Kultur
19.03.2017 12:56
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 Bob Mintzer und John Marshall demonstrierten, wie die anderen Musiker der WDR-Big-Band auch, im Lÿz ihre individuellen solistischen Fähigkeiten.Foto: hel

Bob Mintzer und John Marshall demonstrierten, wie die anderen Musiker der WDR-Big-Band auch, im Lÿz ihre individuellen solistischen Fähigkeiten.Foto: hel

WDR-Big-Band mit Bob Mintzer im Lÿz

„Very Personal“

hel - In der Veranstaltungsreihe des Jazzclubs Oase ist das alljährliche Konzert der WDR-Big-Band im Siegener Kulturhaus Lÿz das absolute Highlight. Unter der Leitung ihres neuen Chefdirigenten Bob Mintzer präsentierte sie ihr neues Programm „Very Personal“, bei dem, anders als in früheren Programmen, in denen Gastsolisten und -solistinnen im Fokus waren, diesmal das Orchester im Vordergrund stand. Bei der Umsetzung der speziell von Bob Mintzer für die WDR-Big-Band geschriebenen und arrangierten Kompositionen, stellte sich ein perfekt aufeinander abgestimmtes Ensemble vor, das sich auch durch individuelle solistische Fähigkeiten auszeichnete. Der Tenorsaxofonist Bob Mintzer, der gleichermaßen im Combo- und Big-Band-Kontext zu Hause ist, gastierte 1996 mit den Yellowjackets erstmals im Lÿz. Aus der Leichtfüßigkeit seines Fusion-Jazz von damals hat er einen Big-Band-Sound entwickelt, der alle Spielarten des modernen Jazz umfasst – Swing-Adaptionen, George Gershwins „I Got Rhythm“ oder „Herky Jerky“ inklusive.

Trompeter Martin Reuthner vertrat Wim Both würdig

Sich einfach in die Musik des Spielers, Leaders, Komponisten und Arrangeurs fallen zu lassen, wie Jazzclub-Oase-Vorsitzende Johanna Schirrmacher den Zuhörern im ausverkauften Schauplatz bei ihrer Begrüßung empfahl, war denn auch ein Leichtes. Bob Mintzer, der sich wie viele amerikanische Künstler, vom rasanten Wandel der Geschehnisse in seiner Heimat nicht unbeeindruckt zeigte, verlieh seinem musikalischen Programm eine Kraft und Stringenz, mit der sich die unkonventionelle Kreativität der 18 Big-Band-Musiker frei entfalten konnte, exemplarisch zu hören im der Komposition „Strange Times“. Die unterschiedlichen Temperamente und Profile der WDR-Big-Band wurden ergänzt vom Trompeter und Dirigenten der Uni-Big-Band Siegen, Martin Reuthner, der Wim Both würdig vertrat.

Funke sprang aufs Publikum über

In knapp einem Dutzend Song-Kapiteln entfaltete sich das Programm von „Very Personal“. Der Mix aus Old-School-Swing, Afro-kubanischen Rhythmen und exzentrisch-verrückten Klangentwürfen, wie im Stück „Wack“ oder in der Hommage an den intelligenten Pop von Steely Dan („Dan’s Electro“), glich einer Tour de Force durch die Geschichte das Jazz. Wehmütige Reminiszenzen blieben allerdings außen vor. Die WDR-Big-Band agierte einmal mehr im Hier und Heute, ließ auch im Lÿz den berühmten Funken auf das Publikum überspringen.

Gute Mischung aus Ensemble-Klang und Soli

Die einzigartige Symbiose aus einem mitreißenden Ensemble-Sound und großartig aufspielenden Solisten, wie den Saxofonisten Paul Heller, Jens Neufang und Karolina Strassmayer, den Trompetern Andy Haderer und Ruud Breuls, dem Gitarristen Paul Shigihara oder den Posaunisten Andy Hunter und Shannon Barnett, funktionierte einfach prächtig. Und im einzigen Quintett des Konzertes, in dem Tenorsaxofonist Bob Mintzer und Flügelhornspieler John Marshall mit brillanten Improvisationen glänzten, rhythmisch vorzüglich eingerahmt von Kontrabassist John Goldsby, dem großartig ausspielenden Drummer Hans Dekker und dem Pianisten Rainer Böhm. Für die Freunde der Big-Band-Musik war „Very Personal“ ein spannendes Hörerlebnis, das man gerne noch etwas länger als in der auf zwei Stunden bemessenen Zeit genossen hätte.

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