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Umzug in Wissen

Finale mit buntem Lindwurm

Wissen. Mit über 60 Stationen dürfte der Karnevalsumzug in Wissen der größte in der Region sein.

goeb - Einen großen Vorteil besitzen die Wissener mit ihrem "Zoch" am Veilchendienstag. Erstens haben sie (fast) immer passables bis gutes Wetter, zweitens versammelt sich in ihrem Lindwurm noch einmal alles, was Lust auf ein großes Finale hat - von Morsbach über Scheuerfeld und Kaan-Marienborn (Gruß aus dem Altkreis SI) bis Altenkirchen und Heppenheim (!) reicht der geografische Bogen der Teilnehmer - außerdem haben die Narren an der mittleren Sieg unter der Regie der Karnevalsgesellschaft 1856 viel Platz und Zeit. Der letzte Tag einer jeden Session wird stets ausgiebig gefeiert, und lange vorher sind die besten Plätze in den Cafés mit Blick aufs närrische Treiben reserviert. Auch am Dienstag gestaltete sich die Meteorologie heiter und windstill, außerdem war es nicht zu kalt. Die Sonne brach durch die Wolken, als sich der lange Zug pünktlich um 14.11 Uhr in Bewegung setzte. "Eines kann mir keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben!", scholl es durch die Straßen, die wieder einmal von Abertausenden Narren gesäumt wurden. Bei aller unterschiedlicher Couleur der Gruppen und Vereine, die wieder teilgenommen haben, kristallisierten sich doch Themen und Trends heraus. Party, Party, Party: Die einen lieben es, die anderen nicht so. Vor allem auf Anhängern hinter großen Traktoren bzw. Lkw-Aufliegern tobt das "Boxen-Volk" mit Beats und Bottles. Techno-Rhythmen beispielsweise hämmerten vom Wagen der Gruppe Christoph Buchen, Hövels, die mit "New Kidz" und zerdrückten Bierbüchsen am Wagen an die holländischen Kulturbanausen erinnerten. In ähnlicher Lautstärke hielten da nur die "Wilden Weiber Mittelhof", die Fensdorfer, der HC Erbachtal sowie diverse Morsbacher Abordnungen mit. Western-Beats hörte man von den Saloon Girls der "Indian Spirit-Line-Dancers". Die Damen vom Sektvernichtungskomitee (Gruppe Thekenhüpfer) brillierten mit ihren roten Pailettenkleidern, während die "Nachtschwärmer" aus Selbach in riesige Ziffernblätter geschlüpft waren und daran erinnerten, dass "die Uhr tickt". Dass ein Tag ohne Party möglicherweise ein verlorener Tag ist, zeigten auch die die "ABIturbulenzen" des Kopernikus-Gymnasiums Wissen ("Egal wie dicht du bist, Goethe war Dichter..."). Unter die Gesichter des Abschluss-Jahrgangs hatten sich auch einige Lehrerinnen gemischt.

Die neue Airline

Die Politischen: Tja, das könnte noch ein bisschen mehr werden. Schaut man z. B. aufs kleine Wehbach, wo sehr viele lokal- und bundespolitische Themen aufbereitet wurden, hielt sich das in Wissen gestern in Grenzen. Man vermisste das "Komitee der notorischen Kritiker" aus dem Bergdorf. Aber gut. Platz eins geht eindeutig an die Crazy Pudels, die mit der neuen "Regio-Airline" eine Luftbrücke vom Bahnhof zum Kulturwerk Wissen einrichten wollen. Leidgeprüfte Bahnfahrer können von dem elend langen Fußweg durch die Unterführung ein Liedchen singen... Dabei hat man das Ziel doch vor Augen. Dann gab es noch den Wissener Schützenverein, der - in Steinzeitmode gehüllt - den örtlichen Stadtrat in diese Zeit "beamte". Das lässt viel Raum für Interpretation. Die Karnevalsfreunde Hohensayn schließlich erinnerten mit "Ratshaus-Allee - Geschäfte ade" an den leidigen Leerstand in der Innenstadt.

Samentütchen als Kamelle

Die Frühlingstupfer: An die kommende Jahreszeit kann man an den tollen Tagen gern erinnern. Die Karnevalsfreunde Roth taten das mit "Unser schöner Garten", die Mütter und Kinder der Kita Villa Kunterbunt präsentierten leckere Erdbeeren und Bananen. Wer sich auf einen Wagen voller Primeln, Tulpen und Krokusse des Pflanzenhofs Schürg gefreut hatte wie letztes Jahr, der wurde eines Besseren belehrt. Die bekannte Gärtnerei hatte sich thematisch diesmal einem gefürchteten Gartenfeind - dem Maulwurf nämlich - gewidmet. Als Kamelle regnete es hier Tütchen mit Pflanzensamen. In Mitsommernachtsträume versetzten die Wald-Feen der DJK Selbach mit ihren Mädchen in neongrünen Röcken und Flügeln. Die "Ladies-Kracher" führten ihr Programm "Auf Blume" auf und gaben violette Schmetterlinge.

Form und Struktur

Handgemachte Musik: Auf ihre Kapellen können die Wissener zählen. Wieder dabei und in gehörigem Abstand zu den rollenden Diskos spielten die Alten Kameraden Niederhövels, die Siegheuler, die Bergkapelle Vereinigung Birken-Honigs-essen, der Musikverein Brunken sowie die Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen - mit Bravour! Die Tollitäten: Was wäre der Karneval ohne sie, die der fünften Jahreszeit Form und Struktur geben und deren Wagen Prinzen und Prinzessinnen sowie Gefolge befördern? Vom Gastgeber KG am Zoch-Ende über die Altenkirchener bis zu den mit viel Mann und Material vertretenen Scheuerfeldern (die ein Containerschiff die Sieg hinabgeschickt haben müssen) grüßten die Tollitäten.

Blumengruppe?

  Die Exoten: Sie nennen sich Wolpertinger oder Flamingos. Letztere saßen ganz unter Palmen und zelebrierten das Dschungelcamp. Wieder andere fuhren auf ihrem Handwagen Ratten und Schlangen spazieren. Mehr als einen Blick wert war auch die "Blue-Man-Gruppe", die sich die Gesichter wie bei den berühmten Vorbildern blau angemalt hatten. Allerdings muss die KG deren Anmeldung telefonisch entgegen genommen haben. Das Programm jedenfalls wies sie als "Blumengruppe" aus.



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