Kultur
22.01.2016 11:15
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 Nein, sie wollen den Planeten nicht verlassen! Während der Dreharbeiten entstand dieses Foto (hinten, v. l.): Carolin Utsch, Juli Franzkoch, Jan Wagener, Massimo Müller, Philipp Bojahr, Johannes Bade und Marcel Barion. Vorne im Cockpit die beiden Schauspieler Torben Föllmer (l.) und Milan Pešl. Foto: Johannes Bade

Nein, sie wollen den Planeten nicht verlassen! Während der Dreharbeiten entstand dieses Foto (hinten, v. l.): Carolin Utsch, Juli Franzkoch, Jan Wagener, Massimo Müller, Philipp Bojahr, Johannes Bade und Marcel Barion. Vorne im Cockpit die beiden Schauspieler Torben Föllmer (l.) und Milan Pešl. Foto: Johannes Bade

Independent-Film soll dieses Jahr fertig werden

„Das letzte Land“ taucht auf

bö - Mächtige Bilder. Sonnenfeuerball und Sternenmeer. Ein Raumschiff zieht seine einsame Bahn durchs schwarze All. Weltraumschrott fliegt vorbei. Zwei Mann in einer Kapsel. Wie Major Tom in seiner Blechbüchse. Gasnebel wabern. Vor den Kabinenfenstern unzählige Lichtpunkte. Weißt du, wie viel Sternlein stehen? Nee, das interessiert die Männer in der Kapsel nicht die Bohne. Sie suchen. „Das letzte Land“ lockt. Geflohen sind sie aus einem fernen Planeten-Knast. Ob es die Erde noch gibt, in dieser fernen Zukunft, in der sie mit ihrem abgewrackten Raumclipper durch Zeit und Raum düsen, wissen sie nicht einmal. eeindruckende Bilder und Töne sind das, die der Independent-Filmemacher Marcel Barion und die talentierte Crew mit viel Können, Enthusiasmus und Hartnäckigkeit realisiert haben. Zu sehen sind sie als Teaser unter www.dasletzteland.de im Internet.

Erfolgreiches Crowdfunding trägt Früchte

„Das letzte Land“ ist der Titel des SciFi-Roadmovie-Kammerspiels, über dessen Entstehungsgeschichte, die auf der besuchenswerten Website umfassend dokumentiert ist, die SZ vor knapp zwei Jahren schon einmal ausführlich berichtete. Eine Entstehungsgeschichte, die eigentlich schon einen eigenen Film verdient hat. Crowdfunding war anfangs eines der Schlüsselwörter. Über 13 000 Euro anstatt der kalkulierten 8500 kamen zusammen, was für die Produktion eines fast zweistündigen Films natürlich kein üppiges Budget ist, aber entscheidend geholfen hat. Neben vielen Kleinspendern (25 bis 100 Euro) und Firmen war die Bürgerstiftung mit 1500 Euro dabei. Der Begriff Low-Budget-Produktion trifft sicherlich den Punkt. Man sieht das den professionell gemachten, aussagestarken Bildern nicht an. Leidenschaft fürs Filmemachen, Durchhaltevermögen und Freundschaft hat den harten Kern hinter dem Projekt zusammengeschweißt. Zum Teil kennen sie sich schon aus dem Wilnsdorfer Gymnasium oder der Uni, machen seit dieser Zeit Filme. Marcel Barion hat das Drehbuch geschrieben, die grundlegende Geschichte hatte er mit Kai Naumann und Johannes Bade entwickelt. Philipp Bojar aus Kreuztal ist der Elektro-Spezialist, Massimo Müller ist der Baumeister, der Großes geleistet hat. Während des Raumschiffbaus im Feudinger Studio im Elternhaus von Johannes Bade, sprach Müller von einer „erfüllenden Aufgabe“. Wer den Teaser und später den Film sieht, erkennt schnell, was er für einen Top-Job gemacht hat. Schließlich spielen 95 Prozent des Werks im Raumschiff. Es gibt quasi nur eine Bühne, was den Genrebegriff Kammerspiel nahelegt.

Marcel Barion: „Film ist für die Kinoleinwand gemacht“

Die Schauspieler – natürlich auch alte Bekannte – haben ihre Arbeit übrigens längst erledigt. Im Sommer 2014 wurden die Szenen mit Milan Pešl (weil der in Gießen ein Engagement hat, musste in den Theaterferien gedreht werden) und dem freien Schauspieler Torben Föllmer aufgenommen. Marcel Barion erinnert sich gut an die stressige, intensive Zeit. Am Schiff wurde immer noch gebaut und gleichzeitig gedreht. Wer filmt, muss halt gut improvisieren können. Und die richtigen Helfer finden. Weil neben der Optik natürlich auch der Klang im Kinosaal eine entscheidende Rolle spielt, sind die zwei Berliner von „Only Sound“ und das Geisweider Studio „Soundshift“ mit im Boot. In diesem Jahr soll der Film fertig werden, seine Vorpremiere wird er wahrscheinlich im Dahlbrucher Viktoria erleben. Vorpremiere deshalb, weil erstmal nur die Unterstützer geladen werden. Marcel Barion: „Der Film ist für die Kinoleinwand gemacht. Wir wollen uns die Chance nicht verbauen, ihn auf Festivals zu zeigen. Und die bestehen meist darauf, dass bei ihnen die Premiere läuft.“ Auf wie viel Interesse das Projekt inzwischen auch bundesweit stößt, zeigt zum Beispiel die Tatsache, dass schon Vertreter der Frankfurter Kunsthalle Schirn im Studio vorbeigeschaut haben. Neben zahlreichen überregionalen Medien …

Ein Behandlungsstuhl dient als Pilotensitz

Natürlich gibt es von so einer Produktion viel zu erzählen, vom ausrangierten Zahnarztbehandlungsstuhl, der als Pilotensitz dient, vom Wald an Baustützen auf denen die schwere Kapsel ruht, von Schläuchen und Monitoren, wie der Sternenhimmel vor die Raumschiff-Fenster (die in jeder dritten Einstellung zu sehen sind) kommt, vom Compositing und Colour-Grading, wie die durchs All sausenden Modelle entstanden sind und so weiter und Lichtjahre fort … Faszinierend ist auf jeden Fall wie die engagierte Crew bei vielen Tricks im Computerzeitalter ihr wohlüberlegtes Tun aufs analoge System runtergefahren hat. „Weil“, so Marcel Barion, „es einfach besser aussieht.“ Und weil der Fachmann sowieso erkennt, was am Computer gemacht worden ist. Also haben sie für das Weltall einen schwarzen Karton genommen, Sterne rausgeprickelt und das Ganze von hinten beleuchtet. Für die Gasnebel hat das Team Acrylfarbe in einem Aquarium mit einer Salz- und Süßwasserschicht ins Spiel gebracht oder Speisestärke auf einem schwarzen Glastisch mit dem richtigen Licht aufgenommen. Und wisst ihr was? Das sieht verdammt gut aus.

 Nicht in Cape Canaveral, sondern in Feudingen ist dieses Raumschiff zur Reise durch wabernde Gasnebel gestartet. Szenenfoto aus „Das letzte Land“

Nicht in Cape Canaveral, sondern in Feudingen ist dieses Raumschiff zur Reise durch wabernde Gasnebel gestartet. Szenenfoto aus „Das letzte Land“

 Ob er wohl nach dem langen Flug durchs All je im „Letzten Land“ ankommen wird? Szenenfoto aus „Das letzte Land“

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