Kultur
20.01.2016 15:54
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 Das tollMut-Theater (im Bild: Pierre Stoltenfeldt als Milliardär und Levia Murrenhoff als Ingenieur) zeigte die Zerissenheit des Menschen zwischen Natur und Fortschritt. Foto: mmü

Das tollMut-Theater (im Bild: Pierre Stoltenfeldt als Milliardär und Levia Murrenhoff als Ingenieur) zeigte die Zerissenheit des Menschen zwischen Natur und Fortschritt. Foto: mmü

Stück von Georg Kaiser schon die 16. Produktion

tollMut-Theater spielt „Gas“

mmü - „Sind wir nicht alle auf der Flucht vor uns selbst?! Flüchten wir uns nicht in den Fortschritt hinein?!“ Mit diesen Worten beginnt das Theaterwerk, das seit Montag im Vortex Surfer Musikclub aufgeführt wird: Georg Kaisers Stück „Gas“ ist die 16. Produktion des tollMut-Theaters, das sich seit 2011 aus Studierenden und Beschäftigten aus dem Raum Siegen zusammensetzt und halbjährlich starkes, kritisches und stets aktuelles Theater präsentiert. So auch in diesem Jahr, denn die anfangs gesetzten Worte bildeten gleichzeitig den Rahmen für das, was das Publikum während der zweistündigen Aufführung dann (hautnah) erleben konnte. Gezeigt wurde ein Horrorszenario des Vorstellbaren, ein Giftgasausbruch in einem Werk, das durch seine Gasproduktion zum allgemeinen Fortschritt der Welt beiträgt und dessen Explosion somit eine Kettenreaktion an Einbußen auslöst, die nie wiedergutzumachen sind.

„Was, wenn der Fortschritt gescheitert ist?“

Eine Katastrophe für den Menschen, der doch den Fortschritt so sehr liebt und braucht, den Menschen, der sich selbst in der Arbeit, die er liefert, vergisst. „Und was machen wir, wenn der Fortschritt nun gescheitert ist?“ Fliehen wir etwa wieder zurück in die Natur? Und wer ist überhaupt Schuld? Der Ingenieur (Levia Murrenhoff) hat korrekt gerechnet, die Formel stimmt, und der Milliardär (Pierre Stoltenfeldt) hat das passende Kleingeld geliefert?! David Penndorf, Gründer und Leiter des tollMut-Theaters, sieht in diesen Überlegungen das „Brandaktuelle“ des Stücks. „Es ist fast erschreckend, wie sich die Inhalte vom Anfang des 20. Jahrhunderts auf unsere heutige Zeit, zum Beispiel auf Atomkraft übertragen lassen.“ Er hat Recht, denn „es ist vielleicht nicht mehr das Gas von gestern, das uns bedroht“, aber Georg Kaiser ist noch immer nahe am Puls der Zeit: Der Fortschritt geht weiter, jeden Tag …

Vortex bietet die perfekte Kulisse für „Gas“

Starkes Theater war es, das da gespielt wurde. Wunderbar authentisch und ganz echt, ungeschönt und intensiv. Das Vortex bot durch seine Lage nahe dem Bahnhof in Weidenau und seine Atmosphäre die perfekte Kulisse für die Aufführung. Grelle Lichtreflexe und dröhnende Toneffekte untermalten zusätzlich, was auf der Bühne gezeigt wurde, unterstützen den Einblick in die Verzweiflung des Menschen, wenn ihm die Kontrolle entgleitet. Dabei ließ das Stück auch Fragen offen, und genau das machte seine Inszenierung so wunderbar gelungen. Denn manchmal gibt es vielleicht gar keine so einfache Antwort. Fast möchte man sich verlieren in den verzweifelten Gesichtern, die einem da auf der Bühne präsentiert werden, auch, um nicht nachdenken zu müssen über das eigens produzierte „Gas“. Gas, das den Fortschritt antreibt … Aber da hört man plötzlich wieder das Metronom auf der Bühne ticken, das zur stetigen Arbeit ruft. Unaufhörlich, stets und ständig, eintönig, monoton, aber ungeheuer eindringlich. Fortschrittlich eben! „Wenn wir uns doch nur selbst vergessen könnten, dann hätten wir auch mehr Achtung vor uns!“ - Weitere Aufführungen finden bis zum einschließlich 23. Januar 2016 jeweils ab 20 Uhr im Vortex Surfer Musikclub statt.

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