Kultur
12.10.2017 18:50
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 Den Stier bei den Hörnern gepackt: Jörn Heller hat endlich die digitale Schublade aufgeräumt und eine CD mit 24 eigenen, komplett selbst eingespielten Titeln herausgebracht. Er verschenkt sie gerne – gegen eine Spende für Rupert Neudecks Grünhelme. Foto: zel

Den Stier bei den Hörnern gepackt: Jörn Heller hat endlich die digitale Schublade aufgeräumt und eine CD mit 24 eigenen, komplett selbst eingespielten Titeln herausgebracht. Er verschenkt sie gerne – gegen eine Spende für Rupert Neudecks Grünhelme. Foto: zel

24 Titel selbst geschrieben und eingespielt

„Musik ist Glückssache“

zel - Schon der kleine Jörn war sein eigener Posaunenchor. Mit zehn, elf Jahren hat er mit dem Flügelhorn vom Urgroßvater und einem Mehrspurrekorder experimentiert, erst die erste Stimme aufgenommen, das ab- und dazu die zweite Stimme gespielt und das auf einem anderen Rekorder aufgenommen – und so weiter. Schon damals war er fast ein Toningenieur, und daran hat sich eigentlich nichts geändert. Ein paar mehr Instrumente sind dazugekommen, die Technik hat sich ein wenig verbessert (der aktuelle Acht-Spur-Rekorder nimmt digital über Mikro auf). Jetzt war es Zeit, die digitale Schublade aufzuräumen und mit dem Jörn-Heller-Orchester an die Öffentlichkeit zu gehen: „Lustiger Dilettantenstadl“ heißt die CD und im Untertitel „Musik ist Glückssache!“. 24 selbst geschriebene Titel hat er dafür ausgewählt, 23 sind instrumental, alles ganz easy, von Bossa bis Samba, von Fox bis Blues, von Walzer über Italo-Schlager bis zum guten, alten Choral. Der Buchhändler und Lyriker macht sich und seinen potentiellen „Kunden“ nichts vor: Das Werk ist keinesfalls für den Genuss auf einer High-End-Musikanlage in Verbindung mit schwerem Rotwein zu goutieren, sondern eignet sich laut eigener Aussage gut zum Putzen oder um irgendetwas anderes beim Hören zu tun. Weil er sich hier und da verhaut, weil es „wackelt und klappert“, sagt er, könne er die CD nicht verkaufen. Er verschenkt sie gegen eine Spende für den guten Zweck.

Augen zu und für die Grünhelme spenden

Wer „die Augen zudrückt“ und freiwillig Geld gibt, spendet damit an die Grünhelme von Rupert Neudeck, den Buchhändler Heller vor rund zwei Jahren zu einer Lesung nach Siegen eingeladen hatte. Der so nette und positive Gründer der Organisation Cap Anamur hat ihn nachhaltig beeindruckt. Deutsche „Christen und Muslime (und andere Menschen guten Willens) bauen gemeinsam auf, was andere widerrechtlich zerschlagen haben“, heißt es auf der Homepage der Grünhelme, die sich um „Häuser und Dörfer, Schulen und Straßen, Hospitäler und Ambulanzen, Baumschulen und Gotteshäuser“ in Krisengebieten kümmern (www.gruenhelme.de). Obwohl Hellers „Dilettantenstadl“ erst ganz kurz auf dem „Markt“ ist, konnte er schon 250 Euro an die Hilfsorganisation des 2016 verstorbenen Neudeck überweisen – und es soll natürlich noch mehr werden.

Die Concertina ist fast immer dabei - aber auch ein Schüttel-Ei

Bei den meisten Stücken spielt er auf der Concertina, einem kleinen Akkordeon, die Melodie über das elektrische Klavier, das er zuerst aufgenommen hat. Über Kopfhörer gibt ein Metronom den Takt vor – stilistisches Verzögern ist nicht, sonst würde das mit den verschiedenen Spuren nicht hinhauen. Dann gesellen sich nach Bedarf Western- oder Jazzgitarre (aua, dicke Saiten!!!), ein Reis-Ei zum Schütteln, Spinett und Snare Drum dazu. Als die noch nicht im Haus war, benutzte er das „Hosenbein-Schlagzeug“ und nahm Klapse aufs Bein per Mikro auf. Was eine „Spitzlippen-Pfeife“ ist, kann man sich denken: Heller pfeift selbst. Das Œuvre lässt an den „Happy Sound“ von James Last denken, an die Titelmelodien von 80er-Jahre-Familienserien wie „Ich heirate eine Familie“ oder „Die Wicherts von nebenan“ oder an den Jazz-Schlager der Nachkriegszeit, wie ihn Götz Alsmann oder Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys spielen. Aber bitte: keine falschen Erwartungen! Es ist lediglich Jörn Heller, der seine „leicht verdaulichen“ Stücke nicht in der Schublade verkommen lassen will! Tontechniker Robert Frie hat nur ein bisschen was daran gemacht, Höhen und Tiefen reguliert, ein bisschen Hall eingebracht, am Ende Stücke ausfaden lassen. Spielfehler sind selbstverständlich dringeblieben.

Die „Ostfriesenhymne“ singt Heller selbst - vierstimmig

Einen Ausreißer aus dem Instrumental-Material liefert der 50-Jährige auf seiner CD mit der „Ostfriesenhymne“ ab: Hier singt er vierstimmig! Den ironischen Text hat er sich vom Heine-Zeitgenossen Enno Hektor geliehen, der das „Ostfriesenlied“ vermutlich als Parodie auf das „Lied der Deutschen“ geschrieben hat. Hellers „Ostfriesenhymne“ gehört zu einem „Liederzyklus, den keiner haben wollte“ – allein: Die Kantorei Siegen hat schon zwei Stücke daraus aufgeführt. Das Cover der bemerkenswert heiteren Benefiz-CD ziert eine Zeichnung vom kleinen Jörn, die ein Freund ihm zum Fünfzigsten geschenkt hat. Der große Jörn „verschenkt“ seinen „Dilettantenstadl“ in der Alpha-Buchhandlung in Siegen und ist im Internet unter www.joernheller.com erreichbar. Ist nicht jeder Freitag ein guter Tag für einen gepflegten „Friday Fox“?

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