Kultur
10.05.2015 18:55
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 Ray Wilson gibt pro Jahr rund 200 Konzerte - zum Glück fand eins davon am Samstagabend in der Georg-Heimann-Halle in Netphen statt. Classic-Rock-Fans wurden von dem hart arbeitenden Schotten ausnehmend gut bedient. Foto: bö

Ray Wilson gibt pro Jahr rund 200 Konzerte - zum Glück fand eins davon am Samstagabend in der Georg-Heimann-Halle in Netphen statt. Classic-Rock-Fans wurden von dem hart arbeitenden Schotten ausnehmend gut bedient. Foto: bö

Ray Wilson in Netphen

Heimann-Halle als Rockpalast

bö - „That’s Why God Made Saturday Nights“: Ganz genau – für ein Konzert wie dieses. Am Samstagabend verwandelte sich die Netphener Georg-Heimann-Halle, okay, die Akustik ist nicht gerade High Fidelity, in einen dampfenden Rockpalast. Aber da war ganz viel Leben drin, die Verbindung zwischen gut besuchtem Saal und Bühne stand praktisch vom ersten Ton an. Zum vierten Mal war Ray Wilson mit seiner offensichtlich gut eingespielten Combo in Netphen zu Gast, und die Beziehung zeigt noch keine Abnutzungserscheinung.

„Ray Wilson – 20 Years And More. Genesis versus Stiltskin“ stand auf dem Programmzettel, und damit sind die vielleicht wichtigsten zwei Pole im musikalischen Leben des 1968 im schottischen Dumfries geborenen Sängers gesetzt. Natürlich haben sich die Genesis-Nummern im kollektiven Bewusstsein als Mainstream-Klassiker eingebrannt, aber die Stiltskin-Songs und andere Wilson-Komposition und Texte haben ganz viel Potential. Und Wilson hat zudem das, was man nicht lernen kann, er hat jene Schüppe Charisma abbekommen, die das Publikum fesselt. Stundenlang, so dass selbst um 23 Uhr die plattgestandenen Füße konsequent ignoriert werden.

Auf Betriebstemperatur

Los geht’s mit „No Son Of Mine“. Erste Gesichter im Saal strahlen. „Wait For Better Days“, ein Wilson-Song, von Marcin Kajper (der noch weitere luftgetriebene Instrumente großartig zum Klingen bringen wird) mit dem ersten, aber bei weitem nicht dem letzten starken Saxofon-Solo aufgepeppt, folgt ohne Qualitätsverlust. Das Publikum erreicht schnell die richtige Betriebstemperatur, die Temperatur steigt. Dann folgt „Carpet Crawlers“ aus der Endzeit der progressiven Phase von Genesis. Die Stimmung wird melancholisch. Viele wiegen sich mit geschlossenen Augen zu den Klängen.

Songwünsche erfüllt

Irgendwann braucht auch einer der am härtesten arbeitenden Menschen im Showbiz – Wilson gibt pro Jahr rund 200 Konzerte – eine Pause. Und die tut auch dem Publikum gut, denn das tankt offensichtlich Frischluft und Energie und legt nach der Pause noch mal eine Schüppe drauf. Und Ray Wilson erfüllt zum zweiten Mal an diesem Abend einen Songwunsch: Für Anne Weber vom Kulturforum Netphen spielt die siebenköpfige Truppe, die so souverän durchs Konzert cruist wie ein achtzylindriger Straßenkreuzer über die Route 66, die Nummer „Lemon Yellow Sun“. „Another Day“ und eine fulminante Version von „Calling All Stations“ („Mama“ kommt dann noch genauso knallig) schließen sich an. Ein absoluter Höhepunkt ist „In The Air Tonight“. Ray Wilson allein mit dem Publikum und seiner akustischen Gitarre. Yeah, die Siegerländer  können singen.

Tolle Samstagnacht

Längst im Zugabemodus angekommen, schoben Wilson und Ali Ferguson eine atmosphärisch dichte Zwei-Klampfen-Interpretation von Pink Floyds „Wish You Were Here“ nach. Schade nur, dass manche Konzertbesucher bei den ruhigen Stücken nicht mal kurz die Klappe halten konnten. Bleibt zu hoffen, dass Ray Wilsons Liebe zu Netphen anhält und es ein Wiedersehen gibt. Dank an das Netpher Kulturforum, das den Classic-Rock-Fans, die ansonsten ja nicht so sehr verwöhnt werden, eine tolle „Saturday Night“ bescherte.

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