann das Unheil tragisch-komisch seinen Lauf nehmen.

Projekt-Theater der Universität Siegen überzeugt

Die Geschichte ist berechenbar, wenn auch an einigen Stellen durchaus überraschend. Die Inszenierung überzeugt durch die authentische, düster-beklemmende Stimmung und die Leistungen der Schauspieler, die ihre Rollen mit viel Hingabe und Talent verkörpern. Zwischendurch findet man sich immer wieder im Irrenhaus wieder. Die Patienten werfen mit alltäglichen Weisheiten um sich, hauen dem Zuhörer Floskeln um die Ohren, sagen viel und doch nichts und verlangen immer wieder nach Feuersteinen. Und auch hier gibt es eine Braut, die verzweifelt ist.

Die Geschichte um Clorinda und Jonas nimmt eine dramatische Wendung als De Flores anbietet, Tommaso (Oliver Pfaff, mit schreiend komischem Sprachtick) umzubringen und Clorinda so zu befreien. Die gibt ihm aus einer spontanen Eingebung heraus auch prompt den Auftrag, und auf der großen Leinwand wird der Mord als Stummfilm vorgeführt. Auch der abgeschnittene Finger mit dem Ring des Verlobten wird zum Beweis in die Luft gehoben. Wirklich gut ausgedacht und durchgeführt dieser einfache Spezialeffekt! Der als Befreiung gedachte Mord stürzt Clorinda in eine tiefe Krise, der Vater ist auch nicht begeistert, und De Flores zwingt seine Angebetete, die Nacht mit ihm zu verbringen. Grotesk wird es, als der Vater ohne zu zögern einwilligt, dass Jonas der Mann seiner Tochter wird ...



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