Kultur
08.01.2017 15:25
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 Publikumsnahes Energiebündel mit Sabbel-Schnute: Ina Müller hat am Samstagabend in der ausverkauften Siegerlandhalle ihre „Juhu-Tour“ eröffnet – präsentiert von der Siegener Zeitung. Foto: René Traut

Publikumsnahes Energiebündel mit Sabbel-Schnute: Ina Müller hat am Samstagabend in der ausverkauften Siegerlandhalle ihre „Juhu-Tour“ eröffnet – präsentiert von der Siegener Zeitung. Foto: René Traut

Ina Müller eröffnete Tournee in Siegen

Trapez oder Ohrensessel?

ba - „Die Frau hat mich voll geflasht!“ Wenn ein Zuschauer Mitte zwanzig über eine Künstlerin Anfang fünfzig ein solches Statement abgibt, dann muss es sich um eine ganz besondere Frau handeln. Eine Frau mit Charisma, mit Witz und Humor. Eine Frau, die immer noch blendend aussieht und deren unverblümter Charme einen umschlingt wie die Arme eines Oktopus. Wenn diese Frau zudem noch gut singen kann und das Publikum in der ausverkauften Siegerlandhalle am Samstagabend zum Auftakt ihrer „Juhu-Tour“ mit einem bestgelaunten „Moin, Siegen!“ begrüßt, dann ist klar, wer gemeint sein muss. Ina Müller natürlich, die nach einer selbstverordneten Tourpause endlich wieder zurück auf der Bühne ist, um gemeinsam mit ihrer Band und ihren Backgroundsängerinnen Ulla Ihm und Sarajane McMinn die draußen vorherrschende Eiszeit abzutauen und in feuriges Entertainment umzuwandeln.

Ina Müller hat einen offensichtlichen Reifungsprozess durchlebt

Denn die Müllerin hat nichts verlernt. Weder ist ihre lockere, norddeutsche Sabbel-Schnute eingerostet noch hat ihre musikalische Kreativität gelitten. „Ich bin die“ heißt ihr neues Album, auf dem ihre Songs eine Spur nachdenklicher und tiefgründiger wirken als zuvor, auf dem sie ihre Außenwelt präzise beobachtet, aber auch auf ihre innere Stimme lauscht. Doch dieser offensichtliche Reifungsprozess besagt keineswegs, dass Ina Müller sich entspannt zurücklehnt. Vielmehr möchte sie – neben ihren neuen Songs – auch ihr kompetentes Wissen über „den Mann – die Sackgasse“ unter die Leute bringen, scheint es doch nur noch einen evolutionären Wimpernschlag zu dauern, bis der Mann ausstirbt. „Das finde ich wirklich schade. In 125 000 Jahren seid ihr weg, Jungs“, konstatiert sie und weist darauf hin, dass Männer bereits „fehlerhaft in Serie“ gegangen seien. Allerdings scheut sich das parlierende Energiebündel auch nicht, die eigene Perfektion infrage zu stellen. Schuld daran ist u. a. Frau Brömmelmann, Stilberaterin mit Hang zur Ehrlichkeit, die nicht nur unter dem angepeilten Helene-Fischer-Pailletten-Outfit dringend „Quetschwäsche“ empfiehlt, sondern dadurch auch die vorhandenen Fettzellen auf unvorhergesehene Wanderschaft schickt mit dem Resultat, dass Ina Müller sich letztendlich für den locker sitzenden Edel-Jogginganzug mit Glitzersteinen entschieden hat. Eine gute Wahl, ebenso wie die Stilettos, für die eigentlich ein Waffenschein erforderlich sein müsste.

Der weiße Schimmel-Flügel verbirgt sonderbare Dinge

Wer Ina Müllers Album „48“ kennt, weiß allerdings längst, welchen Stellenwert Schuhe für sie haben, denn – „Schuhe enttäuschen dich nie“! Die Wechseljahre bezeichnet sie radikal als „Generalprobe für den Tod“, sieht sich am Scheideweg zwischen dem Trapez, das schwungvoll durch die Lüfte fliegt, und dem bequemen Ohrensessel. Der Song „Wenn du jetzt aufstehst“ legt anfangs tendenziell wohl den Ohrensessel nahe. Doch noch ist es nicht so weit, noch müssen die beigen Schuhe warten, ersetzen mitleidige nicht die begehrlichen Blicke. So wählt der platinblonde Wirbelwind als Alternative die Schaukel, auf der Ina Müller in „Wie du wohl wärst“ dem Gedanken nachhängt, wie ein Kind ihr Leben beeinflusst hätte. Gedanken, die Kindheitserinnerungen wecken an das Leben der „Fünf Schwestern“ aus dem Hause Müller, begleitet von einer ohrenwackelnden Kuh auf der großen Hintergrundleinwand. Dörflich, idyllisch – schön! Noch schöner ist allerdings der Schimmel-Flügel, der diesmal nicht mehr schwarz ist, sondern in klinischem Weiß erstrahlt und sonderbare Dinge verbirgt, war er doch vermeintlich mit David Garrett auf Tour. Ina Müller freut sich besonders über die große, schwarze Peitsche, die sie augenzwinkernd neben einem Hundehalsband und einem Haarbüschel zutage fördert und künftig einsetzen will, wenn sie etwas nervt. Beispielsweise, dass Männer auch älter werden und dann nicht mehr – wie mit 25 – bereit sind, nachts Insekten zu jagen, sondern liegen bleiben und einfach Autan versprühen. Da ist er wieder, der ganz spezielle Ina-Müller-Humor, den sie auch beim verbalen Geplänkel mit einem Zuschauer einsetzt, der allerdings mitnichten schamhaft errötet, sondern gelassen kontert und beim „Klammerblues“ mit der keineswegs publikumsscheuen Sängerin zeigt, was er darunter versteht.

„Ich bin die“, die für zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung sorgt

Nach dem „Invalidenquartett“ ist dann auch der letzte Zuschauer auf den Beinen. Und auch wenn die Hebebühne ächzt, Ina Müller „Das war’s“ und „Ich will nach Hause“ singt, haben alle mächtig Spaß. „Ich bin die“ tut sie zum Abschluss des von der Siegener Zeitung präsentierten Konzertabends kund. Ja, sie ist die, die für zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung gesorgt hat, so dass sogar junge Männer sagen: „Die Frau hat mich voll geflasht!“

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