Bald kein Geld mehr für die Sanierung der Kunststofflaufbahn im Vorzeige-Stadion Stählerwiese in Kreuztal? Wenn es nach dem Willen einiger Sportpolitiker ginge, sähe es um die Zukunft des Leistungssports in der Region düster aus. Foto: geo
NRW-Leistungssportförderung
Siegerland gerät auf Abstellgleis
Siegen. In Zeiten knapper werdender Kassen scheint sich die Sportförderung in NRW verstärkt auf die bereits vorhandenen Leistungszetren auszurichten - zum nachteil der Randregion Siegerland7Wittgenstein.
geo - Den "Knall" hat man hierzulande offenbar noch nicht gehört. Hierzulande, das ist für die "großen" Sportfunktionäre und Sportpolitiker des Landes, also jene zwischen Köln und Dortmund, Bonn und Münster die Region "noch hinter Olpe". Eine Region, die gerade dabei ist, von jeglicher Spitzensport- oder wenigstens Leistungssportförderung für alle Zeiten abgekoppelt zu werden. Geht es nämlich nach dem "NRW-Leistungssportkonzept 2020", dann wird die Region zwischen Burbach und Bad Berleburg eine Art Finsterwalde des Westens.
Region "noch hinter Olpe"
Ende 2009 wurde dieses Sportförderkonzept vom NRW-Innenministerium verabschiedet, sich ernsthaft damit und mit seinen möglichen Folgen für die Region "noch hinter Olpe" hat sich aber bis heute wohl noch keiner in Siegerland und Wittgenstein beschäftigt. Dabei führt dieses neue Konzept zu einem tiefen Paradigmenwechsel in der Sportförderung. Es stellt die "Gießkanne" als einst "heilige Kuh" der Sportförderung in die ihr zustehende Gartenlaube. Statt dessen bündelt dieses Konzept, mit dem NRW künftig - vereinfacht ausgedrückt - mehr olympische Medaillen holen will als andere Bundesländer, alle "Erbringer" von Sport und führt Vereine, Schulen und Institutionen erstmals "sportartübergreifend" zusammen. Im Grunde genommen ist dies die neuzeitliche Synthese des "Guten" vom Sportfördersystem der verblichenen DDR einerseits und den gewachsenen Strukturen westlicher Sportorganisation.
Kreissportbund kämpft gegen Windmühlen
Doch von allen Elementen der neuen Leistungssportförderung ist die Berg- und Waldregion an Sieg und Eder so weit entfernt wie der Mond von Wanne-Eickel. Es gibt nicht mal ansatzweise ein "Netz von Grundschulen mit leistungssportfreundlichem Profil", es gibt überhaupt sogar keine Schule, für die Sport und gezielte Sportförderung ein Thema ist (siehe Extra-Artikel). Es gibt null Ideen, sportartübergreifend Talente athletisch zu entwickeln und zu sichten. Allein der Kreissportbund wird nicht müde, hier gegen die störrischen Windmühlen zu kämpfen. Es gibt kaum leistungssportorientierte Vereine mit durchgängig hochkarätiger Nachwuchsförderung. Am ehesten könnte man hier noch die LG Kindelsberg Kreuztal (Leichtathletik), den TuS Ferndorf (Handball) und die Siegerländer KV (Kunstturnen) nennen. Fußball ist übrigens außen vor, da er eigene Förderkonzepte entwickelt, nur der Mädchen-Fußball passt in die NRW-Konzeption. Es gibt kaum hochwertige Sportstätten und vor allem zu wenig adäquate Trainingsmöglichkeiten.
15 bis 20 Zentren in NRW
Aus all diesen genannten Gründen ist das Siegerland und ist Wittgenstein so weit davon entfernt, jemals eine der geplant "15 bis 20" NRW-Leistungssportzentren zu werden, wie der Mond von - ach, das hatten wir ja schon.... Aber diese Zentren werden kommen. An den Olympiastützpunkten Rheinland (Köln), Rhein-Ruhr (Essen) und Westfalen (Bochum/Dortmund) sowieso, in Düsseldorf, im Rheinkreis Neuss, in Winterberg, in Paderborn/Bielefeld, in Leverkusen und in Münster und hier und da auch noch. Die Region "noch hinter Olpe" erfüllt dafür jedoch nach heutigem Stand nicht einmal ansatzweise irgendeines der Kriterien. Die Folgen dürften klar sein: alles wird auf diese Zentren ausgerichtet, nicht zuletzt künftig knapper werdende Mittel für den Bau und den Erhalt von (Spitzen-)Sportstätten.
Kein Fahrgeld mehr für Hallentraining
Die wenigen Talente der Region müssen sich daher wohl oder übel noch früher als jetzt schon umorientieren und in die künftigen "Schaltstellen" des NRW-Sports abwandern, die Leichtathleten z. B. nach Leverkusen und Wattenscheid. Adalbert Roßbach, langjähriger erfahrener Leichtathletiktrainer, ist zusammen mit Mehrkampf-Spezialist Helmut Menn einer von nur zwei verbliebenen NRW-Landestrainern aus Siegerland und Wittgenstein. Hinzu kommen übrigens Egon Bröcher (Wenden) und Sprinttrainer Dieter Rotter (Lüdenscheid/SC Olpe). Roßbach merkt bereits die veränderten Rahmenbedingungen, denn die Leichtathleten an Rhein und Ruhr haben schon ein neues Leistungssportförderkonzept entwickelt. War es beispielsweise früher für Kaderathleten möglich, an Wochenenden frei in Dortmund in der Körnig-Halle zu trainieren und dafür Fahrgeldersatz zu erhalten, so können jetzt nur noch die Landestrainer zu gemeinsamen Kader-Wochenendlehrgängen einladen - ohne Fahrgelderstattung. Ohnehin richtet sich die gesamte Leistungssportförderung in der NRW-Leichtathletik nur noch an A- und B-Jugend, die heute U 17, U 18 und U 19 heißen. Es ist in diesem Zusammenhang ein offenes Geheimnis, dass die Besten der Besten sowieso gezielt in die Vereine in Wattenscheid und Köln bzw. Leverkusen gedrängt werden sollen, weil sie nur noch dort die optimale Förderung erhalten werden - Schulwechsel nebst Laufbahnberatung inbegriffen. Es wird die große Frage bleiben, ob rührige Vereine wie die SG Wenden, die Kindelsberger, der CVJM Siegen oder nehmen wir ruhig die SKV auf Dauer das Spiel mitmachen und mit großem, meist ehrenamtlichem Einsatz die künftigen Spitzensportler des TV Wattenscheid und Bayer Leverkusens ausbilden. Geht aber auch ihnen noch die Luft (oder: Lust) aus, liegt "Finsterwalde" aber bald wirklich unter Kindelsberg und Pfannenberg.




