Mit elektrischen Heizlüftern sorgt ein Ehepaar in seiner Wohnung in den ehemaligen Kuhlmann-Häusern für ein bisschen Wärme. Foto: bw
Ehemalige Kuhlmann-Häuser
Jetzt auch noch ein Wasserschaden
Erndtebrück. Heizung kalt, allgemeine Stromversorgung fraglich - und dann auch noch ein Wasserschaden in einem der ehemaligen Kuhlmann-Häuser.
bw - Die Leiden der Mieter in den ehemaligen Kuhlmann-Häusern - sie nehmen einfach kein Ende. Im Gegenteil. Es kommt knüppeldick für manche Bewohner. Neue Hiobsbotschaften erfuhr die SZ, die von Beginn im vergangenen April immer wieder über die dramatischen Verhältnisse für die Mieter der 26 Häuser in Erndtebrück ausführlich berichtet hat, von einem Ehepaar, das inzwischen als letzte verbliebene Mietpartei in einem der Häuser wohnt. Die Heizung in dem Haus ist seit Juni 2011 mittlerweile abgestellt, weil ja die Immomerkurfinanz GmbH die Rechnungen beim Wärmeversorger MVV nicht beglichen hatte. Den allgemeinen Strom für die Beleuchtung im Treppenhaus, im Keller und außen hat die Immomerkurfinanz bei RWE ebenso wenig bezahlt. Das gleiche Prinzip also. Deshalb steht hinter der allgemeinen Stromversorgung auch noch ein Fragezeichen (die Siegener Zeitung berichtete). Und schließlich ist auch die Gemeinde inzwischen Gläubigerin der Immomerkurfinanz, die ihre Abgaben nicht bezahlt. Im März pfändet die Gemeinde Erndtebrück daher wieder einmal die Kaltmieten.
Das Wasser stand einige Zentimeter hoch im Haus
Doch als ob das noch nicht genug wäre, latschte der Ehemann am Freitag nach der Rückkehr vom Einkauf im Treppenhaus in einen kleinen See. Das Wasser lief aus einer der Wohnungen im ersten Stock. Das hieß für das Ehepaar sogar noch Glück im Unglück, denn ihre Wohnung ist im zweiten Stock. Die blieb also verschont, jedoch bahnte sich das Wasser seinen Weg in den Keller. "Das hätte gefährlich werden können", berichtete der Ehemann der Heimatzeitung, "ich hatte Angst, dass der Stromkasten etwas abkriegt und es einen Kurzschluss gibt." Das Wasser habe einige Zentimeter hoch gestanden. Den Grund für die Überflutung fand schließlich ein herbei gerufener Sanitärfachmann in einer der leer stehenden Wohnungen: Dort war ein Plastikstopfen, der einen derzeit ungenutzten Anschluss abdichtete, herausgeflogen. "Es hatte sicher nichts mit Frost und mit eingefrorenen Leitungen zu tun", vermutete der letzte verbliebene Mieter.
Um die Schadensbegrenzung kümmern sich nur die Mieter
Dass der Fachmann am Freitagnachmittag anrückte und diesen Schaden behob - darum musste sich der Mann selbst kümmern. Dabei wäre das ja eigentlich die Aufgabe des Vermieters, der Immomerkurfinanz GmbH. Doch auch die Rechnung wird an den Mieter gehen. "Das behalte ich von der Miete ein", kündigte er an. Was freilich nicht mehr ganz einfach ist, denn nach den Vorkommnissen der vergangenen Monate hat das Ehepaar seine Miete schon gekürzt - zunächst nur um 50 Prozent, später dann sogar um 90 Prozent. "Andere Mieter zahlen gar nichts mehr", erzählte der Mann im Gespräch mit der SZ. Das gehe auch nicht unbedingt, "denn wir haben letztendlich ja noch ein Dach über dem Kopf". Aber in einem ziemlich maroden Haus, denn bereits am Tag vor dem Wasserschaden hatte es in dem Gebäude richtig geknallt: Gleich vier Wasseruhren seien zerbröselt. Der Mieter brachte beide Vorfälle in direkten Zusammenhang und vermutete, dass beide Dinge durch eine Druckerhöhung passiert seien. Das habe ein Mitarbeiter des Wasserwerks aber verneint, berichtete der Mann.
Heizen mit Elektrolüftern erhöht den Verbrauch gewaltig
Das Ehepaar heizt momentan mit Heizlüftern in allen Räumen, wobei die Beiden aufpassen müssen, nicht mehrere elektrische Heizlüfter gleichzeitig laufen zu lassen. "Dann fliegt die Sicherung raus", verriet der Mann, "das ist schon oft passiert." Die Leitungen seien marode, die Gefahr eines Kabelbrands sei groß. Das Heizen mit den Lüftern geht für das Ehepaar momentan richtig ins Geld. "Wir hatten früher im Jahr immer nur so rund 2000 Kilowattstunden als Verbrauch", berichtete der Mieter, "jetzt im Winter hatten wir sogar 5500 Kilowattstunden im Monat." Und hinzu komme auch noch, dass die Zeit mit Minusgraden bis - 20 Grad geschlaucht habe: "Das kostet so viel Kraft", erzählte der Mann, der auch wie seine Frau noch gesundheitlich angeschlagen ist. "Wir sind froh, dass es nur bis knapp unter Null runtergeht", sagte er. Jeder Sonnenstrahl sei wichtig.
Und der Vermieter forderte sogar noch eine Nachzahlung
Die Mieter fühlen sich als Leidtragende einer Situation, die von der Immomerkurfinanz zu verantworten sei, wie der Mann betonte. "Wir haben nicht nur kein Geld", sagte er, "sondern wir sind auch nicht die Ursache für die offenen Rechnungen." Ein Kontakt mit dem Vermieter herzustellen, das sei allerdings mittlerweile aussichtslos - weder mit dem neuen Geschäftsführer in Köln, noch mit dem eingesetzten Hausverwalter der 26 Objekte. Der letzte offizielle Kontakt sei ein Brief gewesen, der an Heiligabend ins Haus geschneit sei. Darin forderte Immomerkurfinanz einige Mieter zu einer Nachzahlung für das Jahr 2010 auf...




