Der gesamte Platz vom Patientengarten (vorne) bis zum Haupteingang (hinten) des Kreisklinikums in Weidenau soll nach Walter Krämer benannt werden. Fotos: mir
Einigung in Sicht
Walter-Krämer-Platz für Weidenau?
Weidenau. Vor dem Kreisklinikum im Siegener Stadtteil Weidenau soll ein Walter-Krämer-Platz entstehen. Bürgermeister Steffen Mues glaubt an eine breite Mehrheit im Rat.
mir - Walter Krämer, mit dem Namen tut sich Siegen seit Jahrzehnten schwer. Schon in den 50er Jahren (des vorigen Jahrhunderts) keimte die erste Debatte, ob und wie das humanitäre Wirken des Siegeners im KZ Buchenwald angemessen gewürdigt werden könnte. Seit Dienstag liegt ein neuer Vorstoß offiziell auf dem Tisch, der Rat der Stadt Siegen soll schon am 29. Februar grundsätzlich Stellung beziehen. Kernpunkt: Das gesamte Areal vor dem Weidenauer Krankenhaus (Patientengarten, Zufahrt zum Haupteingang plus angrenzende Freifläche) soll als Walter-Krämer-Platz ausgewiesen und in das offizielle Straßen- bzw. Adressverzeichnis der Stadt Siegen aufgenommen werden. Das Zuckerl oben drauf: Es wird ein Künstlerwettbewerb zur Ausgestaltung des Platzes initiiert - gedacht ist an ein Kunstwerk plus Gedenktafel (mit Informationen zur Person).
Mues: "Es geht um das humanitäre Wirken Walter Krämers im KZ Buchenwald."
Eine Arbeitskommission soll alle Fäden zur Platzgestaltung in der Hand halten. Politiker aus dem Siegener Rat sind nicht vorgesehen. Punktgenau versuchten Landrat Paul Breuer, Bürgermeister Steffen Mues, Klinikchef Bertram Müller, Klaus Dietermann (Aktives Museum Südwestfalen) und Historiker Rikola-Gunnar Lüttgenau (Gedenkstätte Buchenwald) eine Fokussierung auf den Kern der Sache. Steffen Mues: "Es geht um das humanitäre Wirken Walter Krämers im KZ Buchenwald. Was er dort für die Häftlinge getan hat, überstrahlt bei weitem die Kritik an seiner Person. Er war ein Lebensretter, der selbst unter höchstem Druck stand."
Breuer: "Der Arzt von Buchenwald, der eigentlich keiner war, steht im Mittelpunkt."
Zweiter Kommentator Paul Breuer: "In den politischen Diskussionen der Vergangenheit war bei einigen der Blick verstellt. Es geht um die Mitmenschlichkeit. Der Arzt von Buchenwald, der eigentlich keiner war, steht im Mittelpunkt, am Ende wurde er selbst ermordet." In einem Atemzug widersprach Breuer dem Vorwurf, mit der Platzgestaltung werde die Sache schnell ad acta gelegt. "Das ist deplatziert. Wir wollen einen Platz nach dem Siegener Walter Krämer benennen, auf dem viel Leben herrscht, wo aber auch der Tod ein Thema ist."
Klinik soll möglichst seine Adresse behalten
Ein Teilthema dürfte noch für weiteren Gesprächsstoff sorgen, das Kreisklinikum will als Adresse die Weidenauer Straße behalten. Begründung von Klinik-Geschäftsführer Bertram Müller: Das Haus sei als Weidenauer Krankenhaus seit 120 Jahren im Bewusstsein der Bevölkerung verankert, befinde sich an der Hauptverkehrsader, der Weidenauer Straße. Alle Katastrophen- und Rettungspläne müssten bei einer postalischen Änderung völlig neu erstellt werden.
Fertigstellung vielleicht erst 2014
Bis Mitte 2013 wird neben dem Patientengarten ein neues Ärztehaus (31,7 Mill. Euro Kosten) gebaut. Die zweite Freifläche an der Weidenauer Straße dient in der Zeit als Baustellen-Abstellfläche, dort soll anschließend der Nordflügel der Klinik eventuell erweitert werden, wie ansatzweise verlautete. Soll heißen: Ein Walter-Krämer-Platz vor dem Klinikhaupteingang könnte erst Mitte 2014 fertig ausgestaltet werden.




