Kultur
04.08.2017 12:20
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 Fototermin am Siegufer: Regionsschreiberin Lisa Kaufmann (27) ist in Südwestfalen unterwegs, beobachtet, lässt sich inspirieren, schreibt. Ob ihr der Besuch in Siegen einen Schreibanlass geboten hat? Auf „Stadt.Land.Text“ bloggen alle zehn NRW-Regionsschreiber, auch Kaufmann, die in Altena im Märkischen Kreis untergebracht ist. Foto: zel

Fototermin am Siegufer: Regionsschreiberin Lisa Kaufmann (27) ist in Südwestfalen unterwegs, beobachtet, lässt sich inspirieren, schreibt. Ob ihr der Besuch in Siegen einen Schreibanlass geboten hat? Auf „Stadt.Land.Text“ bloggen alle zehn NRW-Regionsschreiber, auch Kaufmann, die in Altena im Märkischen Kreis untergebracht ist. Foto: zel

20 Jahre regionale Kulturpolitik

Sorglos schreiben in Südwestfalen

zel - Es ist kein Schloss, in dem Lisa Kaufmann wohnt, sondern die „Auszeit-Wohnung“ für frisch Getrennte der Altenaer Baugesellschaft. Aber „Sanssouci“ trifft ihren aktuellen Status doch ganz gut. Sorgenfrei nämlich kann die Studentin und Autorin vier Monate leben und arbeiten, denn sie ist eine von zehn Regionsschreibern, die seit dem 1. Juli in ganz Nordrhein-Westfalen installiert sind. Sie leben kostenfrei in der jeweiligen Region, erhalten 1000 Euro Förderung im Monat. Dafür gehen sie – nach Art der mittelalterlichen Stadtschreiber – auf Erkundungstour, schauen nach, fragen nach und bloggen auf „Stadt-Land-Text.de“. Lisa Kaufmann ist die Regionsschreiberin für die Kulturregion Südwestfalen.

Von der Suche nach Gott: Erstes Buch erschien 2016

Die Stipendien sind anlässlich des runden Geburtstags „20 Jahre regionale Kulturpolitik“ ausgelobt worden. Lisa Kaufmann hat sich mit einer Kurzgeschichte beworben – und ihr erstes Stipendium erhalten. Knapp 200 Bewerbungen hat eine Jury gesichtet. Lisa Kaufmann wurde 1990 in Leipzig geboren, sieht sich selbst aber als „Ruhrgebietskind“, weil sie die meiste Zeit ihres Lebens in Essen gewohnt hat und noch wohnt. Sie studiert in Dortmund Angewandte Kultur- und Literaturwissenschaften – schon etwas länger, weil sie arbeitet (als „Messemädchen, Verkäuferin, Kellnerin“), aber natürlich auch, weil sie schreibt. Im vergangenen Jahr ist ihr erstes Buch erschienen: „Warum ich für Gott backe und was mein Hund mit Hoffnung zu tun hat. Meine Suche nach Gott“ (edition chrismon). Ihr Interesse für Religion begründet sie mit dem Satz „…weil ich gerne gläubig wäre“. Also will sie erforschen, „wie Religiosität funktioniert, Rituale, Tugenden, Taten“.

Vom „Spirituellen Sommer“ abends nach Hause? Nicht immer leicht!

Für ihren Tag in Siegen hat sich Lisa Kaufmann den Besuch der Nikolai- und der Martinikirche vorgenommen – und dann hat sie noch von der Christuskirche gelesen, „ein brutalistischer Bau“, der sie auch interessiert. In Olpe will sie sich mit einer Nonne treffen (und natürlich die Südwestfalen-Agentur besuchen), sie war schon bei der Hexenstele auf dem Galgenberg in Balve und interessiert sich für den „Spirituellen Sommer“. Aber hier gibt es schon ein kulturregionales Problem: Lisa Kaufmann hat keinen Führerschein und demnach auch kein Auto, und wenn sie abends von einer Veranstaltung in Attendorn oder Plettenberg wieder nach Hause nach Altena will, geht das nicht mit Bus und Bahn. Ihre Region Südwestfalen ist groß, sie fährt Zug, obwohl sie eigentlich lieber laufen würde. So hatte sie sich das eigentlich vorgestellt als „passionierte Fußgängerin“, wie sie das Servicebüro der Kulturregion mit Sitz in Altena in seinem Newsletter vorgestellt hat. Ob sie es zur „Seelenabschussrampe“ der Christuskirche in Weidenau geschafft hat?

Nicht alles muss 1:1 dokumentiert werden

Vielleicht wird man darüber nichts im Blog „Stadt.Land.Text“ lesen, denn Kaufmann sagt: „Ich habe nicht den Anspruch, alles was ich sehe und erlebe, 1:1 zu dokumentieren.“ Unterwegs macht sie Notizen und Fotos, sie schreibt in ihrer „Auszeit-Wohnung“ frühmorgens und spätabends, am liebsten Kurzgeschichten, „die sind oft viel düsterer, als ich es bin“. Sie schreibt „von Sorgen oder Dingen, die ich geraderücken möchte“, sagt die 27-Jährige, da kann eine in Südwestfalen gemachte Alltagsbeobachtung ein Impuls, ein Schreibanlass sein. Schöne Fachwerkhäuser, sonstige Sehenswürdigkeiten und die herrliche Natur müssen nicht im Text vorkommen. Kaufmann pocht auf ihre künstlerische Freiheit, wenn es um ihr  Selbstverständnis als Regionsschreiberin geht: „Ich bin keine Tourismusbeauftragte und keine Werbetexterin.“ (Auch wenn sie gerade ein halbes Jahr in einer Düsseldorfer Werbeagentur Praktikum gemacht hat und sich eine berufliche Zukunft in der Branche vorstellen kann – auch darüber wird in der „Auszeit-Wohnung“ nachgedacht.) Sanfte Töne sind nicht unbedingt zu erwarten, entstanden ist nach einem Hagen-Aufenthalt und der Beobachtung eines Jungen mit Hund, beide ein bisschen verwahrlost, vielmehr eine Kurzgeschichte, die mit dem bösen S-Wort beginnt …

Zehn Regionsschreiber bilden ein Netzwerk in Stadt und Land

Lisa Kaufmann und ihre neun Kollegen in den anderen Kulturregionen haben eine Whatsapp-Gruppe, besuchen sich gegenseitig und knüpfen ein Netzwerk. Am 18. Oktober findet eine Abschlusslesung aller statt. Für Kaufmann interessant: Wie geht es dem Kollegen/der Kollegin in der Großstadt bzw. in anderen ländlichen Regionen? Für ihre Region Südwestfalen, die dem Ruhrgebietsgewächs vorher gar nichts sagte, konstatiert sie nach einem Monat im „Amt“: Es gibt Märker, Siegerländer, Sauerländer … mit einer je eigenen Identität; nach einer (kulturellen) Identität der Südwestfalen wird noch geforscht – im Zug, zu Fuß, allein oder im Gespräch, gezielt und nach dem Zufallsprinzip, dankbar und fürs Erste sorgenfrei.

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