Kultur
12.06.2016 17:44
Drucken Vorlesen Senden
 Endlich sehen sie sich wieder: der Vogelhändler Adam (Daniel Ermert) und seine Christel (Anne Krämer). Eigentlich wollen sie heiraten, aber so einfach, wie sie sich das vorstellen, wird es nicht! Foto: gmz

Endlich sehen sie sich wieder: der Vogelhändler Adam (Daniel Ermert) und seine Christel (Anne Krämer). Eigentlich wollen sie heiraten, aber so einfach, wie sie sich das vorstellen, wird es nicht! Foto: gmz

Premiere von „Der Vogelhändler“

„Der Kandidat hat bestanden!“

gmz -  „Wie war‘s denn so auf der Jagd?“ – Ganz spitz befragt Kurfürstin Marie ihren Gatten, den „hasenjagenden“ Kurfürsten Leopold. Denn sie vermutet, wie die gut 400 Zuschauer bei der Premiere des „Vogelhändlers“ am Samstag auf der Freudenberger Freilichtbühne über gut zwei Stunden verfolgen konnten, nicht zu unrecht, dass ihr Gatte auf seinen Ausflügen nicht nur Feldhasen nachstellt …

Abwechslungsreich inszeniert

Mit vielen spritzigen Szenen, Aufmerksamkeit für das schöne Detail (wie dem blau-weiß-roten Licht beim Can Can), witzigen Einfällen, einer aufwendigen, tollen Bühne, opulenten Kostümen, einer stimmungsvollen Lichtshow mit Musik, aufregenden Tanzsszenen und vielen Elementen der klassischen Komödie hat Britt Löwenstrom (mit Christina Schaab als Spielleitung) das musikalische Lustspiel „Der Vogelhändler“, frei nach Carl Zeller, Moritz West und Ludwig Held, für die 62. Spielzeit der Südwestfälischen Freilichtbühne Freudenberg inszeniert. Bürgermeisterin Nicole Reschke, gleichzeitig Schirmherrin, eröffnete die Spielzeit und wünschte allen „supergute Unterhaltung“, verbunden mit dem Dank an die vielen Ehrenamtlichen des „Ganzjahresbetriebes Freilchtbühne“. Harald Bruch, der Vorsitzende der Freilichtbühne, fügte in seiner Begrüßung den Dank an die Sponsoren an, ohne deren Unterstützung die Arbeit der Freilichtbühne nicht möglich wäre. Zum Schluss der Aufführung rief er viele der im Hintergrund Beteiligten auf die Bühne und dankte ihnen ebenfalls: Der begeisterte und langanhaltende Applaus des Publikums, das eine regenfreie Premiere erlebt hatte, galt auch ihnen!

Spenden für soziale Projekte

Christina Schaab vom Vorstand wies in der Begrüßung zur neuen Spielzeit auf die diesjährige Spendenaktion der Bühne hin, die Gelder sammelt für zwei Projekte, für die Stiftung von Bischof Bernhard Hombach (der Wurzeln in Hohenhain hat) für Projekte für Kinder, Jugendliche und ihre Mütter in Nicaragua, und für die Subotic-Stiftung, die sich unter anderem für die Trinkwasserversorgung in Afrika starkmacht. Und dann begann die „fröhliche Jagd“, die von den Naturhornbläsern des Hegerings Freudenberg schon standesgemäß mit Signalen und Aufrufen angekündigt worden war. Toller und passender Auftakt!

Liebes-Irrungen und Paar-Wirrungen

Das heißt, so fröhlich war die „Jagd“ nach der richtigen Frau, dem richtigen Mann, für die Jagenden nicht immer, wenn auch die Verwechslungen und Missverständnisse beim Publikum natürlich für gute Unterhaltung sorgten. Aber am Ende „hatten sich“ doch alle, die zusammengehörten: Der Kurfürst (Hendrik Schaab) konnte seiner Marie (Anne Werner) endlich mal das abgelegene und verschwiegene Gartenhäuschen zeigen, das sie vorher noch nie betreten hatte … Der in seiner Geldgier komische (und dadurch gefährliche) Baron Weps (Ralf Gieseler) löste endlich seine finanziellen Probleme und fand seine Meisterin in der Hofdame Adelaine (Edwina Koch), die ausnahmsweise mal nicht „Mon Dieu, wie ordinär“ sagte, als es um den „klitzekleinen Ehevertrag“ ging. Weps‘ Neffe Stanislaus (Kevin Stahl), der, natürlich des lieben Geldes wegen, in dem kleinen Dorf vorgab, der mit seiner Jagdgesellschaft angekündigte Kurfürst zu sein, und dadurch viele Verwicklungen auslöste, durfte, endlich schuldenfrei, die Frau heiraten, die ihn liebt: Grete (Kira Schmitt). Wie gesagt: Am Ende „kriegen sich“ alle!

Aber sie kriegen sich doch!

