Lokales
16.07.2017 18:26
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 Wenn unten zu wenig Platz ist, muss die sperrige Ladung eben in der Luft gedreht werden: Die drei Flügel des Windrads der Wäller Energiegenossen wurden gestern von zwei Kranen um die Kreuzung in Kirburg gehievt. Fotos: damo

Wenn unten zu wenig Platz ist, muss die sperrige Ladung eben in der Luft gedreht werden: Die drei Flügel des Windrads der Wäller Energiegenossen wurden gestern von zwei Kranen um die Kreuzung in Kirburg gehievt. Fotos: damo

Rotorblätter wurden an den Haken genommen

Leistungsschau der Logistiker

damo - Von Siershahn bis Oberdreisbach sind es keine 40 Kilometer – es sei denn, man fährt über Limburg und Rennerod: Diese Route ist gut doppelt so lang. Trotzdem hat der Schwertransport, der in der Nacht zum Sonntag die Hallen der Firma Schütz verlassen hat, genau diesen Weg genommen. Der Grund dafür ist 55 Meter lang: Die Lastwagen haben die drei Flügel des Windrads der Wäller Energiegenossen nach Oberdreisbach gekarrt.

Die Länge der Ladung stellte die Planer des Transports vor gewaltige Herausforderungen, Stichwort Kurvenradius. Schnell zeigte sich, dass der neuralgische Punkt die Ortsmitte von Kirburg sein würde: Die Kreuzung, an der die Langenbacher Straße von der B 414 abzweigt, blieb für die Lastwagen schlicht unpassierbar.  

Und so erlebten die Kirburger am Wochenende einen eindrucksvollen Auftritt der Logistiker. Bereits am Samstagabend wurde ein 220-Tonnen-Kran auf dem Kirchen-Parkplatz aufgestellt. Nachts kamen dann vier Schwertransporter – und mit ihnen eine Vollsperrung der Ortsdurchfahrt. In den frühen Morgenstunden wurde der zweite, noch mächtigere Kran im Kreuzungsbereich aufgebaut. Dann war eine Stunde Pause: Gottesdienst.

Anschließend ging der Aufbau weiter: Diesmal waren es die Kirburger selbst, die ihre Campingstühle entlang der Ortsdurchfahrt in optimale Positionen brachten. Schnell noch ein paar kühle Getränke geholt – das Spektakel konnte beginnen.

Jeweils einer der drei beladenen Lastwagen rollte mit dem 20 Tonnen schweren Rotorblatt an die Kreuzung heran. Dann begann die Arbeit der Kranführer: Sie packten das sperrige Glas-Expoxydharz-Teil an beiden Enden und hoben es auf ein Level oberhalb der Hausdächer an, schließlich spielen dort oben Kurvenradien keine Rolle mehr. Dann wurde der Flügel um etwa 90 Grad gedreht und auf der Auflagefläche des bereitstehenden Lastwagens abgeladen. Dieses Spiel wiederholte sich noch zwei Mal, und am frühen Nachmittag war die Show vorüber.

Dann war auch der Feuerwehreinsatz erledigt: 50 Männer aus den Löschzügen Kirburg, Langenbach und Norken regelten den Verkehr und sorgten dafür, dass die Zaungäste den nötigen Sicherheitsabstand einhielten.

Unter den Zuschauern traf die SZ auch Markus Mann, den Vorstandsvorsitzenden der Energiegenossenschaft. Er war zufrieden, dass alles zügig und reibungslos ablief. Sichtlich erfreut war er zudem darüber, dass auch gestern keinerlei Störgeräusche laut wurden: Das Oberdreisbacher Repowering ist das einzige Windkraftprojekt weit und breit, gegen das sich keine Bürgerinitiative gebildet hat. „Das liegt sicher daran, dass wir von Anfang an die Menschen mitgenommen haben“, meinte Mann. Auch die 320 Energiegenossen seien gute Multiplikatoren. Noch im August soll das Windrad fertig sein.

 Viele Kirburger ließen sich die Leistungsschau der Logistiker nicht entgehen. Dachfenster waren begehrt, und einige Anlieger hatten ihre Campingstühle mitgebracht.

Viele Kirburger ließen sich die Leistungsschau der Logistiker nicht entgehen. Dachfenster waren begehrt, und einige Anlieger hatten ihre Campingstühle mitgebracht.

 Die Ortsmitte von Kirburg ist schlicht nicht für Lastwagen mit einer 55 Meter langen Ladung ausgelegt.

Die Ortsmitte von Kirburg ist schlicht nicht für Lastwagen mit einer 55 Meter langen Ladung ausgelegt.

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