Tollmut spielt Shakespeare

 Turbulent, komisch und gut gespielt war der „Sommernachtstraum“ zum Zehnjährigen des Tollmut-Theaters. Foto: Veranstalter
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anwe - Endlich ist es der enthusiastischen Theatergruppe Tollmut gelungen, die Bretter, die die Siegerländer Welt des Theaters bedeuten, nämlich die des Siegener Apollo-Theaters, zu erobern. Mit ihrer Version von William Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“, dem am häufigsten aufgeführten Œuvre des englischen Dichterfürsten, nahmen sie bei der Premiere am Mittwoch das Publikum im ausverkauften Saal von Anfang an mit auf eine turbulente und rasante Reise.

Die lauen Sommernächte in einem verzauberten Wald vor den Toren Athens, die momentan durchaus auch die lauen Nächte in Siegerländer Wäldern hätten sein können, bildeten den Rahmen. Das studentische Ensemble bot zu seinem zehnjährigen Bestehen unter der Leitung seines Masterminds David Penndorf eine beachtliche schauspielerische Leistung mit vor derb-komischen Einlagen sprühenden eigenen Interpretationen des Stücks aus dem 16. Jahrhundert, das in seiner Aktualität und Attraktivität bis heute nichts eingebüßt hat.

Die Geschichte: Im Zentrum stehen die Hochzeitsfeierlichkeiten des Herrscherpaares Theseus (Tim Lechthaler), des Herzogs von Athen, und Hippolyta (Joschiko Emily Eckstein), der Amazonen-Königin. Zudem wollte der Adlige Egeus (Markus Determann), Vater von Hermia (Melissa Geißler), seine Tochter gern mit Demetrius (Jan Mohr) vermählen lassen, jedoch ist Edelmann Lysander (Valentin Rocke) in Hermia verliebt. Hermias Freundin Helena (Defne Emiroglu) wiederum ist in Demetrius verliebt. So präsentierten die talentierten Laien eine von Slapstick-Einlagen durchzogene Geschichte von Verwicklungen, Liebesbezeugungen und verschmähter Liebe, durchsetzt mit deftigen Wutausbrüchen und Schreikrämpfen. In diese Liebeswirren eingebettet probten Handwerker, die Petra Squenz (Nika Zh) zunächst ein veritables Casting durchlaufen ließ, für die Aufführung der Verwandlungskomödie „Pyramus und Thisbe“ bei der Hochzeitsfeier.

Einer von ihnen, Zettel, wollte gleich beide Rollen spielen und war, herrlich einfältig und selbstverliebt von Pierre Stoltenfeldt dargestellt, überzeugt, es würden „die schönsten Rollen, die das Publikum je gesehen hat“. Überhaupt empfand er sich, da er ja der „Gewinner der Goldenen Nacktschnecke“ und in Anspielung an gewisse sportliche Umstände „Sieger der Herzen – 2. Platz“ sei, natürlich besonders prädestiniert dafür und brachte das Publikum mit gestelztem Monolog und übertrieben und vor allem falsch artikulierten Worten zu schallendem Gelächter. Am Ende spielte er doch „nur“ den Pyramus, und als seine Geliebte Thisbe wurde Flaut, von Törless Mackensen wunderbar flapsig gespielt, mit Blondhaarperücke und in pinkfarbenes Tutu-Tüllröckchen gezwängt, gecastet.

Während der Proben wurden Handwerker und beide Liebespaare in den Ehestreit von Elfenkönig Oberon, souverän dargestellt von Jule Erler, und seiner Elfenkönigin Titania (Rudolf Neubauer) gezogen. Um diesen zu beenden, setzte er einen Liebesbann ein, wodurch Titania sich beim Erwachen in das erste Wesen verlieben sollte, das ihre Augen erblickten. Das war natürlich ausgerechnet der einfältige Zettel, den die dem Elfenkönig dienenden Narren Puck (Pepa Ulrich und Melanie Wagner) in einen Esel verwandelten. Überhaupt das schauspielerische Können: Sogar Wände, Valerie Linke als Schnauz, und Löwen, gut gebrüllt von Margarita Schmitt als Schnock, traten auf, sorgten für zusätzliche Schenkelklopfer im Publikum. Als endlich alle Verwicklungen beseitigt waren und die Liebenden ihre richtigen Partner gefunden hatten, wurde zur Hochzeit „Pyramus und Thisbe“ (Thisbe: Törless Mackensen) aufgeführt … Zum Brüllen komisch!

Es gab natürlich auch in der Tollmut-eigenen Interpretation des Stücks das Happy End, alle waren vereint und feierten – und das Publikum wurde, wie es sich zum Ende jeder Aufführung des Sommernachtstraums gehört, aufgefordert, bei Nichtgefallen so zu tun, als wäre es nur ein Traum gewesen, ansonsten zu applaudieren, was das restlos begeisterte Publikum zu stehenden Ovationen animierte. Weitere Vorstellungen finden am 9., 17., 18., 19. und 21. Juli jeweils ab 19 Uhr am Musikpavillon im Siegener Schlosspark statt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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