Zwei Konzepte und ein Härtefall

 Die Entscheidung, ob das Lager Stegskopf erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt wird, liegt bei der Ortsgemeinde Emmerzhausen und damit bei Ortschef Heinz Dücker (Mitte) und seinem Gemeinderat. Foto: damo
  • Die Entscheidung, ob das Lager Stegskopf erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt wird, liegt bei der Ortsgemeinde Emmerzhausen und damit bei Ortschef Heinz Dücker (Mitte) und seinem Gemeinderat. Foto: damo
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damo - Kleine Gemeinde, große Entscheidung: Am 26. März wird der Ortsgemeinderat Emmerzhausen – und nur der, kein VG-Rat, kein Kreistag – die Weichen für den Stegskopf stellen. Hat das 40 Hektar große Lager eine Zukunft, oder wird dort oben der Zahn der Zeit so lange an Gebäuden, Straßen und Plätzen nagen, bis nichts mehr davon übrig ist?

Denn spätestens seit Donnerstagabend ist es amtlich: Wenn die Ortsgemeinde Emmerzhausen ihr Erstzugriffsrecht nicht nutzt, wird die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) den Lagerbereich an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt übertragen. Und die hat nicht das leiseste Interesse an den vielen Gebäuden. Übrigens auch nicht an deren Abriss, schließlich geht der richtig ins Geld. Das Zauberwort heißt „naturnaher Abbruch“, was nichts anderes ist als ein Euphemismus für „verfallen lassen“. Für die Öffentlichkeit wäre der Lagerbereich gesperrt und ein für allemal verloren.

Diese Variante fand beim Info-Abend am Donnerstag mit großem Abstand den geringsten Zuspruch: Die vielen Zuhörer waren ganz offensichtlich nicht ins Bürgerhaus Daaden gekommen, um das Lager zu beerdigen.

Dazu muss es aber nicht kommen, und das ist die gute Nachricht des Abends. Denn Karin Weber von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) berichtete dem Publikum, dass es einige ernsthafte Interessenten für eine Nachnutzung gibt.

Das erste Konzept setzt auf eine Mischnutzung mit sanftem Tourismus, Sport und Gesundheit; es wird von einigen lokalen Akteuren getragen.

Das zweite Konzept sieht eine Investoren-Lösung aus einer Hand vor: Ein Projektentwickler aus Gießen würde das gesamte Lager übernehmen, um dort ein großes Logistikzentrum zu errichten.

Der Reiz beider Konzepte ist: Die Investoren meinen es ernst, und sie wären offenbar bereit, den Stegskopf zu übernehmen. Und das dürfte es den Ratsmitgliedern deutlich leichter machen, bei der „Jahrhundert-Entscheidung“ (Bürgermeister Wolfgang Schneider) für den Kauf des Lagers zu stimmen. Denn klar ist: Die Ortsgemeinde, die ohnehin jeden Cent dreimal umdrehen muss, kann sich kein finanzielles Wagnis erlauben.

Zwar hat die BImA noch immer keinen Kaufpreis genannt, aber ganz offensichtlich geht es nicht ums große Geld – vielmehr spricht immer mehr für einen symbolischen Preis. Das jedenfalls ließen sowohl Ortsbürgermeister Heinz Dücker als auch Karin Weber durchblicken. Aber eigentlich ist das zweitrangig: Sofern die Investoren das Gelände kaufen, spielt der Preis, den die Gemeinde an die BImA zahlen muss, kaum eine Rolle.

Dennoch werden die Ratsmitglieder bis zum 26. noch einige offene Fragen zu klären haben – und auch die Entscheidung, welches Konzept denn nun glücklich macht, ist alles andere als einfach. Denn beide haben Vor- und Nachteile.

Das hat auch das Publikum im Bürgerhaus so wahrgenommen – aber die Zuhörer hatten dennoch einen klaren Favoriten: Das Mischnutzungs-Konzept wurde nicht nur am intensivsten diskutiert, sondern erhielt auch den größen Zuspruch.

Dieses Mehrheitsvotum ist freilich für den Rat nicht bindend, stellte Karin Weber klar: „Eine Bürgermeinung ist kein Bürgerentscheid. Die Ortsgemeinde erhält heute von Ihnen eine Einschätzung, wie die Bürger über das Thema denken.“ Was die Ratsmitglieder daraus machen, liegt ganz bei ihnen. Daniel Montanus

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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