Kultur
10.02.2017 13:08
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 Mit naiver Entdeckerfreude greift Simpel (Ibrahim El-Chartouni, r.) zur Zigarette, ermuntert von seinem Alter Ego HaseHase (Philipp Feltkamp). Die Sache geht nicht besonders gut aus, wie sich denken lässt … Foto: ciu

Mit naiver Entdeckerfreude greift Simpel (Ibrahim El-Chartouni, r.) zur Zigarette, ermuntert von seinem Alter Ego HaseHase (Philipp Feltkamp). Die Sache geht nicht besonders gut aus, wie sich denken lässt … Foto: ciu

Wenn einer ein wenig anders ist ...

Junges Theater spielt „Simpel“

ciu - Im Windschatten seines Bruders zieht Simpel, der eigentlich Barnabé heißt, in die Studenten-WG irgendwo in Paris ein. Im Gepäck: der Kuschelhase und eine Kiste voller Plastikfiguren. Und obschon Simpel, wie sein Bruder Colbert sagt, mit dem IQ eines Dreijährigen unterwegs ist, hat er doch ein Gespür für das, was gut und richtig und was echt ist. Dass sein frisch liierter (werdender) Vater ihn am liebsten in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung untergebracht sähe (um seinen Frieden, seine Ruhe und kein schlechtes Gewissen zu haben), spürt Simpel genau – und verarbeitet seine Ängste um dieses Wissen im brabbelnden Spiel. Dass der junge Mann, 22 ist er, durchaus Interesse an der weiblichen Mitbewohnerin hat, ab und an den PC von Emmanuel himmelt und, von Monsieur HaseHase (seiner inneren Stimme, die ihm nicht immer Ratsames flüstert!) angestiftet, es an einem Tag auch mal mit Zigaretten versucht (und sich dann tüchtig übergibt …), macht das Leben mit Simpel für die anderen durchaus anstrengend. Doch als der WG-„Prinz“ via Jugendamt ins Heim befördert wird, merken Aria, Enzo und Co., wie sehr er ihr Sein bereichert hat. Als der „große Junge“ dann auch noch verloren geht, spitzt sich die Lage zu …

Regie führt Lars Dettmer

Was die französische Autorin Marie-Aude Murail in ihrem Roman „Simpel“ erzählt, hat das Junge Theater Siegen unter der Regie von Lars Dettmer (auch für die Technik zuständig) nun auf die Bühne gebracht. Am Freitagmorgen spielte das Ensemble gleich zwei Mal im ausverkauften Schauplatz des Kulturhauses Lÿz vor Teenagern aus Schulen der Region. Die ließen sich spürbar mit hineinnehmen in diese Geschichte über einen, der ein wenig anders ist, kommentierten die kleinen Liebeleien zuweilen mit einem „Oh“ oder auch einem „Oh nein!“, freuten sich am atmosphärischen Soundtrack und waren am Ende allesamt verschossen in diesen tapsigen und überhaupt nicht simplen Barnabé (klasse: Ibrahim El-Chartouni).

Verzicht auf technischen Schnickschnack

Die Inszenierung des Jungen Theaters Siegen konzentrierte sich auf das konturierte Zeichnen der Protagonisten und verzichtete im Gegenzug auf technischen Schnickschnack aller Art. Zwei Sofas, eine Küchentheke, eine Tür, ein Bett – mehr brauchte es nicht. Zwischen diesen Polen konnten sich die Darstellerinnen und Darsteller entfalten, hatten genügend Raum, gewissermaßen ungeschminkt und pur von Simpel zu erzählen.

Weitere Vorstellung am Mittwoch

Einige Szenen des Stücks gingen besonders unter die Haut. Zum Beispiel jene, in der Simpel allein durch die weite Welt (die Publikumsreihen) zieht und auf der Suche nach dem Bruder (Hannes Wagener) im Rotlicht zur Fundsache wird, oder jener Moment, in dem Aria (Lisa Christin Gotthardt) beim Lesen des Roman-Entwurfs von Enzo (Kirill Luzin) erkennt, dass sie seine ganz große Liebe ist. In jedem Fall rührt dieser Theaterbesuch an – dank eines klugen Stoffs, dank einer jugendlich-engagierten Umsetzung. Wer „Simpel“ ansehen möchte: Am Mittwoch, 15. Februar, 19.30 Uhr, gibt es eine Abendvorstellung im Lÿz. Es sind noch einige Plätze frei. Weitere Termine sind angedacht.

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