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Gesundheitszentrum Wittgenstein

Klinik nimmt ersten Libyer auf

Bad Laasphe. Das Gesundheitszentrum Wittgenstein hofft auf den Zuschlag für ein einmaliges Hilfsprojekt für die Behandlung von Kriegsversehrten aus Libyen.

howe - Seit Wochen brodelt in Bad Laasphe die Gerüchteküche, am Freitag erhielt die SZ-Redaktion die Nachricht aus der Emmaburg: Das Gesundheitszentrum Wittgenstein nimmt ab Montag das erste Bürgerkriegsopfer aus Libyen auf, einen 29 Jahre alten Mann, der durch eine Schussverletzung querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. "Wenn das klappt, können wir weiter machen und weitere Menschen aufnehmen", verriet Pressesprecher Andreas Muhs. Dann komme Bad Laasphe in die engere Wahl.

80 bis 100 Patienten aus Libyen nach Bad Laasphe?

Seit geraumer Zeit schon prüft das Gesundheitszentrum die kurzfristige Aufnahme von Bürgerkriegsopfern. Gut möglich, dass auf einen Schlag 80 bis 100 oder sogar mehr Patienten in Bad Laasphe aufgenommen werden könnten, wenn der "Test" mit dem 29-jährigen Opfer aus Libyen erfolgreich verläuft. Für den Fall der Fälle führte die Geschäftsleitung jüngst zahlreiche Vorab-Bewerbungsgespräche mit potentiellen Mitarbeitern - mit der Maßgabe, dass man "vielleicht" einen Arbeitsplatz anbieten könne und es möglicherweise schnell gehe, bis der Anruf erfolge. In der Zwischenzeit verhandelte Geschäftsführer Jörg Moses mit der libyschen Botschaft, zweimal schaute sich eine Delegation in Bad Laasphe um. "Für die ehemaligen Mitarbeiter der Kliniken könnte ein Zustandekommen des Hilfsprojektes eine hervorragende Chance sein", so Jörg Moses. Viele Ex-Mitarbeiter hätten wieder einen Arbeitsplatz, die Stadt sei als medizinischer Standort kurzfristig gefragt. Deshalb seien Vorbereitung und Planung auch ein sehr sensibles Thema gewesen - ein Grund, warum man sich in der Emmaburg bislang bedeckt gehalten hatte. "Wir wollen keine Erwartungen wecken, die vielleicht nicht erfüllt werden können." Jetzt geht es darum, dass das Land Libyen sehen möchte, ob die Behandlung des 29-jährigen Opfers erfolgreich verläuft.

Dann soll auch die Finanzierung des humanitären Hilfsprojekts sichergestellt werden. "Wir haben hier alle Voraussetzungen, diese Menschen behandeln zu können", weiß Jörg Moses. Das Therapiezentrum ist zum Beispiel mit Psychotherapie und Psychsosomatik auf traumatisierte Menschen spezialisiert. Mit Prof. Dr. Said Moshref-Dehkordy hat Bad Laasphe nicht nur einen Fachmann auf diesem Gebiet, sondern auch noch jemanden, der die Sprache der möglichen Neuankömmlinge spricht. Die Geschäftsleitung stellt übrigens klar, dass es sich bei den Opfern nicht um "Gaddafi-Krieger" handelt, wie in Teilen der Öffentlichkeit zu hören gewesen sei. Zu den Opfern zählten der zehn Jahre alte Murat, der ein Bein durch eine Miene verloren hat, genauso wie der von einem Irrläufer getroffene Asuf (17) oder die 22-jährige, traumatisierte Farima, die ihr eigenes Kind und die Eltern hat sterben sehen - um nur einige Beispiele zu nennen.

Gelingt es tatsächlich, den Zuschlag aus Libyen für das einmalige Hilfsprojekt zu erhalten, wäre das ein Segen für Bad Laasphe. Die Mitarbeiter stehen in den Startlöchern und wären bereit, an die Emmaburg zurückzukommen. Auch Fachärzte würde sich die Geschäftsleitung kurzfristig an Land ziehen. Operationen und medizinische Akutversorgung wären im Verbund mit der Universität Marburg und weiteren Krankenhäusern angedacht.

Das Gesundheitszentrum selbst jedenfalls hat die Kapazität, schnell und spontan eine größere Anzahl von Patienten aufnehmen zu können. Am Ende könnte ein derartiges Projekt bis zu zwei oder drei Jahre lang laufen, was der Klinik eine sichere Anschubfinanzierung einbringen würde. Bis dahin bittet die Geschäftsführung des Gesundheitszentrums Wittgenstein jedoch um Geduld und um Unterstützung. Das Signal mit dem ersten Opfer, das am Montag nach Bad Laasphe kommt, ist schon mal positiv.



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