Glücklich und zufrieden - Mitglieder und Mitwirkende der Theatergruppe "szene 7" mit der Regisseurin und künstlerischen Leiterin Beate Gräbener (r.). Foto: cn
Theatergruppe "szene 7"
Der kleine Prinz interkulturell
Siegen. Studierende des International Office der Universität Siegen spielten unter Leitung von Beate Gräbener Saint-Exupérys Klassiker in einer bezaubernden Inszenierung.
cn - Auf einem Mini-Fahrrad, dessen Lenkergriffe leuchtend blinken, fährt ein junger Mann mit lederner Fliegerkappe an den Zuschauern vorbei. Er düst auf die Bühne, simuliert einen (Flugzeug-)Absturz und rollt über den Kulissenteppich. Während die letzten Lacher verebbten und der Pilot (Haopeng Wang) mit der Reparatur seines Fahrrad-Flugzeugs begann, betrat der kleine Prinz (Yayu Jiang) die Bühne. Und wenngleich der Anblick des Mädchens mit langen schwarzen Haaren in der tragenden Rolle von Antoine de Saint-Exupérys Klassiker im ersten Augenblick eine Umgewöhnung bedeutete, überzeugte Yayu Jiang mit erfrischendem Charme vollkommen in der Rolle.
Deutschlernen im Theaterkurs
Die Aufführung "Der kleine Prinz" im Siegener Kultur- und Medienhaus Lÿz am Dienstag zeigte das Ergebnis von mehreren Monaten theaterpädagogischer Arbeit und Konversationstraining. Alle Darsteller des Stücks sind ausländische Studierende des International Office der Universität Siegen. Dort gründete sich in 2010 das interkulturelle Theaterprojekt "szene 7". Das Deutschlernen habe im Theaterkurs eine völlig neue Seite bekommen, meinen die Teilnehmer. Vokabeln zu lernen und Prüfungen zu schreiben, ist eben doch trockener, als gemeinsam ein Theaterstück in einer fremden Sprache auf die Beine zu stellen.
Ein schönes Stück Arbeit!
Dennoch war es ein ganzes Stück Arbeit für die Studenten und auch für ihre künstlerische Leiterin Beate Gräbener. Gemeinsam erarbeiteten sie den Kontext des Stücks und klärten die Bedeutung der einzelnen Charaktere für das Gesamtwerk. Folglich ist die Aufführung in deutscher Sprache nicht nur schauspielerisch eine beachtliche Leistung, sondern auch in Hinblick auf die bestehende Sprachbarriere.
Viele Gedanken über die eigene Rolle gemacht
Generell stach bei der Aufführung ins Auge, dass alle Darsteller sich ganz offensichtlich viele Gedanken über die spezifische Eigenart ihrer Rolle gemacht hatten. Fercy Baniola überzeugte als scheinbar kratzbürstige und doch verletzliche Blume ebenso wie als narzisstische Eitle. Den König und den Händler mimte mit aristokratischem Selbstverständnis einerseits und viel Geschäftssinn andererseits Tao Wu. Und in der Rolle der resignierten Trinkerin, des gestressten Laternenanzünders sowie des Weichenstellers unterhielt Oksana Pryhodko. Leider nur kurz zu sehen, aber nicht minder überzeugend, waren Wenjie Wang als weltfremder Geograf, Jin Xu als mysteriöse Schlange und Bingshu Zhang als weiser Fuchs.
Und zum Abschluss Hip Hop
Zum Abschluss gaben die Studenten noch eine Kostprobe ihrer Tanzkünste, mit einer Hip-Hop-Choreographie von Franziska Gräbener. In jeder Hinsicht war es eine bezaubernde Darbietung, die durch den teils ausgeprägten Akzent der Darsteller mehr an Reiz gewann denn verlor.




