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Virtuoses Saitenspiel

Große Klasse: Konzertgitarrist Nicholas Goluses

Siegen. International gefragter Gitarrist Nicholas Goluses in der Martinikirche. Kammerkonzert ein spannendes Hörerlebnis.

ne - Dass Komponisten nicht nur an sich denken, wenn sie schöne Musik erfinden, sondern dass auch das Nachdenken über andere eine glänzende Inspiration sein kann, bewies Nicholas Goluses in der Siegener Martinikirche am Sonntagabend im ordentlich besuchten Kammerkonzert. Einmal mehr hatten es Siegener Musikbegeisterte der gut funktionierenden internationalen "Connection" Martin Herchenröders (Studio für neue Musik an der Universität Siegen) sowie der Zusammenarbeit mit dem Bach-Chor und verschiedenen Sponsoren zu verdanken, dass ein so renommierter und international gefragter Musiker wie Goluses bei seiner Europatournee in Siegen Station machte, mit wundervoll interpretierten Kompositionen des vergangenen Jahrhunderts im Gepäck.

Emotional und engagiert

Der Konzertgitarrist hat mehrere (auch Gast-)Professuren an verschiedenen Instituten inne, zurzeit an der Eastman School of Musik in Rochester, USA, wo er auch Direktor des von ihm gegründeten "Guitar Programs" ist. Daneben tritt er als Solist, Kammermusiker und Orchestermitglied mit zum Beispiel dem New Jersey Symphony Orchestra und dem Savannah Symphony Orchestra oder dem American Quartett auf. Vollends in der Musikgemeinde bekannt gemacht haben ihn seine bei Kritikern viel beachteten selbst arrangierten und von Naxos eingespielten Aufnahmen der Bach-Sonaten für Gitarre (BWV 1001, 1003 und 1005). In Siegen glänzte der emotional, engagiert spielende Goluses mit Werken von Manuel de Falla, Benjamin Britten, Joseph Schwantner, Manuel Ponce und Mikis Theodorakis, deren thematischer rote Faden die Intertextualität war, also das Sich-Beziehen auf einen anderen Komponisten oder die Bearbeitung eines fremden musikalischen Textes. So illustriert de Falla seinen Eindruck am Grabe des Komponisten Claude Debussy 1920, indem er dessen impressionistisch duftend-dichten Klangteppiche, chromatisch geknüpft, in seiner Hommage mitklingen lässt, zitiert Britten den von ihm so geschätzten Renaissance-Musiker John Dowland am Schluss seines 1963 entstandenen Nocturnal after John Dowland, op. 70 textgetreu, während sich sein voluminöses Stück zuvor mal kritisch, mal respektlos verspielt, in kleinen tonalen Schritten den Zitaten annähert.

Höhepunkt mit Mikis Theodorakis

Manuel Ponce (1882-1948) verarbeitet ein spanisches Volkslied 1924 zu Variationen und Fuge über "La Folia d?España", in der er auch die barocken Genres parodiert (im klassischen Wortsinn), und im vielgliedrigen Stück des 1943 in Chicago geborenen Landsmann Joseph Schwantner "From Afar ?" (etwa: aus der Ferne ?) spürt Goluses sensibel interpretierend dessen Kindheitserinnerungen auf, fühlt harmonisch und virtuos nach, wie Schwantner an seine ersten Erfahrungen mit der Musik, der Gitarre als Freund, denkt, nostalgisch etwaige Traditionals erinnernd, die am Lagerfeuer, auf der Veranda, allein im Zimmer, den Jungen trösteten oder stärkten, die Ventil waren für die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Vielleicht der Höhepunkt des Konzertes: die seinerzeit politisch brisanten, von Griechenland verbotenen Vertonungen der Gedichte Giannis Ritsos durch den Komponisten und Politiker Mikis Theodorakis (geboren 1925), den "Epitafios" von 1958, die das moderne griechische Volkslied begründeten, sozial- und kulturpolitische Sprengkraft boten und heute aktueller denn je sind. Die machten, plastisch illustriert vom Virtuosen Goluses, solchen Eindruck auf das Siegener Publikum, dass der gefeierte Musiker ohne eine kleine Zugabe von Heitor Villa-Lobos nicht schließen durfte. Studierende hatten indes noch mehr vom amerikanischen Gast: Nicholas Goluses hatte sich bereiterklärt, am darauffolgenden Tag einen Gitarrenworkshop an der Universität zu leiten, von dem auch die hiesige Musikschule sowie weitere Gitarrenfans profitieren konnten.




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