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Flugverbot und Brückengebot

Bürgermeister gaben Schlüssel ab

Kirchen/Betzdorf. Die Verwaltungen der beiden Nachbarstädte waren am Rosenmontag ganz in der Hand der Narren. Dabei spielte auch die Lokalpolitik eine wichtige Rolle.

rai/goeb -  Zur Rathausstürmung in Kirchen war am Rosenmontag der HCC mit Mann und Maus, der Böllerkanone und den Druidenmusikanten aus den "Vereinigten Staaten" von Herkersdorf und Offhausen aufgelaufen. Unterstützung gab es für das Prinzenpaar Joachim und Nicole (Stausberg) vom Karnevalsverein Wehbach mit Prinz Steffen (Bachmann) und Prinzessin Yvonne (Stockschläder) und von der Karnevalsgesellschaft Brachbach mit Prinz "Chucky" Christian Pfeifer. Vor dieser imposanten Kulisse stellte HCC-Vizepräsident Daniel Bender fest, dass das Rathaus Kirchen seiner Zeit weit voraus sei. Bei Ratssitzungen und Bürgerversammlungen werde so viel heiße Luft produziert, dass die herkömmliche Heizung abgestellt werden könne, ganz im Sinne der grünen Fraktion.

Friedliche Machtübernahme

 Die Heizung nur auf heiße Luft umzustellen, das gehe auch nicht, meinte Bender: "Sollte irgendwann bei allen politischen Parteien die Vernunft einkehren, Eitelkeiten und persönliche Abneigungen zurückgestellt werden, würde die neue Heizung komplett ausfallen." Friedlich ging dann die Machtübernahme vonstatten: "An diesem Morgen, gebe ich euch sie gerne, meine ganzen Sorg?n", sagte Bürgermeister Jens Stötzel und schob gleich nach: "Könnt auch den BMW, den berühmten Wagen, samt Fahrer bis Aschermittwoch von mir haben."

Reimender Bürgermeister

 Als Erstes müsse das Prinzenpaar jedoch "den Fluglärm in Kirchen, dies? Riesenproblem", angehen. "Bis hinauf in den Weltraum, und das fordern wir heute, ,Flugverbotszone? über Kirchen, zum Wohl unserer Leute", reimte der Bürgermeister. Den Amtsschlüssel überreichend, riet Stötzel dem Prinzen aber auch: "Stell am Siegerland-Flughafen deine närrischen Soldaten auf. Denn hier treffen sich Räte zu nächtlicher Stunde, zu konspirativen Treffen in geheimer Runde." Nach der Stürmung wurde im Sitzungssaal noch viel geschunkelt und fröhlich gefeiert.

Schiffsverkehr nach Wallmenroth versprochen

 In Bestform zeigten sich wenige Kilometer flussabwärts und eine Stunde später, um 11.11 Uhr, die Narren vor dem Betzdorfer Rathaus, wo sie einen ebenfalls bestens gelaunten Bernd Brato im Habit eines spanischen Edelmannes vorfanden. Erstmals wurden die Alsdorfer und Grünebacher Narren, die KG Betzdorf, der KV Scheuerfeld und die kfd Bruche von den Damen der Betzdorfer FWG-Volkstanzgruppe verstärkt, die in Hexenkostümen optische Akzente setzten. Zumindest regelmäßigen Schiffsverkehr nach Wallmenroth (zur Blutauffrischung) versprach Bürgermeister Bernd Brato kfd-Vorsitzender Margot Kölzer, die in ihren närrischen Paragrafen unter anderem eine neue Brücke über die Sieg forderte. Denn bekanntlich sind die Siegüberquerungen fürchterlich marode und deshalb gesperrt - auch in Bruche ist das so.

Betzdorf statt Berlin

 Das Narrenvolk und auch der Bürgermeister, ein gebürtiger Brucher, erheiterte jedenfalls die in vollendeten Reimen vorgetragene und oft sehr pointierte Rede der Vorsitzenden. Die nannte Brato einen Bürgermeister ohne Fehl und Tadel, "vom wulffen weit entfernt". Eine gewisse Gefahr bestehe aber, dass man den Sympathieträger womöglich nach Berlin abwerbe, wobei Bernd Brato mit einem kurzen und entschiedenen "Nein!" antwortete. Dann bleibe auch sie, entschied Frau Kölzer kurzerhand und schien erleichtert. In Modellkleider passe sie sowieso nicht und auch Tattoos habe sie keine vorzuweisen. Am goldenen Schlüssel, der ihr bekannt vorkam, hatte sie auszusetzen, dass der nicht einmal den Tresor öffnen könne. Andererseits dürfe man die Erwartungen wohl nicht zu hoch schrauben. Es seien wahrscheinlich nur ein paar Groschen drin. "Na, dann kommt mal rein", winkte Brato.



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