Rettung der Weltmeere beginnt hier

 Julia Shirley (r.) und Tim Shirley gehören zu einer Gruppe Siegener, die einen „Unverpackt“-Laden in der Oberstadt eröffnen wollen. Am Stand des Eine-Welt-Ladens (Nora Klemm, l.) werben sie für ihre Ziele. Foto: fegu
  • Julia Shirley (r.) und Tim Shirley gehören zu einer Gruppe Siegener, die einen „Unverpackt“-Laden in der Oberstadt eröffnen wollen. Am Stand des Eine-Welt-Ladens (Nora Klemm, l.) werben sie für ihre Ziele. Foto: fegu
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fegu - Die Bilder von Ozeanen voller Plastikmüll sind in diesen Tagen präsent – sie werden uns vermutlich noch über Generationen begleiten. In eine saubere Zukunft führen nur viele kleine Schritte, glaubt eine Gruppe junger Siegener. Sie möchten deshalb einen „Unverpackt-Laden“ in der Oberstadt eröffnen.

„Unverpackt Siegen“ nennt sich das Konzept, das Julia und Tim Shirley mit einer Reihe weiterer junger Berufstätiger und Studenten zwischen 23 und 35 Jahren ausgearbeitet haben. Das Prinzip: Sie verkaufen Trockenware wie Reis, Nudeln, Linsen oder Mehl sowie Hygieneartikel wie Waschpulver unverpackt.

Der Kunde bringt ein eigenes Behältnis mit oder kann es im Laden kaufen. Aus hygienisch unbedenklichen Glaszylindern kann er dann die gewünschte Menge entnehmen und sie abzüglich des Behälter-Gewichts an der Kasse bezahlen.

Auch ein „Unverpackt“-Laden ist nicht komplett abfallfrei – schließlich muss die Ware irgendwie ins Geschäft kommen und dafür eingepackt sein. Laut Tim Shirley werden die Lebensmittel in großen Mengen in Papier- oder Stoffsäcken von spezialisierten Händlern in Bio-Qualität gekauft. Im Vergleich zum plastiklastigen Supermarkt-Einkauf entfällt so viel überflüssiger Verpackungsmüll.

Zur Vollendung des Traums fehlen noch 35.000 Euro Kapital, um eine Genossenschaft zu gründen, und ein geeignetes Ladenlokal. In dieser Woche ist eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, bei der Unterstützer das Projekt mit Kleinspenden über das Internet anschieben können. Ein Drittel der Summe ist in der ersten Woche bereits zusammengekommen. „Die Rückmeldungen sind toll. Und sie sind ein erster Indikator dafür, dass es auch Leute gibt, die in den Laden kommen“, sagt Julia Shirley. Rund 40 solcher Läden gibt es mittlerweile bundesweit, im Umkreis von rund 100 Kilometern um Siegen allerdings keinen einzigen. Die Crowdfunding-Phase läuft noch bis zum 15. Juni und ist ein entscheidender Ankerpunkt in den Planungen.

Für das mögliche Ladenlokal gibt es hohe Anforderungen. Es muss über eine Küche und trockene Lagerräume verfügen. Außerdem sind die Hygienebestimmungen für „Unverpackt“-Läden strenger als in normalen Lebensmittelmärkten. So darf der Kunde etwa nicht in direkten Kontakt mit der Ware kommen. Dafür sorgen die Glaszylinder-Spender. Die Abstimmung mit dem Kreisgesundheitsamt sei eng, sagt Julia Shirley. Dass es bei vielen Siegenern den Wunsch nach einem bewussteren und kritischeren Umgang mit Konsum gibt, hat die Gruppe nach eigener Aussage in den vergangenen Monaten in Umfragen und vielen Gesprächen über das Konzept festgestellt.

„Wir füllen eine Lücke für Menschen mit dem Bedürfnis nach einem ökologisch-nachhaltigen Lebensstil“, sagt Julia Shirley. Es gehe nicht darum, den Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden und den Zeigefinger zu erheben, meint ihr Ehemann Tim Shirley. „Wir wollen eine positive Alternative bieten.“

Aktuell werben die „Unverpackt“-Aktivisten am Stand des Eine-Welt-Ladens auf den Wochenmärkten am Rathaus für ihre Zwecke. „Wann macht ihr endlich auf?“, fragt eine Markt-Besucherin am Mittwoch. Sie schätze das Engagement für die Umwelt und gegen den Leerstand in der Oberstadt, erzählt sie und wünscht dem Team viel Erfolg – eine weitere potenzielle Abfall-Vermeiderin.

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Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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