Keine Frage: Die Bröhlköppe haben einen grünen Daumen.
Umzug der Narren
Die ersten Windräder sind da - zumindest im Föschber Karneval
Niederfischbach. Klein, aber fein: Beim Karnevalsumzug an der Asdorf wurden sowohl lokale Themen als auch die große Politik aufs Korn genommen.
tho- Wenn am Donnerstagabend der Verbandsgemeinderat Kirchen erneut über die Ausweisung von Vorrangzonen für Windkraftanlagen diskutiert, dann müssen sich die Damen und Herren Kommunalpolitiker eingestehen: Es ist zu spät! Die ersten Windräder sind längst da, und zwar im Asdorftal. Am Dienstag rollten sogar einige Exemplare über die Konrad-Adenauer-Straße in Niederfischbach - und stellten damit ohne Frage ein Highlight im diesjährigen Karnevalszug dar. Die Männer um Konrad Otterbach hatten viel Mühe aufgewendet, um das zuletzt herausragende Thema in der Region für den Karneval aufzubereiten. "Plötzlich ist der Haubergswind der Genossen liebstes Kind", lautete die Parole der Gruppe. Der Wind muss in Föschbe kräftig wehen, denn die Genossen beteiligten die Zuschauer gut gelaunt an der Dividende.
Familien und Nachbarn schließen sich zusammen
Es war einmal mehr ein kleiner, aber sehr feiner Zug, der an der Industriestraße in Fischbacherhütte begann und die Narren bis zum Marktplatz führte, wo Moderator Hans Imhäuser wiederum versuchte, den Überblick zu behalten. Das ist in Niederfischbach auch deshalb schwerer als andernorts, weil hier in der Regel nicht organisierte Vereine mitmachen, sondern bunt zusammengewürfelte Gruppen aus befreundeten Familien und Nachbarn. Doch gerade das macht den Zug aus, auch wenn man dafür in Kauf nehmen muss, dass die Teilnehmer gefühlte fünf Stunden brauchen, bis sie in der Ortsmitte angekommen (insofern muss sich die SZ bei den Herdorfern in Sachen Langsamkeit fast schon entschuldigen).
"Die Eurokrise ist fatal, doch Föschbe feiert Karneval"
Die Föschber wagten sich gestern sogar an die die große Politik, so hatte u. a. die Feuerwehr auf ihrem Wagen die Schuldenkrise thematisiert: "Kein Geld für unser Land, alles geht nach Griechenland." Ähnliches war bei der Gruppe um Günter Schneider zu lesen: "Die Eurokrise ist fatal, doch Föschbe feiert Karneval."
Pfarrerflut dank MGV
Selbstverständlich kam der Lokalkolorit nicht zu kurz: Dass die Ortsgemeinde immer noch ohne Pfarrer dasteht, verdeutlichte der MGV, dessen Sänger kurzerhand das Zölibat abgeschafft hatten und selbst in die Bresche sprangen: "Nach Föschbe will ja kein Pastor, drum macht das jetzt der Männerchor." Auch schräg gegenüber der Kirche scheint nicht alles im Lot zu sein: Zahlreiche Waldfeen (Gruppe Alzer) beklagten sich nämlich darüber, dass sie dem Neubaugebiet "Auf der Hardt" weichen mussten - "für die Reichen". Dafür hatten ganz entspannte Hippies (Gruppe Burghaus) im Ort eine neue Heimat gefunden: den Bürgerpark.
Pfadfinder feierten das 30-Jährige ? des Karnevalvereins
Viele Lacher ernteten die Pfadfinder im Straßenrand, hatten sie sich doch in die Uniformen des "alten" Karnevalsvereins "geschmissen". Da dieser eigentlich 2012 sein "30-Jähriges" feiert - oder gefeiert hätte - übernahmen die Pfadfinder kurzerhand die Party. Die Gruppe Eichbaum ging unter dem Motto "Verdammt lang her" sogar noch in die Zeit vor der Gründung des KVN zurück: Als die Infrastruktur in Niederfischbach noch intakt war und nicht ständig ein Geschäft oder eine Kneipe die Tore schloss. Ansonsten war der Zug geprägt von allerlei bunten Vertretern aus der Tier- und Pflanzenwelt, von Phantasiegestalten und Gästen aus fernen Ländern. Es gab Hühner, Schafe, Marienkäfer, Kühe und Dalmatiner. Fliegenpilze und Gärtnerinnen, Schotten, Gallier und Wikinger sowie Vampire und Superhelden. Und dass die Föschber überaus sportlich sind, ist nicht erst seit der Dorfolympiade bekannt: Kunden und Mitarbeiter des Fitnessstudios "Konzept Vital" boten eine beeindruckende Performance. So bleibt es dabei: Auch wenn der Umzug in Niederfischbach überschaubar bleibt, so können die Karnevalsfreunde in Sachen Ideenreichtum und Kreativität locker mit vermeintlich "großen" Nachbarn mithalten.




