Kultur
16.03.2017 14:14
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 Dramatisches Ende einer Paar-Beziehung: Gretchen (Jana Klingelhöfer) und Faust (Raphael Radu) in der Kerkerszene. Die junge Frau fleht um Erlösung, der Doktor kann sie nicht halten. Ein starker Moment in einer gut gestrafften „Faust“-Inszenierung. Heute und morgen noch einmal am Gymnasium Wilnsdorf zu sehen. Foto: Schule/Lisa Betney

Dramatisches Ende einer Paar-Beziehung: Gretchen (Jana Klingelhöfer) und Faust (Raphael Radu) in der Kerkerszene. Die junge Frau fleht um Erlösung, der Doktor kann sie nicht halten. Ein starker Moment in einer gut gestrafften „Faust“-Inszenierung. Heute und morgen noch einmal am Gymnasium Wilnsdorf zu sehen. Foto: Schule/Lisa Betney

Literaturkurs 11 und Theater-AG überzeugen

So rockt Goethes „Faust“

ciu - Fieberhaft, rastlos, hin- und hergeworfen zwischen Erkennen und Verzagen. Es treibt ihn einfach um, den Dr. Faust. Was er in lichtem Moment notiert, ist im nächsten Augenblick dahin. Seine Formeln gehen nicht auf, seine Fragen finden keine Antwort – auch nicht in all den Büchern, die er zurate zieht. Faust ist an einer Grenze angekommen, doch die reißt er ein. Nun soll die Magie es richten, ihm helfen, das aufzuspüren, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und da kommt ihm der Teufel gerade recht. Der gute Heinrich schließt einen blutigen Pakt mit dem Geist, der stets verneint. Mephisto ist im Spiel – und wer in diesem Herr, wer Lakai ist, zeigt sich bald. Denn wohl darf’s der Faust beim Gretchen wagen, doch währt das holde Glück nicht lang. Das fromme Mädchen wird zur Muttermörderin, ertränkt ihr Kind, endet im Kerker, im Tod. Und Faust? Bleibt dem Unheil verhaftet.

Der Wunsch des Menschen nach Mehr

Der Tragödie ersten Teil, „Faust 1“, von Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), haben der Literaturkurs der Jahrgangsstufe 11 und die Theater-AG des Gymnasiums Wilnsdorf auf die Bühne gebracht. In einer Inszenierung, die den Text und damit auch das Figuren-Tableau so gestrafft hat, dass das zentrale Thema der Geschichte mehr als deutlich wird: Es geht um den schon seit paradiesischen Zeiten geäußerten, unbändigen Wunsch des Menschen, mehr zu wissen, zu können, zu erreichen, womöglich ewig zu leben, Gott-gleich zu sein. Es ist ein schneller „Faust“, aber keine Light-Fassung. Hier rockt Goethe – und das ist gut so, denn es gilt mit den insgesamt vier Aufführungen auch, dem diesjährigen Abitur-Jahrgang diesen Stoff (der über 200 Jahre danach im Prüfungskanon steht) nahe zu bringen und begreiflich zu machen. Und nicht nur ihnen. Er habe das Gefühl, „Faust“ zum ersten Mal so richtig verstanden zu haben, sagte „Gywi“-Direx Sören Leopold in seiner Dankesrede nach der knapp zweistündigen Vorstellung. Er sei „total gerührt“.

Regie-Team sah sich anderes „Faust“-Inszenierungen an

Dass das Unternehmen „Faust“ derart gut gelungen sei, so der Schulleiter weiter, habe auch am Regie-Team gelegen und namentlich an den Lehrerinnen Manuela Poggel-Weber und Julia Lühr und Lehrer Jörg Müller. Diese drei hatten sich im Vorfeld intensiv mit Inhalt und Umsetzung beschäftigt, reisten quer durch Deutschland, um „Faust“ an renommierten Häusern zu sehen und fanden schließlich ihren eigenen Weg, das Stück zu zeigen: auf grünem Grund, auf schräger Ebene (die Gefahr, des Fallens, des Scheiterns lauert überall, von unten geht es aber immer wieder auch empor – zuletzt fürs vom Himmel gerettete Gretchen!), mit einem, naturgemäß, jungen, aber hoch engagierten Ensemble, das sich hineinwarf in dieses Trauerspiel um chancenloses Glück und selbst (?) verschuldetes Leid.

Mephisto: ein Winner-Typ in Siegerpose

Während der Premiere am Mittwoch sah das Publikum in der gut besuchten Aula einen Heinrich Faust, der in der Darstellung von Raphael Radu (alternativ: Tom Hinkel) immer ein bisschen irritiert wirkt, kaum ergründen könnend, was ihm eigentlich passiert. Davon grenzt sich der über allen Dingen stehende Mephisto (Julian Paul hielt das Spannungsreiche dieser Figur aus und durch, klasse!) natürlich krass ab – ein Winner-Typ in Siegerpose. Die Dritte im Spiel: Gretchen, die, das machte ihr Camouflage-Outfit deutlich, keineswegs kreuzbrav und eindimensional gezeichnet wird, sondern als eine junge Frau, die gleichfalls mehr vom Leben möchte – allerdings im Rahmen ihrer Welt. Jana Klingelhöfer (alternativ: Denise Lixfeld) beeindruckte, auch und gerade in den hochemotionalen Szenen am Ende.

Musik von Nick Cave und Kylie Minogue als Soundtrack

Maya Müller spielt die Kupplerin Marthe, Elisabeth tritt als eine Art doppeltes Lottchen auf (am Mittwoch: Jana Jung und Annabelle Krause; sonst auch Nina Sting), die Hexe (Julia Blaschke/Jana Plaum) kreuzt mit zwei zuckersüßen Kätzchen auf und Valentin (Laurenz Frank/Timo Spornhauer) in einer Soldatenuniform aus Goethes Zeiten. Inszenatorische Highlights (und hier gilt das Lob auch dem starken Team hinter den Kulissen) sind das an einen Pas de Deux erinnernde Schäferstündchen im Garten, der Hexentanz in der Walpurgisnacht (mit Leuchtstäben), der überzeugende Schwertkampf zwischen Faust und Valentin und die Musik – so war „Where The Wild Roses Grow“ von Nick Cave und Kylie Minogue ein prima Soundtrack für die „Love Story“ von Gretchen und Faust. - Wer „Faust 1“ gerne endlich mal wieder möchte sehen, dem seien die weiteren Aufführungen (Freitag und Samstag, jeweils 20 Uhr) wärmstens empfohlen.

 Keine Lichtgestalt: Mephisto (Julian Paul). Foto: ciu

Keine Lichtgestalt: Mephisto (Julian Paul). Foto: ciu

Valentin (Laurenz Frank) stirbt in Gretchens (Jana Klingelhöfer) Armen. Marthe (Maya Müller) schaut zu. Foto: ciu
Valentin (Laurenz Frank) stirbt in Gretchens (Jana Klingelhöfer) Armen. Marthe (Maya Müller) schaut zu. Foto: ciu
Zwei, die miteinander können: Mephisto (Julian Paul) und die Hexe (Julia Blaschke). Im Hintergrund: die zuckersüßen Kätzchen. Foto: ciu
Zwei, die miteinander können: Mephisto (Julian Paul) und die Hexe (Julia Blaschke). Im Hintergrund: die zuckersüßen Kätzchen. Foto: ciu
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