Lokales
01.09.2017 06:45
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 Die Geschichte der Familie Buchheim aus Schwarzenau erzählt Hartmut Prange.

Die Geschichte der Familie Buchheim aus Schwarzenau erzählt Hartmut Prange.

Neues Heft des Wittgensteiner Heimatvereins

Zwei Schätze für Schwarzenau

howe - Die Wunderthäuser Kirche ziert das Deckblatt der neuesten Ausgabe der Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins vom August 2017. In Kürze werden die Hefte unter den Mitgliedern verteilt. Die Siegener Zeitung wagt schon einmal einen Blick in die aktuellsten Erkenntnisse aus der Geschichte Wittgensteins. Und da fällt auf, dass das Titelbild mit dem Artikel von Andreas Wahl ein besonderes Gewicht besitzt. Denn obwohl der Autor selbst sagt, dass es sich bei den Kapellenrechnungen aus dem Kreiskirchenarchiv eigentlich nur um stichpunktartige Gegenüberstellungen der Ein- und Ausgaben handelt, fördern diese doch Spannendes zutage.

Wunderthäuser spendeten seinerzeit an Arme

Andreas Wahl gelingt es, ein großes Stück Wunderthäuser Kirchengeschichte zu dokumentieren. Der Leser erfährt von der Besoldung der Pfarrer, von Ausgaben für Glocke, Papier oder Bibel, für den Mantel des Pfarrers oder für das Brot und den Wein beim Abendmahl - um nur einige Beispiele zu nennen. Als wertvollen Schatz seiner Forschungen dürfte Andreas Wahl wohl das betrachten, was er über die Wunderthäuser vor einigen hundert Jahren herausgefunden hat. Almosen aus dem Säckel der Kapelle wurden „in alle Richtungen“ verteilt. Genannt werden Spenden an die „arme Frau unter der Brücke“ oder den „alten baufälligen Mann“ aus Diedenshausen, einem Juden Isaac wurde Geld für die Armen mitgegeben. Almosen wurden dort verteilt, wo das Elend durch Krieg, Brand und Pest sehr groß war, und zwar bis in den Dillenburger Raum, wie Andreas Wahl schildert. „Auch wurden Glaubensflüchtlinge (Exulanten) unterstützt, dazu zählten unter anderem einige Hugenotten aus Frankreich – genauso wie jene Flüchtlinge mit pietistischem Hintergrund.“ Als Neu-Forscher begrüßt der Wittgensteiner Heimatverein den Schwarzenauer Karl-Heinz Bender. Der liefert in der aktuellen Ausgabe des Wittgenstein-Hefts gleich eine tolle Auswanderergeschichte. Da es besonders spannend ist, zu erfahren, welche Wittgensteiner einst die Region verließen, um sich in der Neuen Welt ein neues Leben aufzubauen, kommt die Geschichte von Karl-Heinz Bender gerade richtig.

Karl Schneider wanderte nach Amerika aus

Der Autor erzählt vom erfolgreichen Leben des 1841 in Schwarzenau als einfacher Bäckerssohn geborenen Karl Schneider, der 1865 von Bremerhaven aus nach New York auswanderte. „Charles“ Schneider besuchte seine Heimat Schwarzenau dreimal. Er mauserte sich zum Geschäftsmann, zum wohlhabenden Farbrikanten und „Banker“. Durch „sinnreiche Neuerungen und bahnbrechende Maßnahmen in der Brotfabrikation konnte er sich an die Spitze sämtlicher Brotfabrikanten Amerikas setzen“, heißt es im Wittgensteiner Kreisblatt. In Spitzenzeiten schaffte die Fabrik von Charles Schneider 30 000 Laibe Brot täglich. Karl-Heinz-Bender setzt mit seinem Artikel einen heimatgeschichtlichen Akzent für Schwarzenau, der absolut in die Zeit passt. Vor kurzem erst lud der Heimatverein dazu ein, Anekdoten und Geschichten aus dem Dorf zu sammeln, um somit Geschichte erlebbar zu machen. Ähnliches gelingt Hartmut Prange, der mit seiner Familienforschung zu den Schwarzenauer Buchheims einen weiteren wichtigen Mosaikstein setzt. Der Autor erinnert an eine alteingesessene, jüdische Familie, die mit dem Tode von Emma Buchheim im April 1942 komplett ausgelöscht ist.

Das Leben eines Landkommissars

„Gesinde und Gesindel“ – so nennt Autor Ernst Imhof seinen Beitrag aus Niederlaasphe. Er widmet sich einem Thema, das aufgrund der Nähe zum Schloss und deren Herrschaften von Interesse ist und ebenfalls als Teil der Geschichte Wittgensteins betrachtet werden muss. Es geht um junge Niederlaaspher Mädchen, die sich als Hausmädchen verdingten. „Bei Adligen in Diensten zu sein, war schon etwas Besonderes“, schreibt Ernst Imhof. Zwischen 1890 und 1910 seien allein aus Niederlaasphe acht Frauen auf Schloss Wittgenstein beschäftigt gewesen. Autor Klaus Mengel ist derjenige, der die Geschichte der Mengels in Wittgenstein aufgearbeitet hat. Mit Johann Jacob Mengel haben wir einen Menschen kennengelernt, der ein ruheloses Leben führte, geprägt von Enttäuschungen und kurzzeitigen guten Tagen. Für seinen Artikel über den Landkommissar Johann Jacob Mengel wertete Klaus Mengel zahlreiche Dokumente aus dem Archiv aus. Dabei bringt er so manch interessante Begebenheit ans Tageslicht. Der Autor über Johann Jacob Mengel: „Er war ein Mensch mit immenser Tatkraft, der aber auch spontane, unüberlegte, folgenschwere Entscheidungen traf.“ Mit Zahlen und Daten befasst sich in einem weiteren Artikel des Wittgenstein-Hefts Autor Paul Riedesel. Der Auswanderer-Forscher aus den USA legt für seine Demografie des Oberen Elsofftals 1730 bis 1880 die Dorfbücher für Diedenshausen und Wunderthausen mit detaillierten Angaben zu den einzelnen Familien über mehrere Generationen zugrunde. „Hinter diesen Schätzen steht Klaus Homrighausen (Diedenshausen), der mit seinen Mitarbeitern einen ganzen Berg von Quellen untersucht, bewertet und dokumentiert hat“, beschreibt Riedesel. Diese Daten in eine Datei einzutragen, sei eine sehr aufwändige Arbeit, jedoch ein nötiger Zwischenschritt, um genaue statistische Schlussfolgerungen ziehen zu können. Tabellen und Diagramme geben Aufschluss über Geburten, Familiengrößen, Säuglingssterblichkeit oder Alter bei Heirat.

Schließlich lässt Autor Heinz Strickhausen die Leser an der Geschichte der Berleburger Rainchen teilhaben. Das ist insofern eine geschichtliche Bereicherung, als sich die aktuelle Berichterstattung eigentlich immer nur um winterliche Sperrungen oder vermeintliche städtische Aufgaben dreht.

 Die Charles Schneider Baking Company in Amerika: Sie wurde einst von dem Schwarzenauer Auswanderer Karl Schneider gegründet. Fotos: Wittgensteiner Heimatverein

Die Charles Schneider Baking Company in Amerika: Sie wurde einst von dem Schwarzenauer Auswanderer Karl Schneider gegründet. Fotos: Wittgensteiner Heimatverein

 Wie die Aufnahme von 1989 zeigt, existierte sogar eine „Rainchen-Treppe“.

Wie die Aufnahme von 1989 zeigt, existierte sogar eine „Rainchen-Treppe“.

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