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13.07.2017 13:15
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 „Jedes Kind hat Recht auf Urlaub“ – eine Initiative, die ihrem Namen alle Ehre macht. Davon sollen möglichst viele junge Menschen im Altkreis Wittgenstein profitieren. Foto: Timo Karl

„Jedes Kind hat Recht auf Urlaub“ – eine Initiative, die ihrem Namen alle Ehre macht. Davon sollen möglichst viele junge Menschen im Altkreis Wittgenstein profitieren. Foto: Timo Karl

Jedes Kind hat Recht auf Urlaub

Alle Teilnehmer profitieren

tika - Es ist ein Projekt, das zwingend notwendig ist. Es ist allerdings auch ein Projekt, das Fragen nach tiefgreifenden gesellschaftlichen Strukturen aufwirft. „Eigentlich ist es eine Schande, dass es eine solche Maßnahme überhaupt geben muss. Die Schere zwischen arm und reich geht auseinander – wir wollen diesem Rad mit der Initiative sprichwörtlich in die Speichen greifen“, erklärte Stefan Berk. Der Superintendent des Kirchenkreises Wittgenstein und seine Mitstreiter zogen am Mittwoch eine erste Bilanz zur Initiative „Jedes Kind hat Recht auf Urlaub“, die gerade jungen Menschen aus sozial benachteiligten Familien einen Zugang zu Freizeitmaßnahmen bieten will. Das Wichtigste dabei: Die Kinder agieren auf Augenhöhe, kein Teilnehmer muss zurückstecken. Laut einer Studie von Eurostat konnten sich im vergangenen Jahr 19,2 Prozent der Menschen in Deutschland keinen einwöchigen Urlaub leisten; 19,9 Prozent waren es bei Haushalten mit Kindern, sogar 39,6 Prozent bei Alleinerziehenden. „Diese Zahlen beweisen, dass die Initiative in die richtige Richtung zielt. Wir erleben eine bedenkliche Entwicklung, der wir entgegensteuern wollen“, erklärte Thomas Linder. Der Vorsitzende des Vereins Perspektive Zukunft – einer der vier Träger der Initiative – betrachtet das laufende Jahr als Aufbaujahr für das im Dezember angestoßene Projekt. Getragen ist es – neben dem Verein – vom Kirchenkreis Wittgenstein, dem CVJM Wittgenstein und nun auch durch den Lions-Club Wittgenstein.

„Wir unterstützen das Ehrenamt“

Der Club hat sich der Initiative langfristig verschrieben und will ab sofort einen jährlichen Beitrag leisten – übergaben die Verantwortlichen einen Spendenscheck in Höhe von 10 000 Euro. „Die Jugendzeit ist eine prägende Zeit. Wenn es Kindern in dieser Phase des Lebens nicht möglich ist, aus finanziellen Gründen einen Urlaub machen oder an Freizeiten teilnehmen zu können, ist das schade. Wir wollen uns daher engagieren“, erklärte Frank Benfer, der seit Montag neuer Vorsitzender des Lions-Clubs Wittgenstein ist. Die Geldgeber generieren ihre Spenden vorwiegend aus dem jährlichen Erlös ihres Adventskalenders, dessen Verkauf in diesem Jahr wieder im Rahmen des Brotmarktes in Bad Berleburg stattfindet. „Das Geld ist sinnvoll eingesetzt, daher sehen wir uns nicht nur als kurzfristigen Partner, sondern haben uns die Unterstützung langfristig auf die Fahnen geschrieben“, berichtete Frank Benfer. Die „Lions“ – die weltweite Initiative feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag – haben sich ohnehin international der Stärkung der Jugend verschrieben. „In dieses Gesamtkonzept passt ,Jedes Kind hat Recht auf Urlaub’ ausgesprochen gut“, betonte der Mann für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Karl-Peter Rasche, in der Zentrale des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein in Bad Berleburg. Zugleich geht es dem Club darum, das Ehrenamt durch die Förderung zu stärken. Denn für die Freizeiten, in die die Mittel fließen, stellen die Betreuer ihren nicht selten Urlaub zur Verfügung. „Wir unterstützen das Ehrenamt, denn es ist alles andere als selbstverständlich, dass sich Menschen für derartige Maßnahmen zur Verfügung stellen“, erklärte „Lions“-Schatzmeister Heinz-Josef Linten. Tatsächlich sind jährlich 60 ehrenamtliche Helfer bei den verschiedenen Freizeiten unterwegs – in diesem Jahr sind es derer drei, die im Abenteuerdorf Wittgenstein in Wemlighausen, in Spanien sowie in Dänemark stattfinden.

20 Teilnehmer erhalten in diesem Jahr Mittel

„Durch das Engagement des Lions-Clubs profitiert ab sofort jeder Teilnehmer von günstigeren Preisen für die Teilnahme – wir haben die Preise um insgesamt 20 Prozent gesenkt“, erklärte Thomas Lindner. Ein gewisses Kontingent allerdings soll künftig ausschließlich für die Initiative „Jedes Kind hat Recht auf Urlaub“ zur Verfügung stehen. Mindestens zehn Prozent der Plätze sollen an Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien gehen – wenn möglich auch mehr. „Wir bieten Freizeiten für Teilnehmer aller Konfessionen an. Wir wollen zwar christliche Werte vermitteln und vor allem ein Gefühl des Miteinanders weitergeben, wir haben aber keinerlei Berührungsängste. Vielmehr ist es so, dass wir das Gespräch mit den Betroffenen suchen müssen – die Hemmschwelle, sich beziehungsweise sein Kind tatsächlich anzumelden, ist hoch“, erklärte Thomas Lindner. Um diese Hemmschwelle zu senken, haben die Verantwortlichen unter anderem den Passus auf den Anmeldeformularen modifiziert – künftig ist es für die Betroffenen möglich, einen Zuschuss direkt zu beantragen. Möglich ist es dabei auch, ein empfohlenes Taschengeld für die Teilnehmer zu erhalten, wenn dieses privat ebenfalls nicht zu finanzieren ist. „Es soll so sein, dass die Teilnehmer zehn Prozent oder 50 Euro zum Reisepreis beisteuern – oder eben, was möglich ist. Wenn dies allerdings ob der finanziellen Schieflage ebenfalls nicht möglich ist, ist auch dies keine Pflicht“, betonte Thomas Lindner. In diesem Jahr nehmen insgesamt 300 Kinder an den Freizeiten teil – sie alle profitieren von niedrigeren Preisen. Davon wiederum 20 Teilnehmer erhalten Mittel aus der Initiative „Jedes Kind hat Recht auf Urlaub“ – insgesamt 3000 Euro. Das Zehn-Prozent-Ziel haben die Verantwortlichen damit in diesem Jahr nicht erreicht, allerdings aus gutem Grund: Im Dezember – zum Start der Initiative in Wittgenstein – waren die Plätze für die Freizeiten bereits weitgehend vergeben. Voll durchstarten dürfte das Projekt daher erst im kommenden Jahr. Ein Projekt, das zwingend erforderlich ist und für das es einen großen Bedarf gibt. Auch im Altkreis Wittgenstein.

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