„Die Demontage einer guten Idee“

 Da hing das Hinweisschild noch: Burkhard Müller spendierte den Handwerkern, die das Schild „Wer hier parkt, isst ‘ne Wurst“ wieder abhängen mussten, eine Fleischwurst. Weil der Schriftzug gegen die Gestaltungssatzung der Gemeinde Erndtebrück verstoßen hat, musste der Metzger es wieder entfernen. Foto: privat
  • Da hing das Hinweisschild noch: Burkhard Müller spendierte den Handwerkern, die das Schild „Wer hier parkt, isst ‘ne Wurst“ wieder abhängen mussten, eine Fleischwurst. Weil der Schriftzug gegen die Gestaltungssatzung der Gemeinde Erndtebrück verstoßen hat, musste der Metzger es wieder entfernen. Foto: privat
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bw - Burkhard Müller spricht von der „Demontage einer guten Idee“: Der Metzgermeister musste kürzlich das erst im vergangenen Jahr aufgehängte Hinweisschild für die Parker vor dem Stammsitz wieder abhängen lassen – nach behördlicher Anordnung. „Die Großen dürfen alles“, berichtet der Inhaber der Erndtebrücker Metzgerei Müller, „wir Kleine dürfen leider nichts.“ Während es für Sparkassen, Volksbanken, Tankstellen oder auch Supermärkte bundesweite Regelungen gebe, wonach diese ihre Werbeschilder riesig ausrichten, dürften die kleineren Geschäfte nur sehr wenig, ärgert sich der Mittelständler, der über 80 Menschen beschäftigt.

Das ist passiert: Er hatte ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Wer hier parkt, isst ‘ne Wurst“ am Stammsitz hin zur Hachenbergstraße anbringen lassen. Damit wurden drei Plätze ausgewiesen, auf denen in erster Linie die Kunden der Metzgerei hätten parken können. Genau dieses Schild hatte „ein sehr aufmerksamer Bürger“, wie es Burkhard Müller formuliert, bei der Gemeinde moniert. Nach Hin und Her erhielt der Metzgermeister daher die Aufforderung, das Schild wieder zu demontieren. Die Begründung: Dabei handele es sich um ein unzulässiges Werbeschild, zitiert der Metzgermeister. Müller hingegen sah darin nur einen notwendigen Hinweis auf die Parksituation vor dem Gebäude. Genau an dieser Stelle werden die Fahrzeuge der Metzgerei Müller be- und entladen, da sich hier die Küche beispielsweise für den Partyservice befindet. Das sei bisher der Knackpunkt gewesen, verrät Burkhard Müller.

Kleine Schilder an der Fassade hätten keinerlei Wirkung gezeigt – also sollte ein größeres Schild diese Haltesituation entschärfen. Diese Wirkung habe das Schild auch gehabt, versichert Burkhard Müller. „Mehr noch: Es fanden viele Menschen eher witzig und sie haben positiv darauf reagiert.“ Der Spruch auf dem Schild war ja auch durchaus doppeldeutig zu verstehen und mit einem Augenzwinkern formuliert. Daher hoffte Burkhard Müller, dass auch die Gemeinde Erndtebrück eher positiv darauf reagieren würde. „Aber man musste, man wollte oder man konnte nur nach Aktenlage entscheiden“, stellt der Unternehmer etwas resignierend fest. Deshalb ist das witzige Parkplatzschild jetzt wieder ab und es komme jetzt wieder zu den Verkehrsbehinderungen wie vorher – und der mittelständische Betrieb muss natürlich die Kosten für das Auf und Ab tragen.

Warum die Demontage unausweichlich war, erläutert Torsten Manges als Sprecher des Kreises als zuständiger Bauaufsichtsbehörde auf Anfrage der SZ. An der Filiale der Metzgerei habe es zehn Werbeanlagen gegeben, für die eine Genehmigung erforderlich war. Neun der Schriftzüge hätten der Gestaltungssatzung der Edergemeinde entsprochen, so Torsten Manges – nur das besagte Schild war nicht durch die Gestaltungssatzung der Gemeinde Erndtebrück zu rechtfertigen. Deshalb sei die Demontage notwendig gewesen, berichtet Torsten Manges. Dass ein privater Betrieb hiermit Parkplätze im öffentlichen Raum ausgewiesen hatte, spielte bei der Entscheidung allerdings keine Rolle.

Die Gemeinde Erndtebrück stellt hingegen klar, keine Aufforderung zur Demontage des Schildes ausgesprochen zu haben. Diese könne lediglich von Seiten des Kreises Siegen-Wittgenstein als Bauaufsichtsbehörde erteilt werden. Vielmehr habe die Gemeinde sich im Rahmen eines Ortstermins für den Erhalt der anderen Schilder eingesetzt. Weiter heißt es von Seiten der Gemeinde: „Die Entfernung der in Rede stehenden Werbeanlage ist im Rahmen dieses Termins einvernehmlich besprochen worden.“ Ganz so einvernehmlich dann doch nicht, denn Burkhard Müller wurmt der Vorgang noch immer.

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