Vor Gericht geht es um die Wurst

Ein Bergneustädter fordert 5000 Euro Schadenersatz von einer Siegerländer Fleischerei. Symbolfoto: SZ

stö Er habe zwei, drei Mal auf der Fleischwurst gekaut und dann sei es passiert: ein lautes Krachen, ein starker Schmerz. Ein oberer Backenzahn sei so stark beschädigt worden, dass er später habe gezogen werden müssen. Der Bergneustädter Holger S. schilderte Richter Sebastian Vöckel am Donnerstag vor dem Siegener Amtsgericht, was sich am 8. Mai 2015 aus seiner Sicht zugetragen hatte.

Auch die Verlobte des Klägers, damals Lebensgefährtin, berichtete als Zeugin von dem Vorfall. Sie habe neben ihm gesessen, als er die Wurst aß und vernahm das laute „Knacken“ ebenfalls. Der Kläger habe alles auf einem Küchentuch ausgebreitet und die Essensreste sowie die gesamte Fleischwurst untersucht. „Kleine, weiße Steinchen“ nannte seine Verlobte die wenige Millimeter großen Stücke, die sich in der Wurst befunden haben sollen – Knochenstücke, vermuteten die beiden.

Noch am gleichen Tag legte Holger S. dem Filialleiter des Supermarktes, in dem er an der Frischetheke eingekauft hatte, die Fleischwurst vor. Dieser bestätigte schriftlich den Fund der „Knochenstücke“. Da damals nur Fleischwurst von einem Hersteller an der Theke verkauft wurde, ließ der Filialleiter die Wurstmasse an den Produzenten schicken: den Fleisch- und Wurstwarenhersteller aus dem Siegerland.

Der Kläger, der bei der Verhandlung ohne Rechtsbeistand erschien, verlangt von der Fleischerei einen Schadenersatz und ein Schmerzensgeld in einer Gesamthöhe von knapp 5000 Euro.

Dem Prokuristen der Fleischerei habe man ein Foto gezeigt. Auf diesem habe er ein ungefähr zwei Millimeter großes, weißes Stückchen erkennen können. Er äußerte sich skeptisch: „Mein Gedanke war, wie soll ein so kleines Stück so einen Schaden anrichten?“ Aber das solle ein Mediziner beurteilen. Kurz erklärte der Prokurist, dass es eine Maschine in der Produktion gebe, die wirklich alles zerkleinere. Es sei völlig rätselhaft, wie es dazu hätte kommen können.

Man könne das klären, wenn Schäden entstehen würden, habe der besagte Prokurist dem Kläger erzählt. Zu einer verbindlichen Zusage bezüglich einer Schadensregulierung habe er allerdings nicht die Kompetenzen, erklärte er vor Gericht.

Ein Urteil wurde noch nicht gesprochen. Stefan Znamenak, Anwalt der Beklagten forderte, zuvor den behandelnden Zahnarzt des Klägers als Zeugen zu hören. Dann sollen alle Fragen rund um die angeblichen Folgen des Bisses auf die Wurst mit Stückchen geklärt werden.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen