Lokales
25.02.2016 14:18
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 Gemüse ist mein Fleisch: Und auf den Grill kommen gern Tofu-Würchchen. An das vorgeschlagene Konzept eines Veggie-Fests anstatt des Schlachtfests glaubt in Rosenheim allerdings niemand. Foto: SZ-Archiv

Gemüse ist mein Fleisch: Und auf den Grill kommen gern Tofu-Würchchen. An das vorgeschlagene Konzept eines Veggie-Fests anstatt des Schlachtfests glaubt in Rosenheim allerdings niemand. Foto: SZ-Archiv

Mit „Prämie“

Veggie-Fest statt Schlachtfest?

goeb - Mit der Einführung eines vegetarischen Donnerstags – einem „Veggie Day“ – haben einst die Bündnisgrünen kokettiert und bei großen Teilen der Bevölkerung damit wohl auf Granit gebissen. In Kochtöpfe und auf den Mittagstisch lassen sich die Deutschen bekanntlich nicht gern gucken. Und auch bevormunden lassen wollen sie sich nicht.

Für Reaktionen von ungläubigem Staunen bis schallendem Gelächter sorgte jetzt eine Nachfrage der Siegener Zeitung bei Vorstandsmitgliedern des MGV „Eintracht“ 1893 Rosenheim zum Charakter des bevorstehenden Schlachtfestes am  Samstag. Da hatte die Tierschutz-Organisation „PETA“ doch tatsächlich vorgeschlagen, man möge das Schlachtfest künftig in „Veggie-Fest“ umfirmieren und statt Schlachtplatte, Fleischbrühe, Wurst und Schinken doch vegane Produkte anbieten.

Große Mengen Fleisch

PETA schreibt wörtlich: „Gerade in ländlichen Gegenden Deutschlands haben die sogenannten Schlachtfeste eine lange Tradition. Heute sind die Zusammenkünfte häufig eine Verknüpfung verschiedener Hausschlachtungen oder lediglich Dorf- und Stadtfeste, bei denen große Mengen Fleisch verzehrt werden.

Spende: 500 vegane Würstchen

Im Sinne des Tierschutzes, der Nachhaltigkeit und einer gesunden rein pflanzlichen Ernährung kontaktierte PETA die Veranstalter des Schlachtfestes und schlug ein neues Konzept vor: Feiern die Bürgerinnen und Bürger aus Rosenheim künftig ein Veggie-Fest unter dem Motto ,Tiere achten statt schlachten’, spendiert die Tierrechtsorganisation 500 vegane Würstchen und unterstützt die Gemeinschaft außerdem mit zahlreichen tierfreundlichen veganen Rezeptvorschlägen.“

Peta nennt Schlachtfeste „völlig veraltet und nicht mit der heutigen aufgeklärten Gesellschaft zu vereinbaren“, wird die Ernährungswissenschaftlerin Felicitas Kitali in einer Pressemitteilung der Tierrechtler zitiert.

In Rosenheim war man Donnerstag allerdings sehr überrascht. Sämtliche Vorstandmitglieder wussten nichts von der Offerte. „Nichts gegen vegetarische Kost“, ließ sich Arnold Weber ein. Aber das wird hier unheimlich schwierig. Das kann ich Ihnen schon jetzt sagen“.

„Wie soll das gehen?“

„Wie soll das gehen?“, argwöhnte auch MGV-Vorsitzender Martin Becker, wie viele andere seit Tagen mit den Vorbereitungen für das Fest am Samstag beschäftigt. Auch Becker kann sich wie Weber nicht an eine Mitteilung von PETA oder an einen Brief oder einen Anruf erinnern. „Ich höre davon zum ersten Mal, allerdings bin ich auch ständig unterwegs wegen der Vorbereitungen.“

Auch Becker will den Tierschutz nicht unter den Tisch kehren, wie er sagt. „Das Schlachtfest ist eine sehr wichtige Einnahmequelle für uns. 500 Tofu-Würstchen sind, so leid es mir tut, keine brauchbare Alternative für uns.“

„Keine hundert Besucher“

„Wenn uns die Tierschutz-Organisation eine brauchbare Alternative bieten würde, wären wir die Letzten, die das nicht machen würden“, gab 2. Vorsitzender Peter Best zu Protokoll, den die SZ im Krankenhaus telefonisch erreichte. Vegan? Da kämen bestimmt keine hundert Besucher. Ich habe aus dem Stegreif kein anderes Konzept.“ Auch Best hört zum ersten Mal davon.

Er glaubt, dass die Gesellschaft einfach noch nicht so weit ist, besonders auf dem Land. Abgesehen davon, bräche dem Verein die Haupt-Einnahmequelle weg. „Uns spenden ja nur wenige was und wir leisten Chorgesang der Spitzenklasse.“ Das sei alles nicht nicht zum Nulltarif zu haben.

Tofu-Grillgut nicht geplant

Schlachtfest – das bedeutet für die Vereinsaktiven vollen Einsatz schon 14 Tage vor dem Ereignis. Von 11 Uhr bis abends ist im Bürgerhaus Rosenheim die Hölle los. Neben Fleischwaren werden auch selbstgebackenes Brot und vor allem sehr viel selbstgebackener Kuchen angeboten. Und natürlich darf der Gesang nicht fehlen. Ab 14 Uhr werden die Ohren der Besucher von Meisterchören verwöhnt. Tofu-Würstchen vom Holzkohlegrill sind erst einmal nicht vorgesehen. Andreas Goebel

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