Zwei junge Autoren waren zu Gast an der Siegener Universität: Der Berliner Mikael Vogel mit romantischer Kleintierlyrik (l.), der Grazer Max Höfler mit wortgewandter, fast surrealer Spaßprosa. Foto: ne
Lesung im Kultkaff
Kleine Tiere, süße Liebe
Weidenau. Max Höfler aus Graz und Mikael Vogel aus Berlin gastierten mit sprachlich schön gemachten Texten an der Uni Siegen.
ne - In Frankfurt grassiert Buchmessenfieber, demnächst tönt es literarisch "vielSeitig" aus vielen Siegener Lokalitäten - und als Appetithäppchen und zur Vorfreude aller an neuer Literatur Interessierten waren gleich zwei bemerkenswerte Poeten zu Gast an der hiesigen Alma Mater.
Crauss moderierte den Dichter-Abend
Von Graz aus unterwegs auf Lesereise in Deutschland, machte der 1978 in der Steiermark geborene Max Höfler im Kulturcafé Station, um aus seinen sehr sprachverspielt und burlesk zusammengesponnenen Texten vorzulesen. Und der drei Jahre ältere Mikael Vogel, Hermann-Lenz-Stipendiat aus Berlin, gefiel mit kurzen Gedichten, die in illustren Tiermetaphern viel über Liebe sagten. Organisiert von Campusradio und Kultkaff, moderiert vom Siegener Autor Crauss, wechselten die beiden vergleichbar witzigen, aber sehr unterschiedlich vortragenden Gastliteraten ihre Plätze auf dem Podium.
Handlung ist bei Höfler drittrangig
Höfler, Mitarbeiter der so renommierten Kulturinstitution Forum Stadtpark und Begründer der Eigenheimgalerie GG44, fabuliert frech drauflos im Austria-Zungenschlag und mit furchtbar vielen Stabreimen. Leuchtend konstruiert und vertrackt die Syntax, die Handlungen drittrangig, denn Sprachschönheit, Originalität des Stils und sinnstiftende Wendungen scheinen dem Autor wesentlicher.
Vogel liest wie eine Schildkröte oder Schnecke
Vogel braucht manchmal bloß zwei halbe Sätze zum Gedicht, einmal sogar nur fünf Wörter, freilich mehr eine witzige Sentenz denn ein ganzes Gedicht. Vogel schiebt die Sprache vorsichtig voran, liest behutsam und silbenweise, mit der zaghaften Aufmerksamkeit einer Schildkröte oder einer Morgenstern'schen Schnecke ("soll i raus? oder nit raus?"). Die Verse haben eine dünne Haut, gehen zärtlich miteinander und der Sprache um - und finden dem gelegentlich unausgesprochenen Thema Liebe neue, noch nicht verbrauchte Bilder. Drei Gedichtbände gibt es schon von Vogel, das ist fein. Dem jungen Publikum gefielen die beiden Poeten bestens.


