Archivartikel

Amerikanischer Besuch in Sassenroth

Fürs Familienalbum: Franz Robert Utsch aus den Vereinigten Staaten von Amerika machte sich auf die Suche nach seinen Vorfahren - und fand im Hellertal eine richtige Großfamilie. Fotos: just

just - Es war ein Familientreffen der ganz besonderen Art, und ein bisschen klingt es nach dem Stoff für einen Hollywoodfilm: Ein Sohn deutscher Auswanderer ist auf der Suche nach seinen Vorfahren - ohne zu wissen, ob er überhaupt fündig wird. Das Resultat? Eine Familienzusammenführung mit zwölf Cousins und Cousinen und deren Familien!

Brief ans Pfarramt

Es begann im Januar, als ein Brief aus Georgia, USA, das Herdorfer Pfarramt erreichte. Darin schrieb der amerikanische Staatsbürger Frank Robert Utsch von seinen deutschen Ahnen und bat um Hilfe bei der Suche. Sein Vater, Franz Utsch, geboren 1902 in Sassenroth, war im Mai 1929 in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Der Brief gelangte sogleich in die richtigen Hände; bereits angeheiratete Verwandschaft nahm ihn entgegen und leitete ihn an Hans-Joachim Utsch weiter. Dieser zögerte nicht lange und füllte ein großes Paket voll mit alten Familienfotos und Informationen, das voller Freude über den neu gewonnenen Kontakt nach Übersee ging.

Über die Donau an die Heller

Wie es der Zufall will, hatten Frank Utsch und seine Frau Karen für Mai eine Europareise gebucht; eine Donauschifffahrt führte das amerikanische Ehepaar von Budapest nach Passau, weiter nach Nürnberg und schließlich nach Köln. Am Donnerstag ergab sich die Gelegenheit, dass sich die unbekannten Familienmitglieder kennenlernten. Mit einem großen und vor allem herzlichen Familienfest nahmen die Brüder und deren Familien um Bernd und Hans-Joachim Utsch das neue Familienmitglied in ihrem Kreise auf. Das gegenseitige Beschnuppern war geprägt von großer Rührung und Freude, hatten sich doch endlich die Lücken im Stammbaum gefüllt. Bisherige Kontaktaufnahmen waren am unbekannten Aufenthaltsort der amerikanischen Verwandschaft und der großen Sprachbarriere gescheitert, berichteten Bernd und Hans-Joachim Utsch.

Mit reichlich PS über die Autobahnen

Beide sind zuversichtlich, was die Zukunft betrifft. "Das Wichtigste ist, dass der Kontakt hergestellt ist, alles Weitere wird man sehen." Es scheint jedoch, als müsste sich die Familie darum keine Gedanken machen, wurden doch an Fronleichnam bereits Einladungen für weitere Besuche in Deutschland und Amerika ausgesprochen, und Frank und Karen Utsch planen für nächstes Jahr eine weitere Reise nach Europa. Selbstverständlich führe sie dann wieder ein Abstecher nach Sassenroth, freuten sich die Amerikaner im schönsten amerikanischen Englisch. Ihnen gefalle die Landschaft und die Architektur der Häuser; vor allem aber sei es ein Abenteuer, auf Autobahnen ohne die in Amerika übliche Geschwindigkeitsbegrenzung fahren zu können. Deswegen haben sich beide von Köln aus auch gleich einen Wagen mit reichlich Pferdestärken unter der Haube geliehen. Karen Utsch, pensionierte Chemielehrerin, und ihr Mann Frank, der früher als Kernenergietechniker bei der US Navy gearbeitet hat, beschreiben den Unterschied zwischen Deutschland und Amerika so: "Wir Amerikaner übertreiben gerne ein bisschen: Für zwei Personen hat man ein Haus mit vier Schlafzimmern, das ist in Deutschland wohl anders."

"Very happy"

Der Amerikaner mit hiesigen Wurzeln hat drei Kinder und bereits sieben Enkel sowie zwei Urenkel. Urenkel Nummer drei sei aber schon unterwegs, berichtete er stolz. Frank Utsch antwortete auf Nachfrage, wie man sich mit solch einer neuen Großfamilie fühle, strahlend: "very happy". Er erklärte lächelnd, dass er bereits große optische Ähnlichkeiten zwischen sich, seinen drei ebenfalls in Amerika lebenden Schwestern und der deutschen Verwandschaft festgestellt habe. Schon am Sonntag geht es zurück nach Georgia, mit im Gepäck ist dann ein Geschenk der neuen deutschen Familie. Die Sassenrother Utsch-Sippe überreichte Frank und Karen eine originale Grubenlampe und eine Kupfererzstufe. Das Besondere dabei: Der Vater von Frank, der Sassenrother Franz Utsch, hatte als Arbeiter in den Gruben Wolf, San Fernando und Friedrich Wilhelm genau mit solchen Lampen tagtäglich zu tun gehabt. Ein Geschenk für den vorläufigen Abschied, das von Herzen kommt. Die Reaktion von Frank und Karen war dann auch ganz eindeutig: "Wow, this is amazing!"

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