Lokales
10.11.2017 14:04
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 Die Klasse 9a gestaltete gestern Vormittag die Gedenkfeier an der Bergstraße und erinnerten an die zehn Juden aus Erndtebrück, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Foto: Björn Weyand

Die Klasse 9a gestaltete gestern Vormittag die Gedenkfeier an der Bergstraße und erinnerten an die zehn Juden aus Erndtebrück, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Foto: Björn Weyand

Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht

„Das Recht zu leben“

bw - Sie waren angesehene Bürger, beliebte Händler, gute Nachbarn, Bekannte und Freunde. Alles änderte sich aber mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Fortan wurden jüdische Familien ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, deportiert und schließlich millionenfach ermordet. Unter den Opfern waren auch zehn Mitglieder der kleinen jüdischen Gemeinde von Erndtebrück, an deren Schicksal gestern Vormittag die Klasse 9a der Realschule Erndtebrück erinnerte. An der Gedenktafel an der Bergstraße fanden sich am Jahrestag der Pogromnacht im Jahre 1938 auch einige Bürger, eine Klasse der Grundschule und Bürgermeister Henning Gronau ein.

Die Realschüler hatten sich im Vorfeld im Unterricht mit der Judenverfolgung im Dritten Reich intensiv beschäftigt und die Schritte von der Diskriminierung im Alltag bis zur Massenvernichtung betrachtet. Nur wenigen Juden gelang die Flucht ins Ausland. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 markierte nach Jahren der Ausgrenzung eine Verschärfung hin zur systematischen Verfolgung. Jüdische Synagogen und Geschäfte wurden in dieser Nacht zerstört. Die Gedenkfeier gestern sollte an die Erndtebrücker Juden erinnern und dafür sorgen, dass die Taten nicht in Vergessenheit geraten – „auch wenn wir persönlich nicht mehr betroffen sind“. Schließlich handele es sich um das schlimmste Kapitel in der Geschichte der Deutschen. „Jeder Mensch hat das Recht zu leben“, stellte ein Realschüler fest. Die Ausgrenzung, mit der einst alles begann, sei leider auch heutzutage noch gegenwärtig. Sei es bei dem Mitschüler mit den langen Haaren, oder auch bei der Mitschülerin mit den bunten Klamotten. Oder bei Flüchtlingen, die zumeist aus Angst um ihr Leben aus ihrer Heimat zu uns gekommen sind.

An Erndtebrücker Familie  Moses erinnert

Apropos Heimat: Das war Erndtebrück für die zehn Menschen, die den Taten des NS-Regimes zum Opfer fielen. Wie die Familie von Moritz und Betty Moses. Sie hatten einst eine Metzgerei an der Marburger Straße und später ein Obst- und Gemüsegeschäft, das sie aber im Jahre 1934 schließen mussten, weil niemand mehr bei ihnen einkaufen durfte oder wollte. Im April 1942 wurde das Ehepaar nach Zamosc deportiert und dort umgebracht. Das gleiche Schicksal ereilte auch die Familie von Arthur Winter, der die Metzgerei seines Onkels Moritz Moses übernahm, die er später ebenfalls schließen musste, weil die Kundschaft fern blieb. Arthur Winter hatte mit seiner Frau Luise zwei Kinder. Kurt und Ruth besuchten die Erndtebrücker Schule, bis sie es nicht mehr durften. Die Familie wurde 1943 nach Auschwitz gebracht und ermordet. Hier starb auch Friederike Dickhaut, die in Erndtebrück mit einem Christen verheiratet war. Die beiden führten ein Geschäft an der Benfe-Brücke in der Ortsmitte in Erndtebrück. Friederike Dickhaut wurde im Juli 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die Familie von James und Bella Simon mit ihren Kindern Heinz und Ingeborg zog 1939 nach Köln um, vor allem Bella Simon kam auch danach noch in ihre Heimat zurück. Während James Simon nach England fliehen konnte, wurde Bella Simon mit den beiden Kindern im Juli 1942 deportiert und in Minsk schließlich getötet.

Für die ermordeten Erndtebrücker Juden stellten die Neuntklässler gestern an der Gedenktafel zehn Kerzen auf. Helmut Krumm, Erndtebrücker Pfarrer im Ruhestand, bedankte sich im Namen der Bürger herzlich dafür, dass sich die Schüler einmal mehr die Mühe gemacht hatten, diese Gedenkfeier vorzubereiten, auch wenn es durch die späten Ferien zeitlich eng war.

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