Kultur
26.09.2017 13:59
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 Boris Dorfman ist der wohl letzte noch lebende Lemberger, dessen Muttersprache Jiddisch ist. Szene: Uwe von Seltmann

Boris Dorfman ist der wohl letzte noch lebende Lemberger, dessen Muttersprache Jiddisch ist. Szene: Uwe von Seltmann

Uwe von Seltmann stellt Doku in Dahlbruch vor

Film über Boris Dorfman

ciu - „Er iz a mentsh“ – ein größeres Kompliment für einen Menschen gibt es in der jiddischen Sprache nicht. „A mentsh“ ist ein feiner Kerl, ein guter Kumpel, der beste Freund und viel mehr als das: vielleicht einer, der dem Ideal von Goethes „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ entsprechen kann. Und so „a mentsh“ stellen Uwe und Gabriela von Seltmann in ihrem Dokumentarfilm über Boris Dorfman vor. Dieser, 94 Jahre alt, ist – den Recherchen des Paares zufolge – der letzte Lemberger Jude, dessen „mameloshn“, die Muttersprache, das Jiddische ist, eine tausend Jahre alte Sprache, die vor dem Holocaust über zwölf Millionen Menschen sprachen. Heute, sagt Uwe von Seltmann, seien es einige Hunderttausend, die dieses kulturelle Welterbe am Leben hielten. Der Film „Boris Dorfman – A mentsh“ will beides: Dorfman und seine Stadt, das ukrainische Lwiw, vorstellen und das Jiddische (Sprache, Kultur, Haltung …) bewahrend pflegen. Er folgt Dorfman auf seinen Wegen durch Lemberg und verfolgt damit auch die Spur dessen, was dort an jüdischem Leben geblieben ist.

Uwe von Seltmann stammt aus Müsen

Am Mittwoch, 27. September 2017, 19.30 Uhr, läuft die rund 50-minütige Dokumentation (auf Jiddisch mit deutschen Untertiteln) im Viktoria Filmtheater Dahlbruch. Eine Siegerland- und NRW-Premiere. Uwe von Seltmann, Jahrgang 1964, gebürtig aus Müsen, lange Jahre als Journalist tätig (u. a. als Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Sonntag“), wird zunächst eine Einführung geben, im Anschluss ist Gelegenheit, miteinander zu diskutieren. Veranstaltet wird dieser Abend in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland, der Dorfgemeinschaft Müsen und der Stadt Hilchenbach.

Erinnerung auch an Mordechai Gebirtig

Seine Premiere hatte „Boris Dorfman – A mentsh“ im Sommer 2014 bei einem Dokumentarfilmfestival (dem ersten Festival von vielen weltweit) in Krakau. In der polnischen Stadt hat Uwe von Seltmann zehn Jahre lang gelebt. Hat. Denn, das sagte er am Montag beim Pressegespräch, für seine Projekte – und das sind im Wesentlichen Erinnerungsprojekte, die das Nicht-Vergessen der Shoah, das Verantwortung tragen für die Vernichtung jüdischen Lebens in Europa anmahnen – sehe er dort keine Zukunft mehr. Der polnische Staat habe die grundlegenden Bürgerrechte abgeschafft, zähle das Jüdische nicht mehr zur Tradition dieses Landes, lasse Minderheiten zusehends weniger Raum, weshalb es für Gabriela und ihn zu neuen Ufern gehe. In Sachen Wohnort aktuell nach Kroatien, in Sachen schöpferischen Tuns an die Seite des jiddischen Dichters Mordechai Gebirtig, 1877 in Krakau geboren, 1942 im Ghetto der Stadt von einem deutschen Soldaten erschossen. Spricht von Seltmann über Gebirtig, dann im Grunde nie, ohne zunächst das Revers seiner Jacke zu lupfen, um das Konterfei des Literaten auf seinem Shirt zu zeigen. Und dann strahlt er, freut sich daran, auch dieses Thema unters Volk zu bringen – etwa Anfang November in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen, in Form einer „Show“, aber auch bei Begegnungen an Schulen. Uwe von Seltmann will nicht müde werden, für die Demokratie zu kämpfen. „Jetzt erst recht“, sagt er, auch mit Blick auf das Ergebnis der Bundestagswahl. Trotzig und mutig, „daffke“, wie es im Jiddischen heißt.

Faszination für Jiddisch begann mit Liedern von Espe

Seine Faszination für das Jiddische gründet in einer sehr frühen heimatlichen Begegnung: „Als ich 17, 18 Jahre alt war, gab es im Gemeindezentrum Ferndorf eine ,Folknight‘, organisiert von Klaus Wahlers aus Eichen. Dort sang die Gruppe Espe jiddische Lieder.“ Von Seltmann war fasziniert und interessiert, fuhr gleich nach Siegen, um sich Platten zu besorgen: von Zupfgeigenhansl, von André Heller … An diesen Sound knüpft auch der Film „Boris Dorfman – A mentsh“ an, mit atmosphärisch dichter Musik des Klarinettisten Christian Dawid.

 Werben für „Boris Dorfman“ (v. l.): Andreas Bolduan und Ulrich Bensberg (Dorfgemeinschaft Müsen), Kino-Betreiber Jochen Manderbach, Filmemacher Uwe von Seltmann und Alon Sander (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit). Foto: ciu

Werben für „Boris Dorfman“ (v. l.): Andreas Bolduan und Ulrich Bensberg (Dorfgemeinschaft Müsen), Kino-Betreiber Jochen Manderbach, Filmemacher Uwe von Seltmann und Alon Sander (Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit). Foto: ciu

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