Was vormals ein Ententeich war, wird künftig Lebensraum der Störche sein. Auf der Landzunge im Vordergrund sollen drei Brutplattformen errichtet werden, die vom Hang aus einsehbar sind.
Tierpark Niederfischbach
Neues Konzept wird sichtbar
Niederfischbach. Das neue Konzept für den Tierpark Niederfischbach wird allmähliuch sichtbar: Im Eingangsbereich ist eine offene Storchenlandschaft geschaffen worden, und auch in den Volieren haben heimische Arten die Exoten abgelöst.
damo - Peter Merzhäuser weiß eine ganze Ecke mehr als die Waschbären. Der Geschäftsführer des Tierpark-Vereins steht auf einer gepflasterten Fläche und erklärt, was vor seinem geistigen Auge längst klare Konturen angenommen hat: "Genau hier wird für das neue Ottergehege der Bach freigelegt. Und die Waschbären-Käfige dort verschwinden", sagt er mit Blick auf die Zwinger am Hang. Drinnen sitzen besagte Waschbären und ahnen nicht einmal, dass ihnen goldene Zeiten im Freigehege bevorstehen. Dass sie sich ihr neues Zuhause mit den Fischottern teilen müssen, wird sie vielleicht anfangs irritieren, aber in freier Wildbahn würden sich beide Arten schließlich auch begegnen. Noch aber steht das Ottergehege nur in Merzhäusers Kopf - ganz im Gegensatz zur Storchenanlage. Die hat bereits Gestalt angenommen, und auch ihr erster Bewohner ist im Otterbachtal angekommen. Der Weißstorch heißt Anton. Oder Antonia. Noch weiß keiner, ob der Jungvogel männlich oder weiblich ist. Da Vögel keine klar erkennbaren äußeren Geschlechtsorgane haben, muss eine Feder untersucht werden: Findet sich dabei ein weibliches Chromosom, wird der Name Antonia lauten.
Zoos belohnen Konzept
Er/sie kommt übrigens aus Duisburg: Bei dem Bestreben, den Tierbestand sukzessive auf heimische Arten umzustellen, hat Merzhäuser eine E-Mail-Anfrage an 600 europäische Zoos gestellt: Wer hat einen Storch abzugeben? Zehn zoologische Gärten haben geantwortet und ihre Preisvorstellungen mitgeteilt: "Zwischen 500 und 1000 Euro." Merzhäuser hat eine Mail hinterhergeschickt und im Anhang das neue Tierpark-Konzept (die SZ berichtete) mitgeliefert. Der Plan, mittelfristig einen Tierpark mit heimischen Arten in naturnahen Gehegen und Volieren zu schaffen, hat zwei Zoodirektoren offenbar beeindruckt: Aus Duisburg und Warschau kam prompt die Antwort, dass man diese Ziele unterstützen wolle und kostenlos Störche abgeben werde.
Störchen werden zu Freifliegern
Insgesamt sollen bald zwischen sechs und acht der stattlichen Schreitvögel im Eingangsbereichs des Tierparks leben - ohne Gitter. Dazu müssen die Federn an der Unterseite der Flügel gestutzt werden: So können die Tiere im ersten Jahr im Tierpark nicht wegfliegen. Wenn dann im Jahr darauf bei der Mauser die Federn nachwachsen, dürften sich die Störche längst so sehr an ihr neues Zuhause gewöhnt haben, dass sie sich ihre Winterreise nach Afrika sparen. Dann werden sie zwar rund um Niederfischbach durch die Lüfte segeln, aber immer wieder ihr angestammtes Heim im Otterbachtal ansteuern.
Pumas vor dem Auszug
Denn dort gibt es neben Futter auch günstige Brutbedingungen: Der
vormals kreisrunde Ententeich ist bereits mit einer Landzunge versehen
worden, auf der drei Brutplattformen errichtet werden. Diese sollen von
einer Terasse an der bisherigen Bühne einsehbar sein: Tierpark-Besucher
können dann einen Blick ins Storchennest werfen und hautnah erleben, was
es mit dem Begriff "Klapperstorch" auf sich hat. Natürlich mussten
dafür andere Arten weichen: Bislang waren im hinteren Teil des Teichs
Flamingos in einem kleinen Haus untergebracht - sie haben eine neue
Bleibe im Zoo Neuwied gefunden. Maxime dabei: "Wir wollen die Tiere, die
nicht in das Konzept passen, abgeben - aber sie müssen dann ein
besseres Leben haben." Das dürfte insbesondere auf die Pumas zutreffen:
Ein Zoo in der Nähe von Lyon wird sie aufnehmen. Dieser Tierpark ist
laut Merzhäuser auf die Haltung von Großkatzen spezialisiert: "Dort
haben sie optimale Bedingungen." Auch die Kängurus und einige der
exotischen Vögel haben Niederfischbach bereits verlassen. In einigen der
Volieren herrscht schon neues Leben: Wo vormals Wellensittiche
trällerten, können jetzt Wachteln und Feldlerchen beobachtet werden.
Bauarbeiten am Spielplatz stocken
Dabei sieht das neue Konzept vor, dass die Volieren thematisch gestaltet werden: Verschiedenen Lebensräumen sind einzelne Käfige gewidmet. So leben Lerchen und Wachteln in der "Feldrand-Voliere", nebenan werden Biotop-Typen wie ein Bach oder ein Wald mit ihren typischen gefiederten Bewohnern dargestellt. Auch die Bauarbeiten am neuen Spielplatz haben begonnen - derzeit haben die Bagger aber Baustopp, weil noch wasserrechtliche Fragen zu klären sind, berichtet Peter Merzhäuser. Während er das erklärt, tollen die Waschbären durch ihren Käfig und lassen zweifelsfrei erkennen: Auch von Baurecht haben sie nicht die leiseste Ahnung.




