Das Ukulele Orchestra Of Great Britain gastierte am Samstagabend im Siegener Apollo-Theater (v. l.): Dave Suich, Peter Brooke Turner, Richie Williams, George Hinchliffe, Kitty Lux, Will Grove-White und Jonty Bankes. Foto: ciu
Sieben Ukulelen
Wunderbar gewitzt
Siegen. Die sieben Musiker mit den hawaiianischen Mini-"Gitarren" spielten sich im Apollo-Theater durch die Rock-Pop-Geschichte.
ciu - "Wonderfully clever!" Besser als mit David Bowie kann man es kaum sagen. Herrlich klug, wunderbar gewitzt, dazu äußerst virtuos - so tritt das Ukulele Orchestra Of Great Britain auf. Acht Künstler (beim Auftritt in Siegen am Samstag war Hester Goodman nicht dabei), jeder und jede für sich schon großartig. In der Summe ist ein Ensemble zu erleben, das mit Songs zwischen Sinatra, The Beatles, Bill Haley, Johnny Cash und ABBA weltweit begeistert. Gewürzt wird das musikalische Ereignis mit echt britischem Humor. Die Geschichten, mit denen George Hinchliffe, Gründer und Kopf der Truppe, und Co. zu den einzelnen Nummern hinführen, können wahr sein, müssen es aber auch nicht. Ein Running Gag ist der mehrfache Verweis auf Karlheinz Stockhausen. Dessen Stücke spielt das UOGB gern, aber völlig verfremdet: "Sie ist ein Model, und sie sieht gut aus" kannten wir bislang in der Version der deutschen Band Kraftwerk...
Wie einst Marilyn Monroe oder Elvis Presley
Das Publikum im voll besetzten Apollo-Theater durfte sich bestens unterhalten fühlen von diesen "Great Britons", die mit Stil und Selbstironie, mit großer Liebe zum großen Kino die Ukulele (noch) bekannter und beliebter machen. Wir erinnern uns vielleicht an Marilyn Monroe oder Elvis Presley, denen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts dieses hawaiianische Zupfinstrument gut stand, wir sehen Götz Alsmann mit der Ukulele im TV oder auch Stefan Raab oder probieren uns vielleicht selbst mal an den vier Seiten dieser Miniatur-"Gitarre".
"Smells Like Teen Spirit" für Ukulele und Gesang
Was das Ukulele Orchestra Of Great Britain allerdings aus dieser Art des Musizierens macht, toppt alles andere. Dave Suichs grauer Zopf löst sich wüst und wild bei "Smells Like Teen Spirit" von Nirvana (klasse gesungen vom tieftönenden Hünen Peter Brooke Turner), George Hinchliffe beeindruckt mit seiner klasse Stimme u. a. mit "Pinball Wizard" von The Who, und mit lässiger Virtuosität agiert Richie Williams an der Bariton-Ukulele. Die vom Punk geprägte Stimme von Lady Kitty Lux geht - etwa beim Song "Vertigo" - unter die Haut. Will Grove-White ist gleichfalls jemand, der famos zu singen und zu shouten versteht. Ukulele-Bassist Jonty Bankes legt irgendwann sein Instrument beiseite und pfeift mit "Whistling Bach" die irre schnelle Badinerie. Toll!
Und das Schulenglisch auch noch aufgefrischt
Lächelnd, staunend, amüsiert und beglückt saß man da und schaute und hörte und summte vielleicht ein bisschen mit, ließ sich - in der ersten Reihe - bescheren von britischen Mitbringseln, die so richtig nicht zu gebrauchen sind, frischte beim Verstehen-Wollen der dankenswerterweise recht akzentfreien Anmoderationen das Schul- und Reise-Englisch ein bisschen auf oder nickte beifällig zum "If-You-Were-Looking-For-Trouble"-Gebluese von George Hinchcliffe oder verständnisvoll zum Bananenimbiss des derweil gelangweilten Peter Brooke Turner.
Köstlich zusammengerührte Song-Melange
Was das UOGB absolut beherrscht, ist das Ineinander-Verweben ganz unterschiedlicher Songs. "Melange" ist solch ein Meisterstück, in dem sich Klassiker der Rock-Pop-Geschichte finden lassen: wie "If I Were A Carpenter" oder "Hey Jude" oder "Take A Walk On The Wild Side" - oder "Heroes", womit wir wieder bei David Bowie wären: "Wonderfully clever!"




