Hochschulabschluss für Hebammen

 Bald müssen Hebammen eine akademische Ausbildung absolvieren. Wie das in Siegen demnächst funktionieren soll, ist allerdings noch völlig offen. Foto: Archiv
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ihm - Der Einfluss der EU reicht bis in die Kreißsäle. Das erfuhr jetzt der Kreisgesundheitsausschuss in Siegen. Prof. Dr. Martina Schlüter-Cruse aus Bochum berichtete über die neuen Regelungen zur Hebammenausbildung. Ab Januar 2020 müsse diese Ausbildung akademisiert werden, weil eine EU-Richtlinie das fordere, sagte Schlüter-Cruse. Bisher lernen Hebammen ihren Beruf in einer Hebammenschule, das dauert drei Jahre. Allerdings ist dieser nichtakademische Ausbildungsweg außer in Deutschland nur noch in Lettland und Estland üblich, alle anderen EU-Länder verlangen bereits ein Studium.

Im Rahmen eines Modellversuchs bildet die Hochschule für Gesundheit in Bochum, an der Martina Schlüter-Cruse lehrt, das Studium der Hebammenkunde an. In acht Semestern kommen die Studentinnen zum Abschluss als Hebamme. Falls tatsächlich ein Mann den Beruf ergreift, heißt er „Entbindungspfleger“. Derzeit studieren in Bochum nur Frauen, wie Schlüter-Cruse der SZ sagte. 16 Hochschulen in neun Bundesländern bieten derzeit die akademische Hebammenausbildung an – 400 Plätze gibt es pro Jahr. In Nordrhein-Westfalen sind Bochum und Köln als Hochschulen dabei. Die Gesundheitshochschule Bochum nimmt jährlich 40 Studentinnen auf. Nach drei Jahren sind sie Hebammen, nach vier Jahren machen sie ihren Bachelor in Hebammenkunde.

Das Studium ist stark praxisorientiert. Zur Abschlussprüfung gehört eine Examensgeburt, die bei einem der 143 außerklinischen Kooperationspartner (zum Beispiel freiberuflichen Hebammen, Geburtshäusern usw.) oder in einer der 56 kooperierenden Geburtskliniken in NRW begleitet wird. In Siegen arbeitet das St.-Marien-Krankenhaus mit der Bochumer Hochschule zusammen. Wie die Hebammenausbildung in Siegen organisiert werden soll, steht noch nicht fest. Gesundheitsausschuss-Vorsitzende Kornelia Busch-Pfaffe sprach von Überlegungen, auch an der Universität Siegen ein hebammenkundliches Studium zu installieren. Als medizinnahes Fachgebiet könnte es an der lebenswissenschaftlichen Fakultät angesiedelt sein. Martina Schlüter-Cruse sagte zu, im Bedarfsfall beratend zu unterstützen. Allerdings ist es aus ihrer Sicht wichtig, dass bald gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, die die Anforderungen an die Ausbildung definieren. Noch befänden sich die Studiengänge im Status des Modellversuchs.

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