Auch Adam, der Vogelhändler (Daniel Ermert), und Christel im blau-gelben Kleid, die von der Post (Anne Krämer), fanden wieder zusammen, was zwischendurch stark gefährdet war. Denn der in Sachen Vögel reisende Adam fühlte sich offensichtlich in seiner männlichen Ehre gekränkt, dass sich Christel mit der sicheren Stelle bei der Post, beim Kurfürsten für ihn einsetzte, damit er eine feste Stelle bekam, die Voraussetzung für ihre Heirat war. Außerdem verdächtigte er sie, dabei ein Techtelmechtel mit dem (falschen) Fürsten gehabt zu haben. Während er allerdings der schönen Kurfürstin, die inkognito das Dörfchen besuchte, schöne Augen machen durfte, und vor allem „Rosen aus Tirol“ verehren … Aber, wie gesagt, das Lustspiel endete für alle gut, allerdings nicht ohne die eine oder andere Erwartung gegen den Strich gebürstet zu haben: Christel warf Adam sehr deutlich seine Doppelmoral vor, was fast zu einem endgültigen Bruch zwischen den beiden führte. Der geldgierige Weps mit seiner Männlichkeitsattitüde musste sich den Vorstellungen der sehr dominanten Adelaine beugen, der Kurfürst wurde von der Moulin-Rouge-Dame Susette und ihrem Mann ausgenommen wie ein Brathuhn, und seine Frau, die Kurfürstin, war es, die wieder für Ordnung, und auch Glück, sorgte …

Kurzweilige Gags

Schöne Regieeinfälle und Gags sorgten darüber hinaus für Kurzweil. Die „Frau Bürgermeisterin“ des Dörfchens, Schenk (Ruth Homrich), entpuppte sich als sehr merkantil orientierte Mutter, die ihre Tochter zu verticken sucht wie „sauer Bier“. Susette und ihre Mädels bezirzen den Kurfürsten mit einem waschechten Can Can, frisch aus dem Moulin Rouge in Paris (toller Einsatz der Drehbühne, wie überhaupt die Bühne mit parallelen Handlungen gut genutzt war) – wann hat es den zuletzt auf Freudenbergs Bühne gegeben? Aber eigentlich wollte Susette (Andrea Quarg), oh là là, mit ihrem François (Christoph Schlepphorst) und dem „Ünd“ den Fürsten doch nur bestehlen …

Wie einst bei den „Muppets“

Die beiden Kommentatoren, Professor Süffle (Frank Kölsch) und Professor Würmchen (Kersten Schaab), waren eine amüsante Mischung aus „antikem Chor“ und Waldorf und Statler von den „Muppets“, die sich gegenseitig bekriegten und gleichzeitig Erläuterungen zum Geschehen einfließen ließen. Und natürlich Adam für seine Aufgabe als Menageriedirektor prüfen mussten!

An die Operette erinnerten die bekannten Lieder

Auch die Gesangseinlagen sorgten für Auflockerung: „Grüß Euch Gott, alle miteinand‘“, „Ich bin die Christel von der Post“, „Schenkt man sich Rosen“ und andere riefen die Operette mit ihren bekannten Gassenhauern in Erinnerung, ohne sie zu kopieren. Die beiden Damen der Dorfschenke sorgten mit ihren praktischen Vorschlägen für „Erdung“ (Ulrike Gieseler und Tatjana Stahl). Und Adams treuherziger Tiroler Zungenschlag tat ein Übriges, dass man sich amüsiert in das Geschehen auf der Bühne hineinziehen ließ, das fremd und doch so nah schien …

Nächste Premiere: „Die kleine Hexe“

„Der Kandidat hat bestanden!“ – dieses Urteil der beiden Professoren über Adams Prüfung kann man auf die Premiere des „Vogelhändlers“ am Samstagabend mit Überzeugung übertragen. Am kommenden Sonntag, 15 Uhr, findet die Premiere des Kinderstückes statt: Dann verzaubern die „kleine Hexe“ und ihr treuer Begleiter Abraxas Klein und Groß.

SOCIAL BOOKMARKS
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

Weitere Lokalnachrichten

 

Siegener Brandserie vor Gericht

Für Todesfälle verantwortlich?

Schul-Gutachten fast fertig

Sperberweibchen aufgepäppelt

Gasleck: Anwohner dürfen zurück

Edition: 14 Filme aus der Region

Aktuelle Fotostrecken

Gas-Alarm in Bad Berleburg

Eröffnung des Erzquellwegs

Ferndorf - Rhein-Neckar Löwen in Bildern

Live-Music-Hopping in Siegen

- Anzeige -

Sportnachrichten

 

TuS Ferndorf macht Dutzend voll

Lölling nur auf Rang 8

„Jacka“ Lölling unter „Top 5“

TuS Ferndorf ist nicht aufzuhalten

Aktuelle Videos

Großeinsatz nach einem großen Gasleck

Unfall bei Niederdielfen

Dicke Rauchschwaden nach Brand über Siegen

Zug erfasst Tanklaster

Kulturnachrichten

 

Zone 67 – Musik von hier

Hedda und die tödliche Langeweile

Wieder neu: Dilldappen-Kalender

Takako Saito: Retrospektive